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| 13:25 Uhr

Heißes Wetter, weniger Zuschauer - aber auch Gäste aus Chemnitz
Rockspektakel mit altem Stoff

 Der alte Dr. Faust trifft auf den diabolischen Mephisto, der ihm ein verlockendes Angebot unterbreitet. Die Zuschauernachfrage blieb aber hinter den Erwartungen zurück.
Der alte Dr. Faust trifft auf den diabolischen Mephisto, der ihm ein verlockendes Angebot unterbreitet. Die Zuschauernachfrage blieb aber hinter den Erwartungen zurück. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. 350 Schüler erleben auf Freilichtbühne „Faust- Die Rockoper“. Goethes Tragödie ist zum dritten Mal als Bühnenshow in Spremberg. Mit abklingendem Erfolg.

Die Produktion wurde in Deutschland bereits mehr als 700 Mal aufgeführt.  Nachdem das Rockspektakel in den Jahren 2012 und 2013 noch je rund 1500 Schüler auf die Freilichtbühne nach Spremberg lockte, sind es in diesem Jahr zum dritten Auftritt der Rockoper nur noch 350 Schüler gewesen. Der Blick auf proppevolle Ränge blieb den Crew-Darstellern also dieses Mal verwehrt. Vielmehr verlagerte sich das sowieso schon dezimierte Publikum aufgrund der hitzigen Sonne eher in die Schattenbereiche am Rand der Freilichtbühne. Produzent Michael Manthey musste das so hinnehmen.  Schließlich machten er und die  Darsteller das Beste daraus.

Die ersten Elektrogitarren-Klänge sind zu hören. Der alte Dr. Faust verzweifelt in seinem Studienzimmer  über die Grenzen der menschlichen Erkenntnis. Da kommt ihm der diabolische Mephisto mit seinem verlockenden Angebot gerade recht. Plötzlich steht da ein verjüngter Dr. Faust in Disco-Rüschenbluse auf der Bühne. In rockiger Metal-Manier singen die beiden Hauptdarsteller mit ihren Stimmen originale Goethe-Texte, während die vierköpfige Band einen klanggewaltigen Soundteppich ausbreitet. Ein urplötzliches von Mephisto entflammtes Buch, Bühnennebel und Pyrotechnik lassen das Publikum immer wieder staunen.

Der Schüler Malox Hennig (10) vom Lausitzer Haus des Lernens des Albert-Schweitzer-Familienwerkes fasst das Rockspektakel als „Mega Show“ zusammen. Ihm gefiel vor allem die Pyrotechnik und das aufgeflammte Buch. Doch haben sie auch die Handlung verstanden? „Wir haben Goethes Faust leider noch nicht in der Schule behandelt. Vor der Aufführung  haben wir in der Schule eine Kurzeinweisung bekommen, sodass wir jetzt schon die groben Handlungsstränge kennen“, meint Klassenkamerad Julius Müller (10). Deutschlehrerin Andrea Danzig sieht das Rockspektakel als guten Einstieg in den Stoff.

Die Zwölftklässer der Fortis-Akademie aus Chemnitz, die mit 34 Schülern zur Faust-Aufführung nach Spremberg angereist sind, haben da schon einen tieferen Einblick. „Wir als Deutsch-Leistungskurs haben Goethes Faust schon sehr intensiv in der Schule behandelt und auch schon eine klassische Aufführung besucht. Diese Inszenierung ist wirklich mal was ganz anderes“, lobt Josefina Wolf (18) und fügt hinzu: „Die Texte sind im Original noch erkennbar und es ist gelungen durch die Songs die Texte moderner zu verpacken.“

Der Schüler Tobias Friedrich (18) von der Freien Schule in Schwepnitz führt etwas Kritik an. „Wir haben uns auch schon sehr intensiv mit Goethes Faust in der Schule beschäftigt. Die Idee Faust als Rockoper zu inszenieren ist cool. Jedoch fehlen mir einige Passagen in dem Stück.“ Auch seine Klassenkameradin Sonja Gottschald (16) hat mehr erwartet: „Gerade was die Effekte angeht, hätte es in den Abendstunden stärker gewirkt.“

Produzent Michael Manthey ist etwas enttäuscht über die nur mäßig gefüllten Ränge, dennoch spricht er von einer gelungenen Vorstellung. „Die Nachfrage war in diesem Jahr zwar etwas geringer, aber unsere Rockoper ist etwas Einzigartiges. Es ist immer noch eine fantastische Möglichkeit, alten literarischen Stoff durch das Erzählen von rockiger Musik mit Spaß an Schüler, aber auch an das weitere  Publikum weiterzureichen.“

Inzwischen hat die Manthey Event GmbH auch den zweiten Teil von Faust sowie den Hamlet als Rockoper inszeniert. Auf die Frage, ob es nicht besser wäre, mit neueren Stücken nach Spremberg zu kommen, antwortet Manthey: „Das ist immer eine Sache der Nachfrage.“ Es sollen noch zwei weitere literarische Werke moderner inszeniert werden sollen. „Diese Projekte stecken aber noch in den Kinderschuhen.“  

(ang)