ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:19 Uhr

Spremberger Musiksommer
Raritäten gesucht und Akustik gefunden

Das Ensemble „a tre“ aus Potsdam - Gisbert Näther, Birgitta Winkler und Matthias Jacob -  gastierte am Samstag in der Spremberger Kreuzkirche.
Das Ensemble „a tre“ aus Potsdam - Gisbert Näther, Birgitta Winkler und Matthias Jacob -  gastierte am Samstag in der Spremberger Kreuzkirche. FOTO: Arlt Martina
Spremberg. „Ensemble a tre“ überrascht zum Musiksommer in der Spremberger Kreuzkirche nicht nur durch seine Zusammenstellung.

Hirtengott Pan in der Spremberger Kreuzkirche? Brigitta Winkler (Flöte) hat das im vierten Konzert des 31. Spremberger Musiksommers geschafft. Gemeinsam mit dem Organisten Matthias Jakob und dem Hornisten und Komponisten Gisbert Näther überraschte sie nicht nur mit musikalischen Raritäten, die der Programmtitel angekündigt hatte. Sondern Charme hatte auch die ungewöhnliche Besetzung des Potsdamer Trios „Ensemble a tre“. Seit 1999 treten sie auf. In Cottbus und Senftenberg waren sie bereits zu erleben und nun das erste Mal in Spremberg. Matthias Jakob hat sich am Samstagnachmittag schnell mit Sprembergs Sauer-Orgel angefreundet. Und für ihr akustisches Experiment eignet sich die Kreuzkirche.

Doch gestartet sind sie ganz barock und in F-Dur mit Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel. Vivace, Largo, Allegro, Larghetto, Siciliana – die alten Meister gestatten einen Vorgeschmack für die Stimmungsvielfalt des Trios. Danach wagen die Musiker ihre die erste Überraschung: In Paul Hertels „Brightness“, was Helligkeit bedeutet, bringt das Horn der Orgel das Licht. Paul Hertel, ein zeitgenössischer österreichischer Komponist und Dirigent, hat neben einer Reihe von Konzerten und Orchesterwerken bereits viel Fernseh- und Filmmusiken geschrieben. Landsmann und derselbe Jahrgang ist Maximilian Kreuz, aber ganz und gar der Wiener Musiktradition ergeben. In seinem Choral im alten Stil für Flöte und Orgel „Lasset uns mit Jesu ziehen“ gelingt ein spannender Dialog zwischen Flöte und Orgel. Ganz Königin ist hier die Orgel, die Flöte ein junger, aufgeregter Vogel.

Die Flöte wird noch viel mehr an diesem Abend: Sie kann klagen, warnen, triumphieren. Doch mit der Dorischen Fuge von Johann Sebastian Bach hat Matthias Jakob, der übrigens aus Lübben stammt, erst einmal sein unheimliches Solo. Unheimlich – weil die Orgel kein einziges Mal zu pausieren scheint, weil der Schluss mehrmals angekündigt und doch wieder verworfen wird und weil die Fuge so aufwühlt. Die dorische Tonleiter hat ihren Ursprung im Altgriechischen, mit dorischen Melodien sollen die Krieger in den Kampf gezogen sein. Volksmusik wie Kirchenmusik birgt dorische Formen, die Band „Pink Floyd“ wusste sie zu schätzen, im Jazz und Blues ist sie heute zu Hause.

Während Matthias Jakob orgelt, entfernen sich Brigitta Winkler und Gisbert Näther von ihm. Im Trio für Flöte, Horn, und Orgel, das Gisbert Näther eigens fürs Ensemble komponiert hat, spielen sich die Musiker vom Altar und von der Empore über die Köpfe der Zuhörer hinweg zu. Ein kleines Fest für die Akustik der Kreuzkirche. Sich romantisch zu erholen, klappt mit Franz Lachners Elegie für Flöte und Orgel aus dem Jahr 1879. Franz Lachner fühlte sich im musikalischen Schaffen Franz Schubert verbunden, war aber viel produktiver und wird seit etwa 30 Jahren wiederentdeckt.

Mit Claude Debussys „Syrinx – La Flute de Pan“ hat Brigitta Winkler ihr Solo, bevor mit „Der lieben Sonnen Licht und Pracht“ ein zweiter Choral von Maximilien Kreuz erklingt. Mit diesem Wiener Komponisten arbeitet das Trio seit einigen Jahren intensiv zusammen. Bachs „Schafe können sicher weiden“ wäre ein schöner Abschluss gewesen. Doch weil die Spremberger damit nicht genug haben, kommt mit der Zugabe noch Johann Christoph Pepusch ins Spiel, ein Komponist, der 1667 in Berlin geboren wurde, seine Karriere als Bratschist und Komponist aber in London startete. Dass seine Kammermusik Volksmusik atmete, macht sie so eingängig.

So sorgte das „Ensemble a tre“ für eine der Überraschungen, die Sprembergs Musiksommer-Team jedes Jahr sucht. Am Heimatfest-Samstag, 11. August, ruhen die Hoffnungen auf dem Gitarristen Alexander Kens (19 Uhr, „Guitarra en Hispanoamerica“).