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"Es geht um mehr Vertrauen in Elektroautos"

Ein Parkplatz für Elektroautos mit Ladestationen in Norwegen. Eine entsprechende Steuerpolitik macht E-Cars billiger als Benziner oder Diesel.
Ein Parkplatz für Elektroautos mit Ladestationen in Norwegen. Eine entsprechende Steuerpolitik macht E-Cars billiger als Benziner oder Diesel. FOTO: dpa
Spremberg. Das 10. Lausitzer Unternehmer-Gespräch in Spremberg, die Zukunft der E-Mobilität in der Region und eine angezogene Handbremse. Christian Taubert

Das Thema war weitsichtig angelegt und hätte punktgenauer nicht diskutiert werden können. Denn einen Tag, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Ziel des Bundes von einer Million Elektroautos in Deutschland bis 2020 eine Absage erteilt hatte, hieß es in Spremberg "E-Mobilität - zwischen Anspruch und Wirklichkeit". Die Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) hatte zum 10. Lausitzer Unternehmer-Gespräch die Region zwischen Görlitz, Weißwasser, Cottbus und Senftenberg am Tisch des Kulturschlosses - es war eine realitätsnahe, wenn auch ernüchternde Bestandsaufnahme.

Denn die Lausitz ist nicht gerade üppig ausgestattet mit E-Autos und Ladeinfrastruktur. Immer mehr Unternehmen und Kommunen testen zwar Elektroautos, lassen sich da und dort Ladestationen montieren. "Ein Konzept ist aber nicht erkennbar. Jeder macht zurzeit irgendetwas", erläutert Christoph Biele von der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH in Görlitz. Man müsse mitmachen, sagt Biele, denn natürlich gehöre zur Energiewende auch die Verkehrswende. Aber irgendwann geraten Rathäuser und auch Firmen, die E-Autos wohlwollend testen, an eine Schmerzgrenze und fragen sich: Rentiert sich für uns eine Schnellladesäule, für die mal eben 25 000 Euro investiert werden müssen?

Aus dem Forum der Unternehmer kommt der Einwand hinzu, dass die Menschen zurzeit noch immer Angst hätten, mit einem Elektroauto irgendwann stehen zu bleiben. Oder, dass es etwa noch nicht aufgeladen sei, wenn es in einer Notsituation gebraucht werde. Holger Weiland von der Ingenieurgesellschaft für Energie und Kraftwerkstechnik mbH in Cottbus kennt diese Vorbehalte. Er erklärt aber auch, dass auch in seinem Unternehmen geforscht und entwickelt werde, um solche Nachteile zu beseitigen. Es gehe natürlich um Batterien, die länger halten. "Elektromobilität ist die Zukunft", betont Weiland. "Wir müssen allerdings noch viel Vertrauen schaffen für Elektroautos."

Dafür engagiert sich der Energieversorger enviaM seit Jahren. Indem eine eigene "Flotte" mit kompletter Infrastruktur immer weiter aufgebaut wird. Aber auch, dass Kommunen und Unternehmen im Versorgungsgebiet von Thüringen über Sachsen bis nach Brandenburg zum Testen von Elektroautos animiert werden. Sven Haase, der Projektleiter E-Mobilität bei enviaM, erläutert in Spremberg, welche Fördermöglichkeiten es für Unternehmen und Kommunen gibt. So würden 300 Millionen Euro des Bundes bis 2020 dafür zur Verfügung stehen, öffentlich zugängliche Ladestationen einzurichten.

Der enviaM-Experte nennt den Unternehmern zudem vier Gründe, weshalb sich E-Mobilität für sie lohnen könne: So gehe es erstens um das Image als attraktiver Arbeitgeber, der sich zweitens an der CO{-2}-Reduzierung beteilige und mit E-Autos seine Energie- und Wartungskosten verringere. Hinzu komme, dass drittens auch Lade-Möglichkeiten für E-Cars von Mitarbeitern ermöglicht werden könnten und viertens das Unternehmen in diesem Bereich zukunftssicher aufgestellt werde.

Für Sven Haase steht außer Frage, dass sich die Mobilität vor dem Hintergrund der Energiewende grundsätzlich ändern müsse, und dass die Politik daran nicht vorbeikomme. In Norwegen sei es über die Steuerpolitik erreicht worden, dass E-Cars heute billiger als Benziner oder Diesel seien. Dort habe sich mit einem Marktanteil von 25 Prozent durchgesetzt, was E-Mobil-Testfahrer auch hierzulande ausdrücken. "Einmal E-Fahrzeug - immer E-Fahrzeug."

Zum Thema:
Für den Bund ist E-Mobilität für Industrie und Umwelt von herausragender Bedeutung. Aber vom Leitmarkt Deutschland ist man weit entfernt. Das Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen, hat die Bundeskanzlerin gerade gecancelt. Der Verkauf läuft trotz der Kaufprämie von bis zu 4000 Euro nur schleppend. Angela Merkel hatte aber darauf verwiesen, dass man zum Beispiel von Smartphones wisse, dass bestimmte technische Entwicklungen sich ab "einem bestimmten Punkt plötzlich exponentiell" verbreiteten.