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| 02:49 Uhr

Felixsee zwischen Ideal und Loch

Der Blick auf den zugefrorenen Felixsee vom Aussichtsturm aus. Das Holz ist ohne Dach der Witterung seit 2004 schutzlos ausgesetzt.
Der Blick auf den zugefrorenen Felixsee vom Aussichtsturm aus. Das Holz ist ohne Dach der Witterung seit 2004 schutzlos ausgesetzt. FOTO: Frank Hilbert
Felixsee/Spremberg. Wird sich Döbern-Land doch noch zu einer amtsfreien Gemeinde zusammenzuraufen? In Klein Loitz diskutierten die Felixseer Gemeindevertreter die Zukunft des Amtsbereiches. Sie könnten wie Hornow und Wadelsdorf nach Spremberg gehen. Annett Igel-Allzeit

Diese Idee mit den Grenzen der Altkreise, so vermutet Döbern-Land-Kämmerer Sören Reichelt, habe wahrscheinlich auch das Innenministerium noch in der Schublade. Sie könnten sich aber auch mit Tschernitz, Jämlitz-Klein Düben, Groß Schacksdorf-Simmersdorf, Neiße-Malxetal, Wiesengrund und Döbern endlich zur Einheitsgemeinde finden.

Mit 11 135 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) sei das machbar, so Sören Reichelt. Der Fachbereichsleiter gab zu, dass er als Mann der Verwaltung für die amtsfreie Gemeinde im ländlichen Raum kämpft. Die Verwaltung bleibe bestehen, wenngleich sie schlanker würde. Zehn Planstellen weniger, schätzt er. "So würden wir mittel- und langfristig überleben." Alle Gemeinden befinden sich laut Reichelt in der Haushaltskonsolidierung. "Aus eigener Kraft schaffen wir es nicht aus dem Loch. Uns drücken Umlagen, Pflichtaufgaben. In der Einheitsgemeinde dagegen ergeben sich Einspareffekte."

Mit der Schuldebatte kam sie Ende 2011 in Gang: die Diskussion um die Einheitsgemeinde. Die Städte Forst und Spremberg machten nicht nur Hornow-Wadelsdorf, Felixsee, Tschernitz und Schacksdorf-Simmersdorf nervös. Im April 2012 legte die Amtsverwaltung ein Konzept vor: 1,2 Millionen Euro könnte die Einheitsgemeinde demnach im ersten Jahr sparen und bald schwarze Zahlen schreiben, rechnete die Verwaltung damals vor. Zum 1. Januar 2014 sollte sie startklar sein. Landrat Harald Altekrüger (CDU) lobte sie als richtigen Weg. Doch plötzlich hagelte es im August 2013 Kritik aus dem Innenministerium. Ein Aufbäumen, Einwohnerversammlungen, Beschlüsse, Uneinigkeit, die Bremse, der Sand. Das alte Konzept von 2012 und einen Vertrag, den Schacksdorf-Simmersdorf damals eifrig erarbeitet hatte, nahm Sören Reichelt in dieser Woche in die Felixseer Sitzung mit. Herzhaft zugegriffen wurde nicht. Die Zahlen sind alt, Hornow und Wadelsdorf Spremberger Ortsteile.

Im September 2016 fassten die Felixseer den Grundsatzbeschluss, dass der Weg zur Einheitsgemeinde weiterverfolgt werde. Wie andere Gemeindevertretungen auch formulierten sie den Zusatz hinein, dass eine spürbare Entschuldung der Gemeinden erreicht werden müsse.

Werden nur 50 Prozent der Kassenkredite entschuldet, oder kommen alle Schulden auf den Tisch? Das fragte nun Andreas-Paul Mekelburg (Linke). Er befürchtet, dass ein strukturelles Defizit bleibt. "Die Strukturreform muss nachhaltig sein, sonst sitzen wir in zehn Jahren vor dem gleichen Problem", sagt Mekelburg. Dietrich Kirmse (Einzelkandidat): "Auf ideeller Ebene bin ich dafür, dass wir den ländlichen Raum erhalten." Nur materiell könne er das nicht ganz glauben. Er will eine Prognose mit aktuellen Zahlen vom Amt. Ernst-Wolfgang Kostbar (SPD) seufzte besonders tief: "Ihr werdet sehen, die Kreisgebietsreform wird durchgepeitscht, dann geht es an die kleinen Gemeinden." Er mutmaßt: "Wenn wir jetzt die Einheitsgemeinde bilden, gehen wir anschließend geschlossen nach Forst."

Die Felixseer planen eine Einwohnerversammlung. Die Amtsverwaltung soll ihnen dafür zwei Seiten Papier erarbeiten: mit Fakten - zur Einheitsgemeinde und zur Eingliederung nach Spremberg. Die größten Sorgen macht ihnen die Uneinigkeit zwischen den Gemeinden: Der Streit um die Ausschreibung der Amtsdirektorenstelle, der nun gegen den Landkreis vor Gericht ausgetragen werden soll, bewies das in dieser Woche. Die Einheitsgemeinde, so Reichelt, mache nur Sinn, wenn alle Gemeinden mitziehen.

Auch in Sprembergs Stadtverordnetenversammlung war die Gebietsreform Thema. Torsten Schroeter (Vereinte Wählergruppen) Stadtverordneter aus Hornow, wollte wissen, ob und wann es weitere Eingliederungen nach Spremberg gibt. Bürgermeisterin Christine Herntier: "Der entsprechende Mitarbeiter im Innenministerium hatte im Januar keine Zeit für das Thema, wir bleiben da aber dran."