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Fachleute nehmen Grundwasser unter die Lupe

Spremberg. Der Grundwasserpegel in Spremberg steigt weiter: So lautet die offizielle Version der Fachleute. Doch sie trifft auf Zweifel – wie bei der Gewässerschau am gestrigen Mittwoch im Bürgerhaus. René Wappler

Silvio Alich vom Gewässerverband des Spree-Neiße-Kreises hat eine nicht ganz ernst gemeinte Geschäftsidee. "Wenn wir es hinkriegen würden, dass Wasser bergauf fließt, wären wir reich."

Bis diese Idee funktioniert, muss allerdings noch viel Wasser die Spree herunterfließen. Deshalb begnügen sich die Fachleute erst mal mit den Projekten, die einen stärkeren Bezug zur Realität versprechen.

Im Blick behalten sie das Grabensystem in Terpe: Sie wollen es erneuern und am oberen Landgraben anschließen, wie Gewässerverbands-Mitarbeiter Ulrich Fehlig erläutert. Zudem kündigt er die Sanierung der Hammerlache an: Fördermittel seien beantragt, nun beginne die Planungsphase. Das Ziel lautet, noch in diesem Jahr die Arbeiten abzuschließen.

Der Konflikt um das ansteigende Grundwasser in Trattendorf wird sich jedoch nicht innerhalb der nächsten Monate erledigen. Jahr für Jahr besucht Helfried Günzel, ein Pächter aus der Gartenanlage "Spreewiese", die Gespräche mit den Gästen vom Gewässerverband: Er drängt hartnäckig auf eine alternative Lösung. "Ich glaube, dass wir eher ein Problem mit dem Regen haben", sagt er. "Wenn dieses Wasser vernünftig ablaufen könnte, wäre vielleicht schon alles in Ordnung." Als Indiz führt er das Abflussrohr in der Kraftwerkstraße auf: "Wenn ich kurz nach dem Regen dort vorbeischaue, steht das Wasser einen halben Meter hoch - der Einlauf ist nicht frei, da stauen sich 30 bis 50 Zentimeter Dreck drin."

Doch ihm widerspricht Silvio Alich vom Gewässerverband, der diese Theorie nicht ganz nachvollziehen kann. Er sagt:. "Ich habe es mir doch gerade erst selbst angeschaut: Der Rohrdurchlass war frei."

Auch der zuständige Fachbereichsleiter im Spremberger Rathaus, Gerd Schmiedel, sieht die Ursache für die durchnässten Böden in Trattendorf vor allem beim Grundwasser: Schließlich zögen sich die Arme eines alten Spreemäanders durch den Stadtteil.

Mit ähnlichem Ärger wie Trattendorf sehen sich die Einwohner von Cantdorf konfrontiert. Erst vor einer Woche beklagte Werner Schiemenz von der Initiativgruppe, die sich für einen eigenen Ortsbeirat einsetzt: Die Landesregierung ignoriere das Grundwasserproblem. Gegenüber den Fachleuten des Gewässerverbandes erläutert Frank Jannack aus Cantdorf: "Das Bett der Kochsa müsste tiefer gelegt werden - und es gibt eine Reihe von Gräben, die man wieder herstellen könnte." Ihm pflichtet Johannes Lissner bei, Gewässerwart beim Kreisanglerverband: Das Grabensystem könnte das Wasser aufnehmen, das derzeit weithin sichtbar auf den Wiesen steht.