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Feiern im Knusperhäuschen

Sehen so aus, wie sie klingen: "Pippi and the 50's Boy" spielten im Knusperhäuschen beim Steinfest.
Sehen so aus, wie sie klingen: "Pippi and the 50's Boy" spielten im Knusperhäuschen beim Steinfest. FOTO: Martina Arlt/mat1
Groß Buckow. Wenn am Weg zum Buck'schen Stein die Schranke öffnet und das gelbe ehemalige Ortsschild rechts am Wegesrand steht, dann feiern sie ihr traditionelles Steinfest. Denn Groß Buckow wurde 1983 aufgrund des Tagebaus umgesiedelt und 760 Einwohner suchten sich in Spremberg und Umgebung eine neue Heimat. Martina Arlt / mat1

Doch die Dorfgemeinschaft sollte auf jeden Fall erhalten bleiben und so gründeten die Groß Buckower 1998 ihren Heimatverein. Seit dieser Zeit leitet Jens Schima (55) die Geschicke des Vereins, der anfangs 40 Mitglieder zählte. Heute sind es bereits 205 Mitglieder, die sich immer wieder gern zu besonderen Höhepunkten treffen.

Zwei neue Mitglieder aus der "westlichen Richtung" konnten sogar am Samstag aufgenommen werden. Das sind Eva Wickers-Weber (50) und Christiane Bartenheier (53), die verwandtschaftlich mit Familie Nothnick aus Groß Buckow verbunden sind. Seit Jahren sind sie stets Gäste am Stein und nun gehören sie dem Verein an. Darüber freut sich Jens Schima besonders als Vereinsvorsitzender.

"Natürlich verfolgt man auch heute noch das Thema Kohle, wenn es um die Umsiedlung von Ortschaften geht", sagt er. "Doch wir hatten damals keine Chance, wir mussten umziehen, es gab keine andere Lösung." Insgesamt seien damals durch den Tagebau 29 Kirchen abgebaggert worden. Für einige umgesiedelte Dörfer sei dann in Spremberg die Auferstehungskirche in der Drebkauer Straße entstanden. Die Pritzener Kirche wurde umgesetzt, so der Vereinschef. "Für uns ist das Thema abgeschlossen. Aber ich muss betonen, es gab immer eine sehr gute Zusammenarbeit mit Vattenfall, wir wurden jederzeit unterstützt. Das ist auch bis 2020 so verankert. Für uns ist einfach der Zusammenhalt der Einwohner wichtig und das leben wir mit unserem Verein", sagt Jens Schima.

1996 entdeckten ehemalige Einwohner von Groß Buckow "ihren Stein" mit Inschrift genau auf dem Fleckchen Erde, wo in ihrem Ort die Kirche stand. So überlegten sie nicht lange, kauften und gestalteten dieses Areal mit einer Fläche von 5000 Quadratmetern. In ihrer Freizeit gestalteten die Buck'schen dann "ihr Domizil". Heute steht der drei Tonnen schwere Stein im Mittelpunkt des Festgeländes und ist von Blumen und Pflanzen umgeben. Sitzgelegenheiten wurden gebaut. Denn besonders sonntags treffen sich die Groß Buckower auch gern einmal in privater Runde und trinken an ihrem Stein Kaffee. Er ist ein Treffpunkt für Jung und Alt geworden.

Zum Steinfest hat alles mit einem Zelt begonnen. 2003 baute man sich jedoch wieder das altbekannte "Knusperhäuschen" auf, das als Sportlerheim in dem umgesiedelten Ort weit und breit bekannt war. Um das Gelände immer in einem gepflegten Zustand erscheinen zu lassen, gibt es jährlich zwei Arbeitseinsätze. Unterstützung erhält der Verein dabei auch vom Dorfentwicklungsverband.

So war am Wochenende wieder "Steinzeit" in der 19. Auflage. Die Besucher pilgerten zum Gedenkstein von Groß Buckow und feierten ausgelassen im Knusperhäuschen. Die Festivitäten begannen bereits freitags mit einer Kinonacht. 75 Gäste kamen mit Kissen und Decken zum Freiluftkino und schauten sich den Defa-Film "Der Baulöwe" von 1980 an.

Zu jedem Steinfest lädt Dietwald Frenzel, der als letzter Pfarrer in Groß Buckow wirkte, samstags zum Gottesdienst ein. In diesem Jahr wurde der Nachmittag vom Hornower Posaunenchor begleitet.

Dann lauern die Gäste schon auf den leckeren Buck'schen Kuchen zur Kaffeezeit. Dafür zeichnet sich jedes Jahr Katharina Grimm als "Oberbackfrau" aus. Die Frauen hatten 23 Blechkuchen gebacken.

Musikalisch umrahmt wurde das Fest mit Blasmusik durch das "Orchester Lausitzer Braunkohle". Am Abend luden sich die Buck'schen "Pippi and the 50's Boy" aus Plauen mit einer "Rocking and Rolling Oldie Show" ein. Gern wurde später das Tanzbein nach Fred's Partymusik geschwungen.

Im nächsten Jahr begeht der Heimatverein Groß Buckow das 20-jährige Vereinsjubiläum. Dazu gibt es am 9. Juni 2018 eine Festveranstaltung in der Schilfhütte in Spremberg.