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| 15:00 Uhr

Spremberg leidet unter braun gefärbtem Fluss
Spree klärt sich nur langsam

Das Absetzbecken in Bühlow nimmt eisenhydroxidbelasteten Schlamm auf. Zuvor fließt die Spree allerdings mit der typischen braunen Färbung durch Spremberg und Cantdorf in Richtung Norden.
Das Absetzbecken in Bühlow nimmt eisenhydroxidbelasteten Schlamm auf. Zuvor fließt die Spree allerdings mit der typischen braunen Färbung durch Spremberg und Cantdorf in Richtung Norden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Fachleute sprachen in Cantdorf über aktuelle Programme gegen Eisen im Wasser.

Eine neue Studie soll ermitteln, ob der Bau einer Dichtwand für das weitere Senken des Eisengehalts in der Spree möglich ist. Das kündigt Sven Radigk von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) an. Er hat am Donnerstagabend neben weiteren Fachleuten an einem Gespräch im Spremberger Stadtteil Cantdorf teilgenommen. Die Studie kündigt der LMBV-Mitarbeiter für das Jahr 2019 an.

In den Gasthof  Zur Linde hatte die parteilose Bürgermeisterin Christine Herntier eingeladen. „In Cantdorf sind wir richtig vor Ort“, sagte sie mit Blick auf den voll besetzten Saal. „Für die Gesprächskultur ist das sicher gut.“

Die Einwohner von Cantdorf litten in der Vergangenheit stets besonders unter dem Hochwasser, sobald die Spree über ihre Ufer trat. Darüber hinaus bündelt sich in ihrem Stadtteil das Problem, das der Fluss mit sich führt. Denn die Eisenfracht, die Pflanzen und Tiere im Gewässer beeinträchtigt, schwimmt von Sachsen über Spremberg bis zur Bühlower Vorsperre nördlich von Cantdorf. Darauf wies Winfried Böhmer vom Aktionsbündnis Klare Spree hin.

Er zählte zu den Gesprächspartnern der Bürgermeisterin im Podium. „Wir bräuchten noch Aktive aus Spremberg, die uns inhaltlich unterstützen“, sagte er. „Wir wollen eine klare Spree von der Quelle bis zur Mündung, und von diesem Ziel werden wir auch nicht abweichen.“ Das Aktionsbündnis setze sich dafür ein, dass der Eisengehalt auf 1,8 Milligramm pro Liter sinkt, den Wert, an dem der Stoff nicht mehr sichtbar ist. So reichen für Winfried Böhmer die aktuellen Programme bis zum Jahr 2022 nicht weit genug, weil sie den Eisengehalt nur um ungefähr 35 Prozent mindern werden. „Das ist für uns nicht akzeptabel“, erklärte er. „Denn dann strömen immer noch bis zu 5000 Kilogramm Eisen am Tag durch die Spree in Spremberg.“ Eine „ökologische Zeitbombe“ drohe aufgrund dieser Menge gar bei einem Hochwasser an der Talsperre nördlich von der Stadt.

Noch weiter im Norden, wo sich der Spreewald befindet, ist der Eisengehalt bereits um 80 Prozent gesunken, wie Sven Radigk von der LMBV berichtete. „Darin sehe ich mehr als nur einen symbolischen Wert“, sagte er. Südlich von Spremberg, in der Region bei Neustadt, wird nach seinen Worten im ersten Quartal eine modulare Anlage zum Behandeln des Wassers in Betrieb gehen. Er hält es für realistisch, dass der Eisenanteil der Spree im Süden Brandenburgs in den nächsten Jahren um weitere 30 bis 40 Prozent abnehmen wird. „Unsere Ankündigungen haben wir in die Tat umgesetzt, und da bleiben wir nicht stehen“, erklärte er zur geplanten Studie für eine Dichtwand, die den Grundwasserstrom verringern soll.

Im Publikum saß der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese. Er äußerte sich erfreut, dass die Dichtwand „nicht mehr als Tabuthema“ gilt, drängte jedoch zugleich zur Eile. „Das Verwaltungsabkommen des Jahres 2020 ist nicht mehr weit entfernt“, gab er zu bedenken. „Es wäre wichtig, dass die vorgesehenen Projekte dort bereits verankert sind.“ Schließlich diene das Abkommen dazu, die kostspieligen Initiativen mit Geld zu untermauern. Bereits im Jahr 2013 hatte der SPD-Politiker Ulrich Freese gefordert, die Dichtwandtechnik einzusetzen, um den Zufluss neuer Schadstoffe in die Spree zu verhindern. Zudem bezeichnete er damals Absprachen mit dem Freistaat Sachsen als „zwingend erforderlich“.

Als Abteilungsleiter für Tagebau arbeitet Christof Voigt im sächsischen Oberbergamt. Er gehörte am Donnerstag ebenfalls zu den Gesprächspartnern im Cantdorfer  Gasthof Zur Linde. Nur ein weiterer Ausbau der Abfangriegel könne den Eisengehalt der Spree „recht schnell weiter reduzieren“, merkte er an. Diese Riegel sammeln das eisenhaltige Grundwasser, um es dann zur Aufbereitungsanlage zu lenken, wie die Pressestelle der LMBV am Beispiel von Burgneudorf erläutert. Die Anlage setzt sich demnach aus mehreren Containern mit verschiedenen Funktionen zusammen, die sich je nach aktuellem Bedarf erweitern lassen.

Dabei wird das Grundwasser in der Spremberger Region nach dem Ende des aktiven Bergbaus allmählich wieder auf den Pegel steigen, den es in der Zeit davor aufwies. Dr. Stephan Fisch, als Fachmann der Lausitz Energie Bergbau AG zum Gespräch in Cantdorf eingeladen, sagte dazu: „Das wird ungefähr um das Jahr 2070 zu erwarten sein.“