Es entbrannte ein blutiger Kampf um den Weg zur Reichshauptstadt Berlin. Ostwärts des Flusses hatte die sowjetische Armeeführung 2,5 Millionen Soldaten zusammengezogen. Ihnen stand etwa eine Million Wehrmachtsoldaten gegenüber. Das in Stellung gebrachte Kriegsgerät, Geschütze, Raketenwerfer, Panzer, überstieg alle Vorstellungen. Am Montag, 16. April 1945, begann 4.15 Uhr (Moskauer Zeit) unter ohrenbetäubenden Feuerhagel die Schlacht zur Überwindung der Neiße. Noch keine 20 Kilometer von Friedrichshain entfernt.
Leichter Nebel lag an jenem Morgen früh in der Dämmerung über dem Neißetal von Bad Muskau in Richtung Forst und weiter nach Norden. Es begann ein unvorstellbares Inferno, das fast zweieinhalb Stunden andauerte und die Erde erbeben ließ. Die Verluste auf beiden Seiten waren groß. Die sowjetische Luftoberhoheit war bald gesichert. Auch auf Friedrichshainer Territorium detonierten Bomben. Ein Nebelvorhang wurde von der Roten Armee über das Kampfgebiet gelegt. Der Verteidigungskampf wurde unübersichtlich. Schnell hatte die sowjetische Seite an zahlreichen Stellen unter großen beidseitigen Verlusten die Neiße überwunden. Ihr Wasser färbte sich rot von Blut. Brückenköpfe wurden ausgebaut. Köbeln, Pusack, Zels und Bahren waren bereits gegen 9 Uhr eingenommen.

Umkämpfte Adamsschenke
Noch am selben Abend erreichte die Front die Nähe von Friedrichshain. In der Nacht vom 16. April zum 17. fand das Nachtgefecht bei Friedrichshain statt. Im östlichen Teil des Ortes und des Waldes davor in Richtung Eichwege haben die ersten blutigen Kämpfe zwischen deutschen und sowjetischen Truppen stattgefunden. Ein umkämpfter Punkt der beiden Armeen war die Gegend um die Adamsschenke, an der Grenze zwischen Friedrichshain und Wolfshain. Hier wohnten damals die Familien Moosbach, Rockstein und Fijalkowski. In einer der Wohnungen hatte in einem Zimmer ein Hauptmann Kaltenberg sein Quartier genommen. Er befehligte etwa 300 junge Soldaten, vermutlich Gymnasiasten, die in den letzten Kriegswochen noch rekrutiert worden waren und zum größten Teil umgekommen sind. Sie hatten Bunker für MG-Schützen und Panzersperren errichtet, die für die sowjetischen T 34 kein Hindernis waren. Die Kampfhandlungen waren am 16. April früh durch Luftangriffe eingeleitet geworden. Manfred Fijalkowski, damals zehn Jahre alt, erzählte, dass in den Wäldern um die Adamsschenke, in der er wohnte, 264 deutsche und 32 sowjetische gefallene Soldaten begraben wurden. Er habe damals eine Karte gezeichnet, auf der die Grabstellen eingezeichnet waren. Ab Mai 1945 wurden dann die Toten von Friedrichshainern zum Friedhof umgebettet.

Glashütte schwer getroffen
Friedrichshain hatte auf dem Weg des Kriegs nach Spremberg kein Hindernis gebildet. Vor allem Panzer- und Artillerieverbände der 1. ukrainischen Front drangen immer weiter nach Südwesten vor und nahmen den Ort ganz ein.
Wie sah es in Friedrichshain nach den Kampfhandlungen aus? Am meisten hatte die Glashütte Schaden genommen. Zwei Packschuppen, Werksküche, zwei Schüttungen, in denen Gas erzeugt wurde, und drei große Materialschuppen waren zerstört oder in Brand geschossen worden. Die Schleiferei bekam Volltreffer ab. Außerdem wurde der im zweiten Packschuppen untergebrachte Rüstungsbetrieb von Focke-Wulf zerstört. Der Ofen 1 des Werkes wurde durch Bordwaffenbeschuss beschädigt, desgleichen auch die alte Einbindehütte, in der Glassachen verpackt wurden. Getroffen wurde auch das Elektrizitätswerk, jedoch ohne Wirkungen zu hinterlassen. Deutsche Soldaten hatten noch das Kraftwerk abgeschaltet, so dass der Ort ohne Strom und Wasser war. Die Grubenschächte füllten sich mit Wasser, da auch die Pumpen nicht mehr arbeiten konnten.
Die Kohleverladung brannte ab. Der Bahnhof jedoch blieb unversehrt. Zwölf Wohnhäuser wurden zum Teil schwer beschädigt, neun brannten ab. 300 deutsche und 40 russische Soldaten starben im Ort. Ein Mann und eine Frau fanden den Tod, fünf Personen wurden verschleppt und erschossen.
Der Lebensmut der Friedrichshainer aber war nicht gebrochen. Sofort nachdem die Waffen schwiegen, begann das Aufräumen. Bereits am 7. Mai wurde wieder die erste Kohle gefördert, drei Tage später hatte der Ort wieder Licht und Wasser.