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| 20:33 Uhr

RUNDSCHAU vor Ort in Spremberg
Cantdorf ringt um die Kochsa

Redakteurin Annett Igel-Allzeit moderierte die Veranstaltung mit Stephan Fisch, Bernd Schmied und Thomas Primm (von links).
Redakteurin Annett Igel-Allzeit moderierte die Veranstaltung mit Stephan Fisch, Bernd Schmied und Thomas Primm (von links). FOTO: Wappler / LR
Spremberg. Fachleute sprachen bei „RUNDSCHAU vor Ort“ über den Anstieg des Grundwassers.

Für einen Anstieg des Grundwassers wappnen sich die Einwohner von Spremberg. Denn sobald die Tagebaugebiete verschwinden, wird es wieder seinen früheren Pegel erreichen. Über die möglichen Folgen haben am Donnerstagabend Fachleute mit den Besuchern der Veranstaltung „RUNDSCHAU vor Ort“ gesprochen. Sie fand im Tagungsraum des Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverbandes (SWAZ) statt.

Dr. Stephan Fisch von der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) erläutert das grundsätzliche Problem: „Wenn wir einen Tagebau betreiben und Kohle abbauen, müssen wir das Grundwasser absenken.“ Sobald der Tagebau ausgekohlt sei, steige das Grundwasser in der jeweiligen Region wieder an. Deshalb entstehe dort ein See.

Das Grundwasser spielte auch eine Rolle in der Diskussion der Stadtpolitik um den künftigen Standort der Schwimmhalle. So zweifelten manche Stadtverordnete daran, dass sich der Kochsagrund als neue Adresse eigne. Sie befürchten: Das steigende Grundwasser könne dort zu neuen Problemen führen.

Diesen Bedenken widerspricht der Spremberger Brunnenbauer Thomas Primm, der am Donnerstag ebenfalls im Podium saß. „Wenn die Schwimmhalle eine ordentliche Wanne bekommt und einen wasserdichten Keller, steht dem Bau nichts im Weg“, sagt er. „Auch wenn ich persönlich eine Sanierung am derzeitigen Standort sinnvoller fände.“

Allerdings ist die Frage, wohin das Grundwasser fließt, von vielen Faktoren abhängig. Darauf weist Leag-Mitarbeiter Stephan Fisch hin. „Grundwasser bewegt sich im Durchschnitt einen Meter am Tag“,  erläutert er. „In der Spree hingegen legt das Wasser täglich um die 40 Kilometer zurück.“ Wichtig sei auch die Beschaffenheit des Bodens. Es gebe inzwischen Computerprogramme, die diese Faktoren in ihre Berechnungen einbeziehen.

Skeptisch zeigt sich einer der Besucher, Wieland Böttger vom Spremberger Regionalverband der Naturschützer. „Ich habe noch nicht eine dieser Modellierungen erlebt, die gestimmt hat“, sagt er.

Doch die Technik hat sich verbessert. Das entgegnet der Vorsteher des SWAZ, Bernd Schmied. „Heute arbeiten die Fachleute mit ausgefeilter Messtechnik“, erklärt er. „Auch wir warten sehnsüchtig auf die Ergebnisse, die allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen.“ Eine große Gefahr für das Wasser sieht er im Klimawandel. „Wir verzeichnen in der Lausitz schon jetzt wenig Niederschlag, und es gibt Befürchtungen, dass wir auf lange Sicht zu einer steppenartigen Region werden.“

Der Ortsvorsteher von Cantdorf ringt darum, dass die Kochsa auch nach dem Tagebau noch durch den Spremberger Ortsteil fließt. „Sie ist für uns immens wichtig“, sagt René Nakoinz. Denn ein ausgetrockneter Graben würde der Natur nicht helfen.

Allerdings steht derzeit noch nicht fest, was mit der Kochsa passieren wird. Das gibt Stephan Fisch von der Leag zu bedenken. „Wir gucken uns das genau an“, sagt er. „Es dauert mehrere Jahre, um herauszufinden, welche Elemente zur Entwässerung eventuell noch nötig sind.“

Der Brunnenbauer Thomas Primm besitzt die Aufzeichnungen alter Wasserstände in Spremberg, nach Jahrgängen sortiert, auf dem Computer. Sie lassen nach seinen Worten ebenfalls Rückschlüsse darauf zu, wie hoch das Grundwasser noch steigen wird. Zwar gelte die grundsätzliche Faustregel, dass es nicht über den Stand aus der Zeit vor dem Tagebau hinauskommen werde. Doch es gibt Ausnahmen, wie Leag-Mitarbeiter Stephan Fisch berichtet. „Auf den Kippen selbst kann das Grundwasser schon mal höher steigen“, merkt er an. „In den unteren Bergbaugebieten ist das nach meinem Wissen in den bebauten Gebieten allerdings noch nicht passiert.“ Aber schon jetzt klagen viele Einwohner von Trattendorf über das steigende Grundwasser. Familie Samiske berichtet: Sobald auch nur eine Regenhusche vorbei ziehe, sei ihr Keller durchnässt. So befürchten viele Spremberger, dass es sich bei dem Ärger in Trattendorf um einen Vorboten der Probleme handelt, die auf andere Stadtgebiete zukommen werden.