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Spremberg
Er war ein kritischer Geist

Abschied von Michael Lang FOTO:
Spremberg. Fast 500 Menschen haben sich in Spremberg von Dr. Michael Lang verabschiedet.

Von einem großen Schwarz-Weiß-Foto lacht Dr. Michael Lang in die Menge. Fast 500 Menschen sind am Donnerstag zum Spremberger Krankenhaus gekommen, um dem Leitenden Notarzt in Spremberg und Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes Spree-Neiße zu gedenken. Beim Tauchgang, den er am 13. Januar im Halbendorfer See genießen wollte, war er plötzlich verstorben.

Nach einer internen Trauerfeier für die Kollegen am Mittwoch wollte das Krankenhaus die vielen Patienten und Freunde Abschied nehmen lassen. Die Feuerwehr, die Seelsorger, das Deutsche Rote Kreuz, Stadtverordnete kamen. „Er stand für unser Krankenhaus“, sagt Rosemarie Ahland, Ärztin im Ruhstand, „er war oft der erste Arzt, mit dem die Patienten in Kontakt kamen.“ Viele, so erinnert sie sich, mochten ihn so sehr, dass sie ihn als Hausarzt haben wollten.

Angesichts der Menschenmenge denkt Kathrin Möbius, Geschäftsführerin der Krankenhausgesellschaft, an die Demonstrationen 1997 und 2011. Dort habe Lang deutliche Worte für den Erhalt des Spremberger Krankenhauses gesprochen. „Die Wertschätzung heute hätte ihm gefallen“, sagt sie, „er hätte sich bescheiden bedankt und uns gebeten, zusammenzuhalten und ihn nicht zu vergessen.“

Für Chefärztin Sabine Manka ist die traurige Nachricht kaum fassbar. „Er konnte sehr stur sein, war kritisch, wollte das Beste für seine Patienten.“ Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) weiß zu schätzen, wie er Lebensmut gab. „Ausgerechnet er, der immer für alle da war, war allein, als er starb.“ Landrat Harald Altekrüger ist sich sicher, dass Langs Name mit dem Qualitätsmanagement im Notfalldienst verbunden und er ein Vorbild bleiben wird. Stefan Haustein vom Rettungsdienst Falck kannte ihn als „harten Brocken“ in Diskussionen. „Aber wenn es um die Zukunft ging, wurde er sehr nachdenklich. Er hat immer hinterfragt, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“ Katherina Bärwinkel von der „Academy of Music“ in Cottbus schildert, wie er montags immer zum Musikunterricht kam, : „Da hatte er oft 24 Stunden Dienst hinter sich. Aber Sie kannten ihn: Wenn er etwas tat – dann zu hundert Prozent. Und wenn Sie nun fragen, warum er denn unbedingt tauchen musste - das war sein Hobby wie die Musik.“

Bärbel Haubold, die dem Chefarzt mit ihrer Künstleragentur Auftritte organisierte, erzählt unter Tränen von seinen weißen Socken. Dass sie mal eine Gedenkfeier für ihn vorbereiten muss? „Two Pieces“ – das Spremberger Duo Beatrice Haschick und Alex Hanke – hat schöne, leise Lieder gefunden. Und Worte der Rocklady Tamara Danz, die Lang gemocht hat und die auch viel zu früh gehen musste, gab Kathrin Möbius den Kondulierenden mit auf den Weg: „Wir sind doch Energie. Und die geht nie verloren.“

Rund 500 Menschen lauschten den Erinnerungen an den Leitenden Notarzt, leidenschaftlichen Musiker und Sportaucher.
Rund 500 Menschen lauschten den Erinnerungen an den Leitenden Notarzt, leidenschaftlichen Musiker und Sportaucher. FOTO: Detlef Bogott