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Filmaufnahmen in den dunklen Gassen von Spremberg

Hanna Schulz (17) ist in die Rolle als Regisseurin und Kamerafrau geschlüpft und dreht gemeinsam mit dem Dozenten Andreas Köfer und den anderen Teilnehmern der Filmschule ihren Kurzspielfilm.
Hanna Schulz (17) ist in die Rolle als Regisseurin und Kamerafrau geschlüpft und dreht gemeinsam mit dem Dozenten Andreas Köfer und den anderen Teilnehmern der Filmschule ihren Kurzspielfilm. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Neun Schüler der "Filmschule Lausitziale" arbeiten derzeit an ihren eigenen Kurzspielfilmen. Hanna Schulz wagte in der Nacht zu Sonntag sogar einen Nachtdreh in ihrer Heimatstadt. Anja Guhlan /

Hanna Schulz will einen Kurzfilm über das Thema Angst drehen. In ihrem Drehbuch lässt sie eine junge Frau auf ihrem Nachhauseweg eine Abkürzung durch eine dunkle Gasse nehmen. "Das Thema Angst kann ich in dieser Situation am besten zeigen", meint die 17-Jährige. Auf Text verzichtet sie. "In meinem Film kommt es auf die Mimik und Gestik der Schauspielerin an." Deshalb hat sie sich eine professionelle Schauspielerin als Protagonistin gesucht.

An der "Neuen Bühne" in Senftenberg wurde sie fündig. Alrun Herbing unterstützt das Filmprojekt. "Ich mache das absolut gerne. Ich selbst bin ja auch erst seit drei Jahren als ausgebildete Schauspielerin an der Neuen Bühne und um jede Erfahrung dankbar. Das Drehbuch von Hanna finde ich zudem sehr gelungen. Da hat es mich gereizt mitzuwirken."

Um 21.30 Uhr fangen am Samstagabend die Vorbereitungen für die Dreharbeiten in der Johannesgasse an. Kabel für den Strom werden verlegt, die Beleuchtung ausgerichtet, die Schauspielerin eingewiesen und erste Proben durchgeführt. "Die Johannesgasse eignet sich hervorragend für meinen Film", meint Hanna Schulz. Dort seien besonders schöne Einstellungen machbar. An diesem Abend übernehmen andere Filmschüler wie Emma Hofmann (17), Justin Konetzke (19) und Alexandra Gäfke (17) Aufgaben wie Kameraassistenz, den Ton oder die Dokumentation über die Kontinuität des Films. Die Technik wird von dem Verein Back Pictures bereitgestellt.

Als die Dunkelheit eingebrochen ist, wird die Kamera positioniert. "Wir haben heute Nacht 16 Einstellungen zu drehen", erläutert Hanna ihrem Team das Pensum, dass bis 3 Uhr geschafft sein muss, weil es dann wieder hell wird. Hanna, die zum ersten Mal hinter einer Kamera steht, legt los: Gekonnt führt sie die Kamera, filmt die Schauspielerin in der Halbtotalen, dann als Nahaufnahme. Auf dem Display der Kamera sieht es düster aus, die Schauspielerin spielt die ängstliche junge Frau gut. Sie überzeugt mit Mimik und Gestik. Bei einem Nachtdreh kommt es auf eine gute Beleuchtung an, erklärt Kameramann Andreas Köfer. In diesem Jahr arbeitet er bereits mit dem zweiten Jahrgang. Zehn Theorieeinheiten liegen bereits hinter den neun Schülern. Sie lernten dort bereits viel über Licht und über Schattenwurf und Kamerapositionen. Seit ein paar Wochen drehen die Schüler ihren eigenen Kurzspielfilme.

"Ein Nachtdreh ist eher physisch anspruchsvoll", erklärt er. "Aber ein Nachtdreh lässt auch viel Freiraum für die eigene künstlerische Gestaltung." Hanna, die zum ersten Mal an einem solchen Filmprojekt mitwirkt, versucht die Aufgabe als Kamerafrau und Regisseurin so gut es geht, zu meistern. Tipps und Hilfe bekommt sie von Andreas Köfer. "Alle arbeiten mit großer Professionalität in einem Team zusammen und respektieren sich gegenseitig. Es ist sehr beeindruckend", lobt Köfer seine Schüler.

In den nächsten Tagen soll es an den Schnitt gehen. Wann alle Kurzfilme der Filmschüler präsentiert werden, hängt davon ab, wie schnell der Schnitt voranschreitet.

Zum Thema:
Mit der Filmschule Lausitziale, die im März 2015 von Kameramann Andreas Köfer und dem Spremberger Verein Lausitziale gegründet wurde, will Köfer sein Wissen und seine Erfahrungen aus seiner rund 40-jährigen Tätigkeit als Kameramann gerne an Filmenthusiasten weitergeben. Erfahrungen als Dozent hat Andreas Köfer seit 25 Jahren an verschiedenen Hochschulen Deutschlands gesammelt. Die Filmschule schult mittlerweile seinen zweiten Jahrgang und hofft auch im nächsten Jahr auf einen dritten Jahrgang.