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| 14:34 Uhr

„Es kommt nicht oft vor, dass man liest, man sei bereits gestorben“

Jakob Werdin trägt sich nach wie vor mit Plänen für die Zukunft.
Jakob Werdin trägt sich nach wie vor mit Plänen für die Zukunft. FOTO: ssr
Wütende Spremberger rufen in der RUNDSCHAU-Redaktion an, empörte Leser melden sich per Mail – und sie haben Recht. Denn ein Artikel am Mittwoch über die Grausteiner Kirche enthielt einen schwerwiegenden Fehler. Mit JAKOB WERDIN sprach René Wappler

Herr Werdin, ich bitte Sie um Entschuldigung. In einem Nebensatz des Zeitungsbeitrages vom Mittwoch über den Austausch der Glocken in Graustein habe ich Sie als "mittlerweile verstorbenen Pfarrer" bezeichnet.

Das haben mir heute schon einige Leute erzählt. Ich habe mich schon gewundert: Zwar bin ich im Ruhestand, aber nach wie vor bei bester Gesundheit. Für mich steht jetzt die Familie im Mittelpunkt, zugleich sind meine Frau und ich offen und sensibel für neue Herausforderungen. Zu diesen Herausforderungen zähle ich die Flüchtlingsfrage, aber auch die zunehmende Radikalisierung in Teilen der Gesellschaft. Im übrigen genieße ich derzeit als jemand, der nicht mehr in der Verantwortung steht, das kirchliche Leben. Wir nehmen es dankbar an, dass wir den Ruhestand erleben und genießen können.

Sie dürfen mir glauben: Ich bin ziemlich bestürzt wegen dieses Fehlers. Darf ich Ihnen erzählen, wie es dazu kam?

Klar, das interessiert mich ja auch.

Also, ich war in Graustein, habe mich in der Kirche mit den Leuten unterhalten und im Gespräch gesagt, dass ich den Pfarrer Werdin auch mal anrufen könnte. Jemand sagte dann offenbar: "Naja, der Herr Werdin ist ja nicht mehr hier." Ich verstand nur: "Der Herr Werdin ist ja nicht mehr."

Das ist auf gewisse Weise ja schon wieder lustig. Und Menschen machen nun mal Fehler.

Ich kann nicht sagen, dass mich Ihre Reaktion tröstet, aber es erleichtert mich ein wenig, dass Sie es mit Humor nehmen. Vielleicht zeigt der Beitrag auch beispielhaft, was passiert, wenn ein Journalist seine Arbeit nicht richtig macht. Nur schade, dass es sich in diesem Fall um meine Person handelt.

Es heißt doch: Totgesagte leben länger. Ich hoffe mal, dass Ihr Artikel ein Beispiel dafür ist, wie sehr dieser Spruch zutrifft. Jetzt habe ich aber eine Bitte an Sie.

Ja?

Können Sie mir den Artikel mal zuschicken? Den würde ich gern aufheben. Es kommt ja nicht so oft vor, dass man in der Zeitung liest, man sei bereits gestorben.

Auf jeden Fall.