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| 13:42 Uhr

Franka Köpp zu Gast in Spremberg
Strittmatter als sein erster Archivar

Franka Köpp gab dem Strittmatter-Verein in Bohsdorf und seinen Gästen Auskünfte über die Arbeitsweise des bekannten Schriftstellers.
Franka Köpp gab dem Strittmatter-Verein in Bohsdorf und seinen Gästen Auskünfte über die Arbeitsweise des bekannten Schriftstellers. FOTO: Anja Guhlan
Bohsdorf. Franka Köpp gibt einen Einblick in unbekanntes und bisher unveröffentlichtes Material.

„Aus jeder Lebens-Ecke drängen Geschichten heran. Wie soll ich sie alle bändigen und ordnen, damit sie wenigstens Kulissen in meinem kleinen Tautropfen-Welt-Theater abgeben!“, schrieb Erwin Strittmatter im ersten Teil seiner Roman-Trilogie „Der Laden“. Dr. Franka Köpp, Mitarbeiterin des Literaturarchivs der Akademie der Künste in Berlin, die unter anderem das Erwin-Strittmatter-Archiv betreut, verwendet dieses Zitat gerne, um darzustellen, dass Strittmatter selbst mit seiner genauen, akribischen und vielfältigen Arbeitsweise zum Archivar wurde.

„Er fragte sich nach eigenen Aufzeichnungen manchmal, was durfte oder sollte er wegwerfen, aber letztendlich hat Strittmatter eine Fülle  von Materialien aufgehoben“, erklärt Franka Köpp. Sie gibt einen Einblick  in des Heimatdichters hinterlassenen Fundus, der im Literaturarchiv nun allein im Erwin-Strittmatter-Archiv 46 laufende Regalmeter beträgt: Der Dichter  selbst archivierte nicht nur seine eigenen Werke, mit zahlreichen Manuskripten in verschiedenen Fassungen oder handschriftlich korrigierte Handexemplare, sondern auch Entwürfe, Arbeitsmaterialien wie Zeitungsartikel, Notizen, Tagebücher,  Erinnerungen wie Schreibhefte seiner eigenen Kindheit oder gesammelte Kuriosa seiner Eltern, zahlreiche Leserbriefe und -geschenke, Ton- und  Filmaufnahmen, Schriften und Reden, aber auch selbst gezeichnete Handskizzen. Davon ist vieles unbekannt und noch nicht veröffentlicht. „Strittmatter hat all diese Sachen bewahrt und wollte diese auch bewahrt haben“, so Köpp. Für das Literaturarchiv sowie für die Literaturwissenschaftlerin und Historikerin ist diese genaue und akribische Archivierung Strittmatters selbst ein „Glücksumstand, der selbstverständlich als Maßstab gilt.“  So gilt es für die Akademie der Künste, die Erwin und auch Eva Strittmatters Nachlass im Jahr 2013 übernommen hat, bei der Archiv-Arbeit zum einen Strittmatters physische Ordnung zu erhalten und zum anderen auch Strittmatters Vermerke und Zusätze auf den Mappen zu dokumentieren. Die präzisen Vermerke wurden selbst einst von Eva Strittmatter als „eigensinnig“  erklärt.

Zur Veranschaulichung des Archivs einige Zahlen: Allein zum Laden, erster Teil, sind 35 Mappen überliefert. Köpp erinnert sich, dass aus Schulzenhof damals 140 Umzugskisten in die Hauptstadt kamen, wo heute im Literaturarchiv in Berlin-Mitte  mehr als 400 Archivkästen gefüllt sind. Köpp lädt gerne ein, das Literaturarchiv zu besuchen oder im digitalen Archiv zu blättern. „In Zukunft soll das Archiv auch komplett digitalisiert werden. Dazu ist jedoch erst einmal eine genaue Archivierung erforderlich“, bemerkt Köpp noch. Herausforderungen gibt es bei der Archivierung genug: Neben dem Umfang, der glücklicherweise vom Sohn und jetzigem Urheber  Jakob Strittmatter sehr ordentlich gelistet wurde, ist die Dokumentation nicht immer leicht. So gibt es laut Köpp   auch oft Doppelseiten zu verschiedenen Themen. Strittmatter hat Papier oft wieder verwendet und daher Vor- und Rückseiten beschrieben.

Gäste der Ausführungen von Franka Köpp sind erstaunt und begeistert zugleich:   Das Archiv und die Ausführungen zur Arbeitsweise von Strittmatter entfalten durch ihren großen Umfang,  weitestgehende Vollständigkeit und  Akribie ein breites Panorama des Schaffens des Schriftstellers.  Der Strittmatter-Freund Michael Becker  wurde von Köpp nach den rund zweistündigen Ausführungen „richtig glücklich gemacht“. „Ich bin dankbar und beneide Sie für diesen wunderbaren Beruf und Ihre Arbeit“.     Beeindruckender Applaus von vielen Seiten.

(Anja Guhlan)