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Berlin-Marathon
Familie Petricks Start im Regen

Jasmin, Ingolf und Sabine Petrick (von links) vor ihrem Start beim Berlin-Marathon am 24. September. Mit vier Stunden und 31 Minuten war Ingolf Petrick der Schnellste der Spremberger Familie.
Jasmin, Ingolf und Sabine Petrick (von links) vor ihrem Start beim Berlin-Marathon am 24. September. Mit vier Stunden und 31 Minuten war Ingolf Petrick der Schnellste der Spremberger Familie. FOTO: Zvg
Spremberg/Berlin. Die Chancen stehen gut, dass auch der 45. Berlin-Marathon im Jahr 2018 erneut mit Spremberger Beteiligung startet. Annett Igel-Allzeit

"Ich laufe nicht besonders schnell, aber ich habe den Berlin-Marathon zum zweiten Mal durchgestanden und mich in der Zeit um fast eine Stunde verbessert", jubelt Sabine Petrick. In der kommenden Woche will sich die 57-jährige Sprembergerin gemeinsam mit ihrem Mann Ingolf Petrick für den Berlin-Marathon 2018 anmelden. Und die Tochter Jasmin (27) komme auch wieder. "Sie hat auch Blut geleckt", sagt Sabine Petrick. Ihr Mann Ingolf Petrick ist schon lange sportlich unterwegs, stellte sich als Triathlet Powerman- und Ironman-Wettbewerben.

"Ich bin über einige Jahre immer mal wieder gelaufen - für die Gesundheit und für die Figur", sagt Sabine Petrick. 1999, so erinnert sie sich, sei sie in einem ersten offiziellen Lauf gestartet: "Das war der Frauenlauf in Berlin - der ist ganz locker. Nur Frauen. Und die Zeit spielt keine Rolle. Ein Jahr später nahm ich den ersten Halbmarathon in Angriff - auch in Berlin." Ein paar Frauenläufe, mehrere Halbmarathon - den BMW-Berlin-Marathon ist sie vor zwei Wochen zum zweiten Mal gelaufen. "Und ich will allen, die langsamer laufen, Mut machen, denn es ist ein schönes Gefühl, so eine Strecke mal durchgestanden zu haben. Ich glaube, danach geht man auch andere Aufgaben im Leben etwas lockerer an", sagt Sabine Petrick. 40 Kilometer können anstrengend sein, zehn Kilometer aber auch - sie laufe gut, wenn sie sich die jeweilige Strecke vorher im Kopf einteilt. Im Vorjahr lag sie bei sechs Stunden, sieben Minuten und 49 Sekunden. "Diesmal kam ich nach fünf Stunden, 14 Minuten und 53 Sekunden ins Ziel - und ich habe mich danach schnell wieder erholt", erzählt die Sprembergerin.

Am Start - im Pulk der Läufer hinten und weit weg von Mann und Tochter - zweifelte sie ein bisschen. "Am Start möchte ich immer mit mir allein sein. Es regnete. Und ich hatte es bisher vermieden, im Regen zu laufen. Das Cape hing über meine Schultern und ich musste mich wirklich motivieren: Ich war nach Berlin gefahren, steckte schon eine Stunde in der Sportkleidung, also sollte ich jetzt auch laufen." Hätte sie bei Kilometer 25 jemand gefragt, ob sie sich für den Marathon 2018 anmelden möchte, hätte sie vielleicht schnaufend den Kopf geschüttelt. "Aber die letzten vier Kilometer sind wunderbar. Da weißt du, dass du es schaffst. Und das Publikum ist da auch so toll. Es trägt dich mit dem Applaus, mit den Rufen." Dass sie diesmal fast eine Stunde weniger in Berlin auf den Beinen war, hat sie mit einem etwas intensiveren Training geschafft. Seit Januar ließ sie sich von Stephan und Anke Freigang jeden Freitagabend in Cottbus in einer Laufgruppe auf den Marathon vorbereiten. "Die Sportler in der Gruppe sind alle schneller als ich. Ach, früher in der Schule hatte ich eher Dreien und Vieren im Sportunterricht. Aber Freigangs haben mich bei meinem Leistungsstand abgeholt, und ich bekam jeden Monat einen neuen Trainingsplan. Ich glaube, diese Sprints, das Intervalltraining haben mich schneller gemacht." Denn wirklich mehr Kilometer sei sie nicht zurückgelegt. In guten Monaten läuft Sabine Petrick rund 90 Kilometer - "für viel mehr lässt mir die Arbeit gar nicht die Zeit". Und sie schmökert in Laufzeitschriften und auf Laufplattformen herum. Da hatte sie auch gelesen, dass man neue Laufschuhe vor einem wichtigen Rennen mindestens über 50 Kilometer einlaufen sollte. "Die Laufschuhe, mit denen ich beim Berlin-Marathon gestartet bin, hatten gerade 51 Kilometer auf der Sohle. Sie hielten mit mir durch." Und der Regen hörte kurz nach dem Start in Berlin auch auf. Jasmin Petrick, die Tochter, will im nächsten Jahr wieder mitlaufen und sich in Bayreuth, wo sie derzeit lebt, auch eine Laufgruppe suchen. Klar, war die 27-Jährige schneller als ihre Mutter. Vier Minuten. Darauf lässt sich durchaus aufbauen.