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Neuhausen/Spree
„Es geht nicht darum, Vorhaben zu streichen“

Bürgermeister Dieter Perko denkt jetzt öfter an Bayanga in Zentralafrika.
Bürgermeister Dieter Perko denkt jetzt öfter an Bayanga in Zentralafrika. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Neuhausen/Spree. Dieter Perko, Bürgermeister in Neuhausen/Spree, spricht über Haushaltskonsolidierung, Bayanga und den neuen Vertrag am Bagenzer Strand.

Das Jahr 2017 ist Geschichte. Für die Gemeinde Neuhausen/Spree lief es nicht einfach nur gut, sagt Bürgermeister Dieter Perko (CDU). Es gab sogar spektakuläre Momente.

Herr Perko, für das Spektakulärste haben diesmal nicht Minen­entschärfer sondern drei Gäste aus Afrika gesorgt?

Ja. Eine knappe Woche im Vorjahr hat mich so tief beeindruckt, dass ich noch heute immer wieder darüber nachdenken muss. Wir haben eine Partnergemeinde im zentralafrikanischen Bayanga. Lange hatten wir keine Hoffnung, dass sie uns besuchen können, aber dann fuhr der Bus aus Berlin, wo sie mit dem Flugzeug gelandet waren, durch Neuhausen.  Wir hatten uns gut vorbereitet, in einem Seminar viel über die Lebensweise, die politischen Umstände und die wirtschaftliche Lage gelernt. Sie dann hier zu erleben, mit ihnen zu sprechen, ihnen unser Leben, unser Arbeit zu zeigen, hat mich im Nachhinein so nachdenklich gemacht. Ich schau jetzt anders auf unseren Wohlstand hier, unsere Krankenversicherung, die Rentenversicherung, Demokratie, den Rechtsstaat. Ich weiß das mehr zu schätzen und anders zu werten.

Planen Sie einen Gegenbesuch?

Noch gilt eine Reisewarnung für dieses Gebiet. Da ist es einfacher, sie erneut zu uns zu holen. Für einen Gegenbesuch wäre es wichtig, dass die große Koalition in Berlin gelingt, nicht alles, was funktioniert hat, über Bord geworfen wird und wir Gerd Müller als Bundesentwicklungsminister behalten. Denn der Bundesminister hat uns Unterstützung in allen Belangen zugesichert. Ich vertraue darauf, dass das auch für einen Gegenbesuch gilt, wenn die Zeit dafür reif ist.

Was hat Sie 2017 geärgert?

Die Verwaltungsstrukturreform, die wir dringend brauchen, ist von der Landesregierung gründlich vergeigt worden. Auch die Stürme trafen die Großgemeinde heftig. Aber unsere 290 aktiven Kameraden haben das gut gemeistert. Einschließlich der Verkehrsunfälle und Brände, die wir auch hatten, kamen sie 2017 auf 148 Einsätze. Da tut es gut, 66 Mädchen und Jungen in der Jugendfeuerwehr zu haben. Und dass in Bagenz das Landesjugendfeuerwehrlager mit mehr als 700 Beteiligten stattfinden konnte, motiviert nicht nur unseren Nachwuchs, sondern zeigt, dass wir für so ein Jugendlager als Gemeinde mit der Talsperre aus Sicht der Organisatoren gut geeignet sind.

Der Haushaltsentwurf wird gerade in der Verwaltung nach Einsparmöglichkeiten durchforstet ...

Dafür ist eine Verwaltung auch da, das verantwortungsbewusst zu tun. Es geht gar nicht darum, einzelne Vorhaben zu streichen – dass ein Abgeordneter meint, das Friedhofskapellen-Vordach im Nachbarorts­teil wäre unnötig, werden Sie in Neuhausen/Spree nicht erleben. Aber auch mit höheren Steuern, Gebühren und Beiträgen den Fehlbedarf zu kompensieren, geht nicht mehr – da haben wir im landesweiten Vergleich die Zumutbarkeitsgrenze erreicht – sondern die Einnahmen müssen effektiver eingesetzt werden. Ich bin mir sicher, dass wir bis zur Gemeindevertretersitzung am 1. März bei einem Defizit unter 150 000 Euro liegen. Die Haushaltskonsolidierung konsequent umzusetzen, ist uns über die Jahre gut gelungen.

Welche großen Vorhaben sind geplant?

Wir wollen das Dorfgemeinschaftshaus in Frauendorf für eine halbe Million Euro sanieren und für unsere Feuerwehr ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug – ein HLF 20 –  für 404 000 Euro anschaffen. Auch das Vereinsheim Komptendorf wollen wir sanieren. Und wir warten auf die Förderbescheide für die Gummibrücke in Bräsinchen mit einem Investitionsumfang von einer Million Euro und für die Spreebrücke in Frauendorf, die 1,8 Millionen Euro kosten soll.

  Die Kindertagesstätten sind gut ausgelastet. Wie entwickelt sich die Einwohnerzahl?

Sie ist stabil. Uns fehlen zwei oder drei Einwohner  an der 5000. Den 55 Sterbefällen standen im Vorjahr 33 Geburten gegenüber. In allen Ortsteilen wird gebaut – Eigenheime und Wohnungen entstehen, Dachgeschosse werden ausgebaut Wir haben Rückkehrer zum Beispiel von jenseits der Elbe und  aus der Schweiz. Die familiäre Bindung zieht, aber auch der Arbeitsmarkt stimmt. Und die zunehmende Vollbeschäftigung füllt unsere Kitas. Die Grundschule, die seit mehreren Jahren zweizügig läuft, besuchen auch Kinder aus Wiesengrund (Döbern-Land) und Branitz und Kahren (Cottbus). Natürlich ziehen nicht nur junge Menschen für ihre Ausbildung weg, sondern auch gestandene Bürger. Aber ihre Häuser stehen nicht lange leer. Familien mit Kindern ziehen ein.

Im Herbst gab es Diskussionen um den Bagenzer Strand. Günther  von Rhein, Inhaber von allerhand Ländereien in Bagenz, wollte den Pachtvertrag für seinen Teil des Campingplatz nicht ohne weiteres verlängern. Dauercamper befürchteten, ihre Bungalows abreißen zu müssen. Es steht noch alles, oder?

Seit dem 1. Januar gilt der neue Pachtvertrag. Das Problem wurde zur Zufriedenheit aller Seiten gelöst. Wir zahlen für die Pacht mehr und müssen die Mehrkosten ein Stück weit auf die Unterpächter umlegen. Doch fast hundert Prozent der Unterpächter akzeptieren das – bis auf zwei Ehepaare aus Sachsen, die mit 80 Jahren ihren Bungalow ohnehin aufgeben wollen.  Auch wenn der Vertrag nun erneut  zehn Jahre gilt, haben wir Vertragspartner uns darauf geeinigt, nach fünf Jahren zu schauen und notfalls wieder nachzubessern.

Neuhausen/Spree feiert gern, welche Jubiläen stehen 2018 an?

Drieschnitz will feiern, dass es vor 555 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Don-Bosco-Haus, die kathoische Jugendbildungsstätte des Bistums Görlitz in Neuhausen,  wird 50 Jahre alt. Und mehrere Ortsfeuerwehren feiern: Kathlow 80 Jahre, Haasow 90 Jahre, Sergen 95 und Gablenz 105 Jahre.

Mit Dieter Perko sprach
Annett Igel-Allzeit