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Spremberg
Etwas andere Sorgen auf dem Land

Die Landratskandidaten Harald Altekrüger, Matthias Loehr, Hermann Kostrewa und Steffen Kubitzki (von l. ) vor Problemen im ländlichen Raum.
Die Landratskandidaten Harald Altekrüger, Matthias Loehr, Hermann Kostrewa und Steffen Kubitzki (von l. ) vor Problemen im ländlichen Raum. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Neuhausen. Landratswahl: Schülerbeförderung wird mehr diskutiert als der Strukturwandel.

Mit großen Ideen für den  Strukturwandel in der Lausitz scheint bei der Landratswahl im Spree-Neiße-Kreis zumindest im ländlichen Raum kein Kandidat überzeugen zu müssen. Auf den Nägeln brennen den Wählern Schulentwicklung, Schülerverkehr, die Schließung der Kfz-Zulassungsstelle in Sellessen, die Kreisumlage. Eberhard Brünsch, Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler Spree-Neiße, hat bewusst in den Saal der Gemeinde Neuhausen/Spree eingeladen. Seine Fraktion will Ideen hören, wie der künftige Landrat die ländliche Region in den nächsten acht Jahren voranbringt. Die Landratskandidaten Harald Altekrüger (CDU), Matthias Loehr (Die Linke), Hermann Kostrewa (SPD) und Steffen Kubitzki (AfD) liefern in ihrem Podiumsgespräch mit Pfarrer Holger Thomas nicht nur Statements.

Kubitzki, Richtmeister im Kraftwerk, muss sich von seinen Mitkonkurrenten fragen lassen, warum er kandidiere. Sie vermissen Kompetenz. Doch nicht alle im Publikum finden das lustig. Landrat Altekrüger, der wiedergewählt werden will, und sein Stellvertreter Kostrewa versuchen, auf Erreichtes zu verweisen. Und Loehr, der Cottbuser Landtagsabgeordnete, erklärt, dass er mit seinem Eintreten für die abgesagte Kreisgebietsreform nicht Spree-Neiße zerschlagen wollte. Sondern Cottbus sollte eine kreisangehörige Stadt werden.

Während für Kubitzki der Strukturwandel „nur ein theoretischer Begriff“ ist, der „noch nicht politisch gewollt ist“, dauert der Strukturwandel für Altekrüger breits 28 Jahre. Altekrüger möchte, dass Spree-Neiße ein „energiegeladener Landkreis bleibt“. Den Kumpeln im Bergbau müsse gesagt werden, dass sie weiter gewollt seien. Neue Standbeine zu finden, dabei helfen Experten wie aus der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH. Oder die BTU, wie Loehr ergänzt. Auch Kostrewa sieht die Braunkohle für die nächsten Jahre noch als bestimmende Wirtschaft. Er lobte das Engagement der Bürgermeister in der Lausitzrunde. „Nur eine überregionale Stimme müsste die Region noch haben“, sagt Kostrewa.

Bitterlich beschwert sich Landrat Altekrüger über die alten Pläne zur Kreisgebietsreform: „Ich bin den Bürgern dankbar, dass das Thema vom Tisch ist.“ Es hätte zwei Jahre und einen Haufen Geld gekostet. Dass die Schließung der Kfz-Zulassungsstelle in Sellessen kritisiert wird, habe er wahrgenommen. Doch nicht an einer Wiedereröffnung einer Zulassungsstelle in Spremberg werde gedacht, sondern an eine Zusammenarbeit mit Cottbus.

Ideen für noch mehr Zusammenarbeit mit Cottbus haben alle Vier. Kubitzki denkt sogar weiter. Zum Oberspreewald-Lausitz-Kreis und nach Sachsen müsse SPN gucken: „Denn alleine werden wir nichts. Und die Sachsen sind manchmal auch ein bisschen pfiffig.“

Die Schulentwicklung ist Kostrewas Spezialthema. Er bezeichnet sie als „dickes Brett“. Das dicke Lob aus Döbern-Land jedoch bekommt Eva Szramek, Fachbereichsleiterin für Schule und Kultur in der Kreisverwaltung. Dass der Kreis ab Sommer keine Allgemeine Förderschule „Lernen“ mehr hat – in Spremberg läuft sie aus – sieht Kostrewa als falsche Entwicklung, für die das Staatliche Schulamt gesorgt habe. Nicht nur Schüler mit einem Förderbedarf werden in Cottbus beschult. Sondern in ländlichen Regionen gibt es Kinder, die morgens um 5.30 Uhr los müssen, 17.30 Uhr zurückkehren und noch Hausaufgaben erledigen müssen.

Alle Bürger auf dem Land brauchen mehr Busangebote. Haben sie einen Arzttermin in der Stadt, müssen sie nach 17 Uhr noch zurück ins Dorf kommen, so Kostrewa. Während er zusätzlich Geld in den ÖPNV stecken möchte, will Altekrüger die Eltern von ihren Beiträgen zur Schülerbeförderung entlasten.

Auch deshalb wird es schwer, die Kreisumlage zu senken.  Matthias Loehr möchte intensiver mit den Bürgermeistern über die Ziele des Kreishaushalts reden und Rückzahlungen ermöglichen. Auch Kostrewa bietet eine Senkung der Kreisumlage an. Was jedoch der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze (CDU) in der ersten Reihe anzweifelt. Er verweist auf die hohen Ausgaben des Kostrewa-Dezernats für Soziales, Gesundheit, Jugend, Bildung und Kultur.