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| 15:32 Uhr

Spree-Neiße
Die ehemaligen Deponien könnten zu Bienenweiden werden

Spremberger haben beim Tag der offenen Tür des Recyclinghofes die Aussicht vom Deponieberg in Cantdorf genossen: Noch kann er 164 Meter hohe Körper über Normalnull selten bestiegen werden.
Spremberger haben beim Tag der offenen Tür des Recyclinghofes die Aussicht vom Deponieberg in Cantdorf genossen: Noch kann er 164 Meter hohe Körper über Normalnull selten bestiegen werden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spree-Neiße. Während auf Sprembergs Deponie schon Sträucher wachsen, wird die Gubener Deponie erst 2021/2022 abgedeckt. Doch das birgt auch Chancen. Von Annett Igel-Allzeit

An zwei Standorten hat der Spree-Neiße-Kreis zwei  ehemalige Deponien, bei denen es nicht mit Abdecken getan ist.

Noch steht das Tor zum Deponie-Berg in Spremberg-Cantdorf selten auf. Zur Wiederöffnung des Recycling-Hofes vor wenigen Tagen aber nutzten viele Spremberger die Möglichkeit zum Aufstieg. Dessen Spitze ist mit 163 Meter etwa einen Meter höher als der Georgenberg gegenüber. Aber der Deponie-Körper schrumpft im Jahr noch zwei bis vier Zentimeter. Ralf Drews, verantwortlich für die Deponiesanierung im Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Spree-Neiße, verweist auf 35 000 Rosen, Haselnusssträuchern und  Felsenbirnen, die vor sechs Jahren gepflanzt worden. Schön blühe es, aber leider nicht durchgängig von Frühling bis in den Herbst. Dass die Bienen stets Futter finden, darauf wolle er beim Bepflanzen der Deponie in Guben mehr achten.

  2012 war vom Insektensterben noch nicht so viel die Rede. Zum Frühlingsanfang 2011 hatten die Arbeiten zur Sicherung der Deponie in Spremberg begonnen. Der Körper bekam ein Profil, die Oberfläche wurde aufs Abdichten vorbereitet. 61 400 Tonnen Beckensand aus der Sanierung der Talsperre Spremberg wurden angeliefert, um die Trag- und Ausgleichsschicht und die Gasdränschicht, die hilft, das Deponiegas gezielt abzuleiten, zu schaffen. Ein Probefeldbau wurde beobachtet und untersucht. Nach Freigabe durchs brandenburgische Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz konnte im September 2011 mit dem Aufbau des Abdichtungssystems begonnen werden: Riesige Kunststoffbahnen wurden über den Körper gezogen und verschweißt. 7,2 Hektar Kunststoffdichtungsbahnen und 7,2 Hektar Schutzvliese wurden dafür gebraucht. „An insgesamt 50 Verlegungstagen“, so Ralf Drews, „waren 1460 Schweißnähte zu prüfen“.

Ein Langbagger half, die mineralische Entwässerungsschicht aus Grobschotter einzubauen. Beim Einbau der 154 334 Tonnen Wasserhaushalt-Schichtmaterial gingen sieben Monate ins Land. Denn vorm Einbau mussten Sand, Schluff und Kompost aufwendig gemischt werden. Für den Oberboden kamen in jeden Quadratmeter 40 Kilogramm Grünabfallkompost aus der Kompostanlage der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Neiße-Spree mbH (AGNS). Das sicherte neben Nährstoffen das Wasserspeichervermögen für die Pflanzen.

Im Herbst 2012 wurden die ersten baumartigen Sträucher gesetzt, Ende 2013 konnte auch die Bepflanzung auf dem östlichen Teil des Deponierkörpers abgeschlossen werden. Ein Becken, das Oberflächenwasser vom Berg speichert, wurde gebaut, und 850 Meter Bewässerungsleitungen mit 14 Anschlusspunkten wurden verlegt. 900 Meter Betriebswege über den Deponiekörper sind entstanden und die einen Kilometer lange Deponieumfahrung.

Gas kommt noch immer aus dem Deponiekörper. Über acht Deponiegasbrunnen, 1600 Meter Gasleitungen, der Gassammelstation sowie der Verdichter- und Fackelanlage wird es verbrannt. Sieben Jahre, so Ralf Drews, wird das Ausgasen noch dauern. Dann könne das Tor überflüssig sein. Er kann sich gut vorstellen, dass sich Inline-Skater auf dem Berg tummeln, für den noch ein Name gefunden werden muss.

Die Gubener Deponie soll 2021/2022 abgedeckt werden. Hier entströme noch mehr Gas und, so betont Ralf Drews, auch ein anderes Verfahren werde angewandt. Die Kreistagsabgeordneten haben im Juni einstimmig beschlossen, dass ein Energietechnik-Unternehmen aus Neumünster eine neue Anlage auf der Deponie am Wilschwitzer Weg errichten soll. Es ist eine regenerative thermische Oxydationsanlage, die den biologischen Abbau des Abfalls beschleunigt und das Langzeitverhalten verbessert. Dabei, so erklärt Ralf Drews, wird der Abfallkörper belüftet. Es sei sogar von einer Übersaugung des Deponiekörpers die Rede. Mit acht  bis zehn Jahren intensiver Belüftung rechnen die Experten. Was dann noch an Restgas entweicht, könne mit Methanoxidation in Guben über die Rekultivierungsschicht umweltgerecht behandelt werden. Mit der einfachen Verdichter- und Fackelanlage, die dort jetzt arbeitet, sei das aber nicht zu schaffen. Deshalb wird die regenerative thermische Oxidationsanlage gebraucht.

Weil die neue Anlage hilft, Kohlendioxid und andere Treibhausgase zu reduzieren, hatte der Landkreis dafür Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (Efre) beantragt. Im April kam der Zuwendungsbescheid über 286 931 Euro. Das Umwelttechniker-Unternehmen will die neue Anlage für 439 942 Euro liefern und errichten. Läuft sie zuverlässig an, kann der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft auch den Gubener Deponiekörper in drei, vier Jahren abdichten und beim Bepflanzen an die Bienenweide denken. „Die Gubener Imker“, so Ralf Drews,  „sind deshalb schon an uns herangetreten“.