Von Annett Igel-Allzeit

Es gibt Bäume im Wald zwischen Drieschnitz und Hornow, die dürfen alt werden wie Methusalem. Laut Bibel brachte es der Namenspatron des Baumprojektes auf 969 Jahre. Ob sie Methusalems im Landeswald-Projekt oder Biotop-Bäume im Privatwald sind – sie tragen Nummern, sind registriert und sie dürfen liegen bleiben, wenn sie umkippen.  Peter Noack, der Leiter des Forstreviers Felixsee, und Birgit Schulze, Leiterin des Forstreviers Trebendorf, zu dem Kahsel und Drieschnitz gehören, achten auf diese alten Bäumen. Ab 40 Zentimeter Durchmesser in 1,30 Meter Stammhöhe können Bäume zu Methusalems auserkoren werden. Oft haben sie Bruthöhlen und sind auch als Totholz voller Leben.

Mehr als 150 Menschen sind der Einladung zur 4. Neujahrswanderung gefolgt. Der Vorstand der Jagdgenossenschaft Drieschnitz-Kahsel hatte vor vier Jahren die Idee zur Wanderung. Dieter Perko, Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree, hofft, damit auch die Einwohner der Ortsteile mehr zusammenzubringen. Tatsächlich begrüßten sich viele mit einem fröhlichen Hallo und Neujahrswünschen. Dem Jagdvorstand helfen die Ortsfeuerwehren Drieschnitz und Kahsel samt Feuerwehrjugend und der Lausitzer Golfclub bei der Organisation. Der Ortsbeirat spendiert Geld. Die Cottbuser Jagdhornbläsergruppe „Waldelust“ bläst nicht nur vorm Start am Golfplatz, sondern schickt immer wieder Signale durch den Wald. Birgit Schulze übernahm die Gruppe mit den Kindern. Die Ponys Monty und Joe von der Drieschnitzer „Thunder Horse Ranch“ hatten auf den fünf Kilometern stets ein paar Kinder zu tragen. Die Erwachsenengruppe um Peter Noack glänzte mit Fragen und Vorwissen.

Ob sie sich noch alle an den großen Dachsbau erinnern, den er ihnen in einem der Vorjahre gezeigt hatte? Diesmal zeigte Peter Noack, wo der Hirsch unterwegs ist, wie ein echter Kahlschlag aussieht und warum ein Fichtenbestand in wenigen Wochen gefällt werden muss. Der Buchdrucker, ein Schädling, und die große Trockenheit im Sommer 2018 waren zu viel für die Fichten. Nicht nur die Nadeln werden braun und fallen ab, auch die Rinde lässt sich ganz leicht abziehen. Die Bäume müssen vor dem erneuten Ausflug der Käfer im April gefällt und schnell aus dem Wald geholt werden, um einen Übergriff auf weitere Bestände zu vermeiden. Mit ein bisschen Glück könne der Waldbesitzer noch acht bis zehn Euro pro Raummeter für die kranken Fichten bekommen, schätzt Noack. Als Industrieholz wird es Zellstoff, Zeitungspapier, Holzwolle. Dass Noack um diese Fichten trauert, liegt daran, dass er ihren Anbau einst selbst miterlebt hatte. „Das ist rund 30 Jahre her.“ Davor habe ein jugendlicher Brandstifter die Region verunsichert. Unter den acht bis neun Hektar Wald, die er mit Kerzen vernichtet hatte, sei auch dieses Stück hier gewesen. „Das Besondere aber war, dass hier mein ehemaliger Kollege, der nicht nach, sondern vor den Löscharbeiten nach Spuren suchte, auf das Moped stieß, an dem der Brandstifter später erkannt wurde. Mit den Fichten wurde die Stelle wieder aufgeforstet“, erinnert sich Peter Noack.

Auch von der Taktik des Kupferstecher, des Großen Waldgärtners und des noch gefährlicheren Kleinen Waldgärtners erzählt der Förster. Absägen und raus aus dem Wald sei oft die einzige Möglichkeit, das Holz zu retten – oder es wässern, wie es zum Beispiel die Spreewälder mit ihren Erlen tun. Die chemische Keule jedenfalls helfe oft nicht, weil sie nicht unter die Rinde geht. Leimringe – „an denen die Mädels unserer Schädlinge kleben bleiben“ – helfen, den möglichen Schaden einzuschätzen. Deshalb müssen Förster und Forstarbeiter nach wie vor viel an Fallen und im Boden zählen. Manchmal kommen dafür auch Wissenschaftler in der Wald, so Peter Noack. Beim Alarm zur Rot-Bänder-Krankheit war das so. „Ein Schadpilz mit roten fadenförmigen Sporen, die so winzig sind, dass man mit Brille in den Wald muss, um erst einmal zu klären, ob es die Sporen dieses Pilzes sind.“ 2014 war der Pilz erstmals an Schwarzkiefern in Baden-Würtemberg festgestellt worden, 2015 in Brandenburg. „Bereiche in Wolfshain, Jämlitz, Hornow Vorwerk und auch Aufforstungen in der Tagebaufolge am Buckwitzberg waren betroffen. Wir hier hatten Glück“, so Förster Noack. Aber inzwischen werde die befallene Schwarzkiefer auch nicht mehr sofort abgesägt. „Kräftiges Auslichten der Bestände hilft, denn Pilz mag es nicht so windig.“

Nach einer Lektion im Waldbau und einem Lob auf die Robinie ging es mit Fackeln zurück zum Golfplatz, wo Glühwein, Kinderpunsch und Gulaschsuppe auf die Wanderer wartete. In einem Quiz wollten die Förster zum Beispiel noch wissen: Wer Horst im Wald heißt und was Hektar mit Hektoliter zu tun hat? Und so rückten wieder viele zusammen.