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| 03:04 Uhr

Erinnerung an die verschwundene Heimat

Kirche von Stradow wurde im Jahr 1983 gesprengt, damit der Tagebau vorrücken konnte. Das Foto von Manfred Ihle stammt aus dem Jahr 1981. Sie war die erste Kirche, die zuvor umfassend erforscht wurde.
Kirche von Stradow wurde im Jahr 1983 gesprengt, damit der Tagebau vorrücken konnte. Das Foto von Manfred Ihle stammt aus dem Jahr 1981. Sie war die erste Kirche, die zuvor umfassend erforscht wurde. FOTO: Manfred Ihle (LR-SPR-RED-101)
Spremberg. In diesem Jahr ist es genau 30 beziehungsweise 20 Jahre her, dass die Kirchen von Stradow und Wolkenberg dem fortschreitenden Braunkohletagebau Welzow geopfert werden mussten. Die Gotteshäuser wurden jeweils 1983 und 1993 gesprengt. An die Ereignisse erinnert ab Donnerstag eine dreiteilige Veranstaltungsreihe, zu der die evangelische Michael-Kirchengemeinde einlädt. Catrin Würz

An den ohrenbetäubenden Knall und die daraufhin in sich zusammenfallenden Mauern der Stradower Kirche erinnert sich Manfred Ihle jedes Mal mit Beklemmung und Grausen. "Das Zeugnis Jahrhunderte alter Geschichte brach in sich zusammen - von Menschenhand zerstört", schildert er seine Erinnerungen an die Sprengung des Gotteshauses vor 30 Jahren. Der damalige Leiter des Heimatmuseums Spremberg hatte mehrere Jahre lang zuvor das Kirchengebäude archäologisch und bauhistorisch eingehend untersucht. Zusammen mit den Archäologen des Landesmuseums konnte er noch einige wertvolle Funde und Erkenntnisse über die Region sichern, interessante Objekte für Museen und Ausstellungen bergen. "Die Stradower Kirche war die erste in der Lausitz, die vor ihrem Verschwinden so eingehend untersucht wurde", erzählt der Historiker. Davon und von der ganz ähnlichen Arbeit zehn Jahre später in Wolkenberg berichtet Manfred Ihle an jenen drei Donnerstagabenden im Januar, die die evangelische St. Michael-Kirche im Gedenken an die Kirchensprengung vorbereitet hat. "Sicher werden auch einige Geschichten und Anekdoten zu erzählen sein, die die Zeitumstände besser darstellen", so Ihle.

Pfarrer Johann-Jakob Werdin will mit der von ihm initiierten Vortrags- und Diskussionsreihe vor allem eines erreichen: die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten. "Die Kirchen sind für die Menschen meist der Ort der Identifikation mit Heimat und eigener Geschichte", sagt er. Damit die Geschichte dieser Kirchen und die vielen damit verbundenen Geschichten der Menschen nicht verloren gehen, sollen die drei Abende daran erinnern. "Wir wollen den Menschen Gelegenheit geben, sich ihre Erinnerungen wieder bewusst zu machen, anderen davon zu erzählen", kündigt Pfarrer Werdin an. Natürlich stehe auch die Frage im Raum, welchen Preis es kostet, wenn für den Braunkohlenbergbau weiterhin Menschen ihre Heimat verlieren, entwurzelt werden. "Damit ist jedes Mal ein großer Lebens-, Heimat- und Geschichtsverlust für die Betroffenen verbunden", so Werdin.

Der erste der drei geplanten Abende am kommenden Donnerstag wird auf besondere Weise in die Thematik einführen. Gezeigt wird der 1992 gedrehte Film "Die sieben Bitten des Vaterunser". Der Cottbuser Künstler Matthias Körner setzt sich in diesem Filmessay mit der sechsten Bitte "Führe uns nicht in Versuchung" auseinander und findet ein Gleichnis in der Zerstörung der Lausitzer Landschaft mit dem Anspruch, sie anschließend besser zu machen. Die Filmaufnahmen dafür wurden Anfang der neunziger Jahre im Tagebau Welzow-Süd gedreht. Im Anschluss an die Filmvorführung wird Manfred Ihle einen Überblick über die Kirchengeschichte rund um Spremberg geben.

Der zweite Abend am 17. Januar widmet sich dann vor allem der Kirche Stradow. Der dritte Abend am 24. Januar beschäftigt sich mit der Kirche von Wolkenberg und ihrem Verschwinden. Immerhin gelang es damals, den aus dem Jahr 1417 stammenden Kirchturm zu retten und nach Pritzen umzusetzen. "In fünf Teilen wurde er mit dem Hubschrauber in das Dorf Pritzen geflogen und dort wieder aufgebaut", so Manfred Ihle.

Zum Thema:
Insgesamt drei Themenabende gibt es im Gedenken an die Sprengung der Kirchen. Sie finden jeweils um 19.30Uhr in der St. Michael-Kirche in Spremberg, Karl-Marx-Straße 47, statt:Donnerstag, 10. Januar: Film und Vortrag zur Kirchengeschichte der RegionDonnerstag, 17. Januar: Die Kirche von StradowDonnerstag, 24. Januar: Die Kirche von Wolkenberg