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Film-Gespräche über die Strittmatters

Jakob Strittmatter im Gespräch mit dem Besucher Joachim Weidauer (75) aus Chemnitz über die gezeigten Filme.
Jakob Strittmatter im Gespräch mit dem Besucher Joachim Weidauer (75) aus Chemnitz über die gezeigten Filme. FOTO: ang
Bohsdorf. Jakob Strittmatter brachte zum Hoffest in Bohsdorf alte Filmwerke über seine Eltern mit. Die Besucher bekamen seltene Einblicke. Anja Guhlan

Viele Literaturfreunde haben sich wieder auf dem Hof hinter dem Laden in Bohsdorf versammelt. Einblicke in selten gezeigte Filme bekommen die Besucher zum diesjährigen Hoffest des Strittmatter-Vereins vom jüngsten Sohn der Strittmatters Jakob präsentiert.

Die Museumsscheune hinter dem berühmten Laden in Bohsdorf hat sich in einen kleinen Kinosaal verwandelt. 60 Besucher nehmen darin zur ersten Vorstellung Platz. Der jüngste Sohn Jakob des literarischen Paares Erwin und Eva Strittmatter hat zum diesjährigen Hoffest Filmwerke mitgebracht. So wurde zunächst ein 15-minütiger Zusammenschnitt aus acht erhaltenen DVDs mit Schmalfilmen aus den 1950er-Jahren von den Strittmatters gezeigt. Auf der Leinwand ist zum Beispiel die Heuernte im Jahr 1957 zu sehen. Wie die Kinder und Eva mit einem Heuschober das trockene Heu auf den Pferdewagen aufladen. Auch eine Schlittenfahrt im Winterwald oder andere Ausfahrten können die Besucher erblicken, bei der die Strittmatters fröhlich in die Kamera winken. Die Filme sind alle ohne Ton und mit keiner Musik hinterlegt. Auch Erwin Strittmatters Leidenschaft für Pferde wird mehrmals in den kurzen Filmen deutlich. Einmal wie er mit Brandy, der Vorlage des Pony Pedros, im Obstgarten ausreitet oder in der Landschaft mit Brandy umherzieht. Es wird auch gezeigt, wie sich die Kinder Matthes, Jakob und Ilja im Lasso werfen üben.

Am Ende kräftiger Applaus der Besucher. "Die Filme sind zutiefst menschlich. Aus der Einfachheit heraus wurden mit diesen Filmaufnahmen die Schönheit der Landschaft aus dieser Zeit und das Leben der Strittmatters gezeigt. Wunderbar!", meint Renate Petke (81) aus Atterwasch bei Guben. Auch Almut Fehrmann (72) aus Chemnitz ist begeistert. "Die kleinen Filme fand ich alle ganz spannend. Es wurde das alltägliche Leben der Strittmatters gezeigt, wie sie zum Beispiel die Landwirtschaft meisterten, und doch erscheinen mir die Bilder wie Poesie zum Beispiel bei der verschneiten Winterlandschaft."

Eine weitere Besonderheit des Hoffestes war das filmische Porträt der Lyrikerin Eva Strittmatter "Ich sehe, was ich seh" von Holmar Attila Mück und Ernst Cantzler. Der Film wurde 1980/81 gedreht. Er zeigt die junge Eva Strittmatter im Interview an ihrem Schreibtisch, lässt die Bilder lange ruhen auf der Landschaft um Schulzenhof und Dollgow, während sie ihre Gedichte vorträgt, begleitet sie nach Georgien, wo sie 15 Jahre zuvor ihre allererste Lesung hatte. Kritisch sind ihre Worte, nicht nur in ihren Gedichten. Und die Bilder unterlegen das. 1982 war der Streifen fertig. Auf Betreiben des damaligen DDR-Kulturministers Kurt Hager wurde der Film verboten - erst fünf Jahre später durfte das Werk dann endlich aufgeführt werden. "Ich bin froh, dass der Film heute wieder gezeigt werden kann", bekannte Jakob Strittmatter, als er über die Zeit der Dreharbeiten aus Tagebuchaufzeichnungen seines Vaters Erwin und aus Evas "Briefe aus Schulzenhof" vorgelesen hat.

Besucher Joachim Weidauer (75) aus Chemnitz findet: "In dem Filmporträt wurde eine kluge und doch einfache Lyrikerin gezeigt, die es nicht immer leicht im Leben hatte.

Ich bin immer noch ganz erfreut, es jetzt mal gesehen zu haben." In einem kurzen Gespräch lobt er den Sohn Jakob für diese gelungene Filmvorstellung.

Auch Renate Brucke, die Vorsitzende des Strittmatter-Vereins, ist zufrieden. "Mehr als 100 Besucher sind gekommen, sodass wir die Filme sogar in zwei Vorstellungen zeigen mussten. Das Interesse freut uns", meint sie.

Zum Thema:
Der Strittmatter-Verein in Bohsdorf zählt zurzeit 160 Mitglieder. Zurzeit arbeitet der Verein an der Gestaltung eines Großelternzimmers, dass auch die Großeltern ein Stück weit porträtieren soll. Renate Brucke schätzt, dass das Projekt noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Bei der nächsten Veranstaltung am 13. August um 14 Uhr wird zum ersten Mal der Kurzfilm "Mücke am Blatt" von Peter Moschall gezeigt, der einen fiktiven Dialog eines Großvaters mit seiner Enkelin nach Texten von Erwin Strittmatter zeigt.