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Es ist eine ganz besondere Schule

Um die Fische aus der braunen Spree zu retten, haben die Siebt- und Achtklässler der Georgenbergschule ihnen ein Hotel gemalt.
Um die Fische aus der braunen Spree zu retten, haben die Siebt- und Achtklässler der Georgenbergschule ihnen ein Hotel gemalt. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Mit der Schließung der Georgenbergschule in Spremberg wird der Landkreis Spree-Neiße im Sommer der erste im Land Brandenburg sein, der keine Förderschule mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Lernen mehr hat. Nach der Förderschule in Forst läuft auch die Spremberger Einrichtung in Kreis-Trägerschaft aus. Annett Igel-Allzeit

Die Schulleiterin Silvia Pfeiffer wechselt mit drei Kollegen ins Team der Berufsorientierenden Oberschule (BOS), eine Kollegin wird an der Grundschule Laubsdorf gebraucht. Froh ist Silvia Pfeiffer, dass ihre letzten Schüler nicht in die BOS wechseln müssen: "Sie machen hier in Ruhe ihren Abschluss. Unsere Schule ist ab August Zweigstelle der BOS."

Seit Jahren wird in die Förderschule nicht mehr eingeschult. Eltern, die Kinder hier unterbringen wollten, weil sie sich in anderen Schulen quälen, brauchten viel Kraft. Seit 2009 ist Deutschland nach einer UN-Konvention zum inklusiven Schulsystem verpflichtet: Schüler mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen. Für Inklusion sind viele - aber über die Bedingungen wird gestritten. Engagierte Pädagogen sind überlastet. Schulen brauchen kleinere Räume - ein Fahrstuhl genügt nicht. Während die Erziehungswissenschaftlerin Jutta Schöler aus Berlin erklärt, dass "die größte Herausforderung ist, dass die Lehrer lernen müssen zu kooperieren", fordert Michael Felten, Gymnasiallehrer und Autor des Buches "Die Inklusionsfalle": "Nicht eine Schule für alle, sondern für jedes Kind die beste."

Für die 14-jährige Linda war die Georgenbergschule ein Glück, wie sie erzählt. In der Grundschule Leuthen litt sie nicht nur unter Niederlagen, sondern auch der Kampf ihrer Mutter bewegte sie. Linda tanzt, spielt Akkordeon, hat gerade die Prüfung für die Konfirmation bestanden. Was sie in Spremberg vor allem lernte, war Selbstvertrauen. In der Mathe-Vergleichsarbeit, die alle Brandenburger Schüler schreiben, hat sie die Eins geschafft. "Mein Lieblingsfach wird Mathe trotzdem nie", sagt sie lachend. Silvia Pfeiffer: "Wir stellen uns hier den Anforderungen des Lehrplans wie andere Schulen auch, nur gehen wir etwas anders heran." Mathe mit Sylvia Pfeiffer und elf Siebtklässlern macht Spaß. Der Würfel soll ausgeschnitten und gebaut werden. Kevin moniert sofort, dass im Bauplan die sechste Würfelseite fehlt. Flink schickt ihm die Lehrerin den Super-Daumen und versucht, auch die anderen auf den Fehler zu bringen. Dann wird ein Käfer auf die Würfelkanten geschickt. Von Ecke A nach F soll er krabbeln. Ist es Zufall, dass Nico, der gut in Bewegung lernt und herumlaufen darf, die längste Strecke für den Käfer findet?

Die Georgenbergschule ist bis Potsdam und Schwedt bekannt für Kreativität. Die Schüler gewinnen Kunstwettbewerbe, haben die Weskower Bushaltestellen so gestaltet, dass Radtouristen sie als Lageplan nutzen. Nachdem der Bildungsausschuss des Kreistages Spree-Neiße die Auflösung der Förderschule einstimmig abgelehnt hat, wollen sich Sprembergs Stadtverordnete am 31. Mai für die Weiterführung der Schule aussprechen. Aus ihrer Sicht verstoße das Staatliche Schulamt gegen das Brandenburgische Schulgesetz, wenn es Eltern die Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen nicht mehr wählen lässt. Zudem sei ein Erweiterungsbau der BOS, der der Inklusion gerecht werden könnte, erst noch zu planen.

Silvia Pfeiffer hat nach all ihrer Erfahrung wenig Hoffnung. Sie hatte für ihre Schützlinge immer einen Hauptschulabschluss gewollt. Sie bekommen einen "der Berufsbildungsreife entsprechenden Abschluss". Den kennen Ausbilder - wenn überhaupt - nur in Brandenburg. "Deshalb können sich unsere Jugendlichen nie bundesweit bewerben. In der Statistik sind sie Schüler ohne Abschluss", erklärt sie. Linda will Erzieherin werden. Ehemalige Förderschüler haben das schon geschafft.