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| 14:55 Uhr

Archäologen auf Schatzsuche
Forscher finden historische Gräber

Archäologe Dr. Morten Hegewisch untersucht die Grabstätte bei Spremberg.
Archäologe Dr. Morten Hegewisch untersucht die Grabstätte bei Spremberg. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Team der Freien Universität Berlin arbeitet mit Helfern aus Spremberg zusammen.

Archäologen untersuchen in der Spremberger Region ein Gräberfeld, das vermutlich im dritten oder vierten Jahrhundert nach Christus entstanden ist. Den genauen Standort wollen sie der Öffentlichkeit noch nicht preisgeben. Sie fürchten, dass Plünderer an der Stätte nach historischen Schätzen suchen und sie beschädigen.

Mit einer Sonde untersucht Daniel Hildebrand den Erdhaufen, der sich neben den Gräbern auftürmt. Die Sonde fiept. „Schon wieder was gefunden“, sagt der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, der in Spremberg einen Hausmeisterservice betreibt. Wie eine Schatzsuche empfindet er das Aufspüren historischer Zeichen, die Aufschluss über eine längst vergangene Epoche geben.

Auch David Koahl zählt zu den ehrenamtlichen Denkmalpflegern, die mit ihren Sonden die Gegend um Spremberg durchforsten. Als er dabei Metall fand, informierte er Referatsleiter Thomas Kersting vom zuständigen Landesamt. Dieser war sofort interessiert. Zugleich war ihm klar, dass eine Gefahr besteht, sobald zu viele Leute vom genauen Standort erfahren. „Es kommt leider oft vor, dass Grabräuber solche Stätten plündern“, sagt Kersting. „Damit handelt es sich für mich um Verbrecher, denn sie zerstören auch den wissenschaftlichen Wert.“

Das wollte er verhindern. Er weihte Fachleute von der Freien Universität Berlin ein, die daraufhin gemeinsam mit Studenten zur historischen Grabstätte fuhren, um sie zu untersuchen. Dr. Morten Hegewisch arbeitet am Institut für Prähistorische Archäologie in Berlin. Eine Woche lang wird er gemeinsam mit seinem Kollegen Jens Greif den Ort bei Spremberg inspizieren. „Wir haben bereits Messer gefunden, das Stück einer Schere, Gürtel, die Reste eines Eimers und römisches Glas“, sagt Morten Hegewisch. „Offenbar bestanden hier Kontakte zum römischen Reich.“ Nun geht in der Umgebung der Grabstätte das Gerücht um, ein Fürst sei dort bestattet worden. Doch wie es sich für einen Wissenschaftler gehört, bleibt der Archäologe aus Berlin skeptisch, als er davon erfährt. „Da hat sich wohl jemand zu weit mit seinen Vermutungen vorgewagt“, erklärt er. „Denn dafür gibt es keine Belege.“

Allerdings haben die Forscher beim Graben Leichenbrand entdeckt. In Europa galt das Verbrennen der Toten seit der Jungbronzezeit in der Phase von 1300 bis 800 vor Christus als „vorherrschende Bestattungssitte“. So heißt es in einer Dissertation der Anthropologin Dr. Birgit Großkopf, die sich auch einem Gräberfeld auf dem Gebiet der Alvensleben-Kaserne in Cottbus widmete. Diese Sitte lasse sich „durch die Eisenzeit, Kaiserzeit bis zur beginnenden Völkerwanderungszeit hindurch beobachten“ Mit der Christianisierung wurde sie laut der Dissertation bis zum Jahr 400 nach Christus wieder von Körperbestattungen abgelöst.

Der Leichenbrand auf dem Gräberfeld bei Spremberg lässt sich Frauen, Männern und Kindern zuordnen. Das berichtet Archäologe Morten Hegewisch. Erneut kommt der Enthusiasmus des Forschers in ihm durch, als er auf die freigelegte Erde deutet und feststellt: „Eine richtig schöne Fundstelle.“ Auch die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger seien erfreut darüber, dass ihre Erkenntnisse wissenschaftlich verwertet werden.

Daniel Hildebrand aus Spremberg nimmt mit seiner Sonde an den Arbeiten teil.
Daniel Hildebrand aus Spremberg nimmt mit seiner Sonde an den Arbeiten teil. FOTO: LR / René Wappler