Das umstrittene Gebäude im Besitz der Gemeinde Kolkwitz steht gleich am Ortseingang des kleinen Dorfes Eichow. Ein heller Flachbau, in dem eine Logopädin praktiziert, sonst aber nicht viel los zu sein scheint.
Hier, nur einen Steinwurf von ihrem eigenen Haus entfernt, möchte Lydia Friedrich ihre Kita aufmachen. Die Logopädin könnte im Haus bleiben, meint die junge Frau. Für die Vereine, die sich in dem Gebäude treffen, böten sich im Dorf andere Stätten an. Auch die Umbaukosten würden sich im Rahmen halten. Schließlich war das Haus bis Anfang der neunziger Jahre eine Kita gewesen. Damals ereilte Eichow das Schicksal so vieler Dörfer: Die Kinder blieben aus. Die Einrichtung musste schließen.
Lydia Friedrich schwärmt. Von der wieder aufgemöbelten Kita könnte sie mit den Kindern täglich bequem zu ihrem Vier-Seiten-Hof spazieren. Dort könnten die Kleinen den Umgang mit Enten, Meerschweinchen und Hühnern lernen. Denn Naturerlebnis und Montessori-Pädagogik sind die Grundlagen ihres Kita-Konzeptes, das sie gemeinsam mit einer Freundin umsetzen will, die ebenfalls Erzieherin ist. Immerhin können die beiden Frauen auf 20 Unterschriften von Eltern verweisen, die ihnen ihre Kinder sofort anvertrauen würden. Die Gemeinde Kolkwitz sagt trotzdem konsequent Nein zu dem Vorhaben. Lydia Friedrichs Wunsch-Haus wird von fünf Vereinen genutzt, denen man keine Alternativ-Standorte zumuten will. Ende Juni dieses Jahres traf sich die Erzieherin mit Vertretern der Gemeinde und aller fünf Vereine - und stieß auf eine Front der Ablehnung. Kein Verein wollte weichen, die Gemeinde keinen vor die Tü ;r setzen.
Die Kolkwitzer Sozialamtsleiterin Heike Szonn rechtfertigt diese Haltung nach wie vor: „Die Vereine halten das Gebäude seit Jahren in Schuss. Die können wir nicht plötzlich so einfach raushauen!“ Zudem sei es nicht Aufgabe einer Gemeinde, die Voraussetzungen für eine private Existenzgründung zu schaffen. Statt dessen rät die Amtsleiterin Lydia Friedrich, sie möge zunächst als Tagesmutter arbeiten und die Kita erst später gründen.
Weil sich Lydia Friedrich auch darauf nicht einlässt, haben ihr die Kolkwitzer nun ein gemeindeeigenes Haus im Nachbardorf Krieschow angeboten. Es wird nur von einem Jugendklub genutzt, liegt aber direkt neben einer Kita. Lydia Friedrich aber will diese direkte Konkurrenz nicht. „Kita neben Kita. Das muss nicht sein“ , sagt sie. Außerdem liege das Haus zu weit von ihrem Hof entfernt, um ihn mit den Kindern zu Fuß zu erreichen.
Der eigene Hof stand 2004 noch im Zentrum der Pläne Lydia Friedrichs. Hier wollte sie die Kita einrichten, gleich neben ihrem Wohnhaus. Öffnungszeiten von sechs Uhr früh bis acht Uhr abends wollte sie anbieten, außerdem Übernachtungsmöglichkeiten und einen Fahrdienst, der Kinder aus der Umgebung einsammelt. Der nötige Ausbau war schnell geplant und genehmigt.
Doch schon 2004 lag Lydia Friedrich mit der Gemeinde überkreuz, weil die ihre Kita in spe nicht für den Bedarfsplan des Spree-Neiße-Kreises empfehlen wollte. Kolkwitz habe schon fünf Kitas, noch eine weitere sei „nicht erforderlich“ , verwies Bürgermeister Fritz Handrow damals auf das Kitagesetz.
Damit blieb Lydia Friedrich der jährliche Betriebskosten-Zuschuss verwehrt, den Kitas bekommen, die auf diesem Bedarfsplan stehen. 100 000 Euro für den Ausbau ihres Hofs zur Kita zu investieren, schien der Unternehmensgründerin ohne diese finanzielle Hilfe zu gewagt, ein Haus zu mieten als die sicherere Variante.
Trotz dieser Streitigkeiten mit der Gemeinde - die Erzieherin will ihren Traum noch heute nicht aufgeben. Sie sucht jetzt im weiteren Umfeld von Eichow nach einer geeigneten Immobilie, die sie anmieten könnte.