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Welzow
Es fehlt eine Sonderwirtschaftszone

Für Bürgermeisterin Birgit Zuchold war 2017 ein gutes Jahr: Mehrere Bauvorhabensind fertig, und die Lauitzrunde hat klare Ziele formuliert.
Für Bürgermeisterin Birgit Zuchold war 2017 ein gutes Jahr: Mehrere Bauvorhabensind fertig, und die Lauitzrunde hat klare Ziele formuliert. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Die Welzower Bürgermeisterin spricht über die Erfolge und Niederlagen im Jahr 2017

Das Jahr 2017 ist Geschichte. Die RUNDSCHAU sprach mit Welzows Bürgermeisterin Birgit Zuchold (51) über Erfolge, Enttäuchungen, aber auch Hoffnungen.

Bürgermeisterwahl, die Ungewissheit zur Umsiedlung,, ein neuer Allgemeinmediziner – wie lief das Jahr 2017 für die Stadt Welzow?

Es war ein gutes Jahr für Welzow, da viele Baumaßnahmen fertig gestellt wurden. Wir konnten der Feuerwehr ihr neues Gebäude übergeben. Das Haus Spremberger Straße 51 mit der Kleiderkammer und der Tafel ist komplett saniert. Die Kegelhalle, für die wir zuerst nur eine Dachsanierung geplant hatten, ist nach einer Modifizierung des Förderantrags einschließlich Gastraum und neuem Fußboden richtig schön geworden. Besonders gefreut habe ich mich über die Eltern in der Siedlung West. Sie haben in Eigeninitiative einen tollen Spielplatz entwickelt, die Geräte aufgebaut, einen Erdwall aufgeschüttet, den Tunnel für die Röhre gegraben. Das zeigt, wie viel in Eigeninitiative und mit Sponsoren möglich ist. Dieser Spielplatz hat jetzt einen ganz anderen Wert – zehn bis 15 Familien waren an diesem Projekt beteiligt.

Welche Rückschläge habe Sie besonders geärgert?

Es ist uns 2017 nicht gelungen, den Kaufvertrag zum Erwerb des alten, denkmalgeschützten Feuerwehrgebäudes abzuschließen. Ich bin mit dem Investor, der uns sein Vorhaben mit Wohnungen und Geschäften fürs alte Feuerwehrgebäude vorgestellt hatte, herumgereist, um Fördermittel zu akquirieren. Tatsächlich besteht die Chance, EU-Fördermittel für eine Hüllensanierung – für die Fassade einschließlich der Fenster – einzuwerben. Aktuell wurde der Investor angeschrieben, um Verbindlichkeit für das Vorhaben zu schaffen. Auch die Ungewissheit zum Tagebau ist für die Bürger in Proschim und Welzow, die weiter mit einer Umsiedlung rechnen müssen, schlimm. Wir sind mit der Bürgerinitiative ZPW, dem Ortsbeirat Proschim und dem Bürgerbeirat WB 5/Liesker Weg im Gespräch dazu, welche Projekte gegen den Stillstand wir als nächstes umsetzen können. Um Reparaturen kümmern wir uns – auch wenn es nicht immer sofort geht. Der Welzow-Vertrag mit dem Bergbaubetreiber Leag wird weiter gelebt. Am 9. Januar findet die Beratung des Leag-Verhandlungsteams statt, um den Rahmen für Bauprojekte im Jahr 2018 abzustimmen. Dann muss nur noch der Haushalt beschlossen werden, um loszulegen.

Der Haushalt 2018 soll in der ersten Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Welche großen Vorhaben stehen an?

Unser Marktplatz soll neu gestaltet werden – das ist die erste halbe Million, die wir investieren möchten. Mit der zweiten halben Million hoffen wir auf eine neue Drehleiter. Die aktuelle Drehleiter unserer Feuerwehr ist 24 Jahre alt. Sie wird bei Einsätzen an mehrstöckigen Gebäuden in Welzow wie in Drebkau gebraucht. Beide Vorhaben können wir natürlich nur mit Förderungen umsetzen. Das dritte große Vorhaben wird die Rosa-Luxemburg-Straße sein. Sie soll grundhaft ausgebaut werden. Die Eigentümer werden an das Abwassernetz angeschlossen. Und schließlich wollen wir für Proschim zwei Fördermittel-Anträge einreichen: für den Verein Traditionelle Landtechnik und bäuerliche Lebensweise, der den Hof der Alten Mühle gepflastert bekommen soll, und für die Neuordnung des Radwegenetzes nach dem Abriss der maroden Kohlebahnbrücke. Vom Beirat der Lokalen Aktionsgruppe der Leader-Region Spree-Neiße sind beide Vorhaben bereits mit acht beziehungsweise zehn Punkten gut bewertet worden. Ich bin zuversichtlich, dass wir beide Projekte in diesem Jahr umsetzen können.

Der Braunkohlenausstieg wird auf der Bundesebene diskutiert, Welzow fühlt sich hier aber oft allein gelassen. Was erwarten Sie 2018 von der Politik?

Dass die Bundesregierung Experten für uns einsetzt, die für die Lausitz brennen. Untersuchungen hat es inzwischen genug gegeben, davon brauchen wir nicht noch mehr. Es muss endlich gehandelt werden. In der Lausitzrunde haben wir klar unsere Ziele gegenüber der Bundesregierung formuliert. Die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH ist gegründet. Die Länder Sachsen und Brandenburg arbeiten mit uns zusammen. Was noch fehlt, ist eine EU-Sonderwirtschaftszone. Ich glaube fest daran, dass auch das geschafft wird. Aber damit man uns nicht wieder vergisst und aufs Abstellgleis  setzt, müssen wir uns immer wieder Gehör verschaffen. Dazu benötigen wir die Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese, Klaus-Peter Schulze und Martin Neumann. Durch den Tagebau mit seinen Umsiedlungen hat Welzow 1000 Einwohner verloren. Ganz abgesehen von den Menschen, die uns fehlen, fehlen uns auch die Schlüsselzuweisungen. Diese dauerhaften Verluste werden nicht kompensiert, das wird einfach vergessen. Die Probleme der Strukturentwicklung können wir als kleine Kommunen nicht allein schultern. Hier ist klar die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert.

Den Zukunftsszenarien zum Trotz hat Welzow im Vorjahr die zweite Teilfläche des Industrie- und Gewerberparks Ost eröffnet. Wie wollen Sie mehr Wirtschaft nach Welzow holen?

Wir wollen an die erfahrenen Wirtschaftsförderer unserer Region herantreten und sowohl mit der ASG Spremberg als auch mit der Wirtschaftsförderung in Senftenberg Kooperationen begründen. Die Landeswirtschaftsförderung sollte unsere Gewerbegebiete nicht nur in Welzow, sondern der gesamten Lausitz an Platz 1 für Wirtschaftsansiedlungen setzen. Deshalb finde ich es so wichtig, dass wir eine europäische Modellregion werden. Bundeskanzlerin Merkel muss sich da stärker positionieren. In Nordrhein-Westfalen funktioniert das doch auch! Chancen sehen ich in unserem Industrie- und Gewerbepark Ost vor allem für die Bereiche Recycling, den Maschinenbau, der hier Tradition hat, aber auch für verschiedene Dienstleister.

Mit Birgit Zuchold
sprach Annett Igel-Allzeit