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| 14:47 Uhr

Gemeinsame Erklärung in nächster Woche vorgesehen
Plan für neue Straße reift

Für den Bau einer vierten Ausfahrt am Kreisverkehr in der Kantstraße sprechen sich die Fraktionschefs der Spremberger Parteien aus.
Für den Bau einer vierten Ausfahrt am Kreisverkehr in der Kantstraße sprechen sich die Fraktionschefs der Spremberger Parteien aus. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Spremberger Fraktionschefs wünschen sich vierte Ausfahrt am Kreisverkehr in der Kantstraße. Von Rene Wappler

Selten zeigen sich die Fraktionschefs der Parteien in Spremberg einig. Doch für den nächsten Mittwoch haben sie eine gemeinsame Stellungnahme vorbereitet. Bei der Konferenz der Stadtverordneten im Bürgerhaus wollen sie ihren Plan vorstellen, um das Zentrum von Spremberg zu beleben. Allerdings treffen sie damit schon jetzt auf Skepsis.

Auf drei Vorschläge konnten sich die fünf Fraktionschefs verständigen. Sie plädieren für den Bau eines Vollsortiment-Geschäfts am Markt. Außerdem wünschen sie sich neue Wohnungen mit einem Fachmarkt im Erdgeschoss an der Ecke zwischen Wirthstraße und Dresdener Straße. Schließlich unterstützen sie die Idee, den Kreisverkehr an der Kantstraße mit einer vierten Ausfahrt zu versehen, die in Richtung der Bahnhofstraße führt. Dabei wollen sie Rücksicht auf den Plan des städtischen Vermieters Gewoba nehmen, neue Häuser im Färberquartier zu bauen.

Zugleich wenden sich die Fraktionschefs in ihrer gemeinsamen Stellungnahme gegen das Ansinnen, einen Vollsortimenter in der Wirthstraße anzusiedeln, der sich zum Busbahnhof öffnet. Schriftlich erklären sie: Ein Vollsortimenter an diesem Standort gefährde „unseres Erachtens vielmehr den Standort des jetzigen Lidl-Marktes sowie des Drogeriemarktes Rossmann und alle anderen Geschäfte in diesem Bereich“. Unterzeichnet haben die Stellungnahme Andreas Bränzel von der CDU, Christina Schönherr von den Vereinten Wählergruppen, Dirk Süßmilch von der SPD, Ilona Schulz von der Linksfraktion, Benny Stobinski von der Nächsten Generation und Stadtverordneten-Vorsteherin Elke Franke (Die Linke). Sie bezeichnen das Dokument als „persönliche Erklärung“. Denn nicht alle Stadtverordneten teilen ihren Standpunkt.

Zu den Skeptikern zählt Jens-Uwe Winkler. Er arbeitet im Aufsichtsrat des Vermieters Gewoba mit. Nach eigenen Worten kann er fast alle Aspekte der Stellungnahme nachvollziehen. Nur der Plan für eine vierte Abfahrt am Kreisverkehr in der Kantstraße wundert ihn. „Aus gutem Grund plant die Gewoba dort den Bau neuer Häuser“, sagt Jens-Uwe Winkler. „Sie würden sich direkt an der Spree befinden, zugleich direkt am Zentrum, aber nicht so vom Lärm geplagt wie andere Wohnungen im Stadtzentrum.“ Eine weitere Straße könnte dieses Projekt beeinträchtigen, wie er fürchtet. Davon abgesehen halte er die Stellungnahme der Fraktionschefs für vernünftig. Schließlich habe er sich selbst einst als Kandidat für die Spremberger Bürgermeisterwahl dafür ausgesprochen, das Stadtzentrum weiter zu entwickeln.

Benny Stobinski von der Nächsten Generation verteidigt unterdessen den Wunsch, eine neue Straße am Kreisverkehr zu bauen. Er sagt, Jens-Uwe Winkler denke als Mitglied des Gewoba-Aufsichtsrats „zu kurzsichtig und zu einseitig“. So sei es mittels „geschickter Planung“ durchaus möglich, dem Projekt der Gewoba zu entsprechen. „In die Innenstadt ziehen die Menschen doch nur, wenn sie attraktiv ist“, erklärt Benny Stobinski. Als gelungenes Beispiel zieht er die Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) zu Rate. Ihren Mix aus Altbau und Neubau in der Stadt hält der Fraktionschef der Nächsten Generation für den „Zukunftsmarkt“. Grundsätzlich merkt Benny Stobinski an: „Wir sehen doch seit zehn Jahren das Sterben der Innenstadt, weil uns die Magneten fehlen.“ Nur ein Vollsortimenter könnediesem Trend entgegenwirkt.

Wie die Fraktionschefs plädiert das Einzelhandelskonzept der Stadt Spremberg für ein Vollsortiment-Geschäft im Zentrum. Das Konzept stammt von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung. Die Autoren empfehlen, für die Innenstadt keine Beschränkung aufzuerlegen, wenn mögliche neue Einzelhandelsangebote geschaffen werden können.

Wie schwierig sich das Ansinnen gestaltet, die Innenstadt zu beleben, zeigte im Oktober der Rückzug des DM-Markts aus der Dresdener Straße. Die Gebietsverantwortliche des Unternehmens, Heike Hentschke, erklärte damals: „Wir mussten feststellen, dass die Fortführung des Marktes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sinnvoll ist.“ Dabei hatte die Filiale erst im Februar 2014 eröffnet. Nach RUNDSCHAU-Informationen knüpfte sich der Vertrag des Drogerie-Unternehmens damals an die Ansiedlung eines Vollsortimenters in unmittelbarer Nähe, wozu es jedoch nicht kam.