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Er bleibt bewusst unkonkret

Kreativ in und für Spremberg unterwegs: Steffen Beier trifft sich mit Gleichgesinnten und plant neue Projekte.
Kreativ in und für Spremberg unterwegs: Steffen Beier trifft sich mit Gleichgesinnten und plant neue Projekte. FOTO: Maus
Spremberg. Steffen Beier hat den ersten Spremberger Kunstmarkt organisiert – und nun stellt er seine Werke im Steinitzhof bei Drebkau aus. Das Malen soll für ihn jedoch ein Hobby bleiben, auch wenn sich inzwischen regelmäßig eine Gruppe Gleichgesinnter in Spremberg trifft und neue Projekte plant. René Wappler

Manchmal geht ein Besucher auf Steffen Beier zu, weist auf ein Bild, das eine Landschaft zeigt oder eine Stadtansicht, und fragt: "Wo ist das?" In diesen Momenten gibt Steffen Beier inzwischen eine Standardantwort. "Ist doch egal, wo das ist", sagt er dann. "Ein Bild muss ja nicht immer was Konkretes aussagen."

Seit 15 Jahren malt der Spremberger. Immer betrachtete er die Kunst als Hobby. Gelernt hat er den Beruf des Kfz-Mechanikers, heute arbeitet er als Schlosser bei der Stadtbrigade. "Ich weiß gar nicht, ob ich mich noch mit dem Malen befassen könnte, wenn es mein täglicher Job wäre", sagt er. "Vor dem Druck, dem sich professionelle Künstler ausgesetzt sehen, habe ich enormen Respekt."

Im vergangenen Jahr organisierte Steffen Beier den ersten Spremberger Kunstmarkt auf dem Hof vom Hotel Georgenberg. Das Ziel lautete: Einfach mal etwas tun, um die Kultur in der Stadt anzukurbeln.

Mittlerweile treffen sich regelmäßig mehr als 30 Leute, immer am letzten Mittwoch im Monat, stets um 18.30 Uhr, gleicher Ort, gleicher Termin. Manche gestalten Schmuck, andere Filz, und sie tragen sich bereits mit der Idee, das Sonntagsche Haus für Veranstaltungen zu nutzen. Kein Verein, wie Steffen Beier betont, eher eine Interessengemeinschaft, zu der sich jeder Spremberger gesellen mag, der Lust darauf hat. "Sicher werden wir mit unserem Kreativtreff auch mal im Steinitzhof aufschlagen", sagt er. Nichts dagegen einzuwenden hätte Sigrid Berndt, die das Gehöft im Auftrag der Stadt Drebkau betreut. Erst vor wenigen Tagen konnte sie einen Besucherrekord vermelden: 1819 Gäste schauten sich die Ausstellung des Hallenser Professors Rolf Müller an - "Landschaft im Umbruch", die Motive am Rande des Tagebaus festhielt.

Dieses Mal, mit der neuen Ausstellung von Steffen Beier, will sie mal etwas Neues ausprobieren, weniger auf den Bergbau bezogen, eher mit dem Blick auf Künstler der Region.

Dabei lebt Sigrid Berndt seit Jahrzehnten selbst umgeben von der Tagebauregion, in Greifenhain. "Ich musste mich im Grunde nie verändern", sagt sie. "Denn alle zehn Jahre veränderte sich ja die Landschaft um mich herum."

Vom Wechsel der Perspektive auf diese Landschaft erzählt auch die Ausstellung von Steffen Beier. "Von Weitem sieht manches ja nahezu perfekt aus", erklärt er. "Wenn man jedoch näher herangeht, sieht man erst die breiten Pinselstriche." So dürfte es kein Zufall sein, dass er in einem seiner Bilder sogar ganz explizit den expressionistischen Maler Ernst Ludwig Kirchner zitiert: "Wenn es Ihnen lediglich darum geht, ein Stück Natur, ,so wie es ist‘, wiederzugeben, lässt sich das besser und schneller durch eine Fotografie bewerkstelligen", lauten dessen Worte.

In diesem Sinne deutet Steffen Beier auf das Bild eines Straßenzuges, der sich in Spremberg befinden mag, vielleicht aber auch in einer anderen Stadt. "Ich lasse mich durchaus von Orten wie der Badergasse inspirieren", erläutert er. "Aber niemals würde ich diesen Ort eins zu eins in ein Bild umsetzen." Dafür nimmt er gern in Kauf, dass ihn manche Gäste fragen: "Wo ist das?" Und dass er keine Antwort darauf geben kann.

Zum Thema:
Die Vernissage der Ausstellung von Steffen Beier mit Arbeiten in Öl und Acryl und Plastiken aus Holz und Papiermaché findet am morgigen Freitag, 1. April, um 17 Uhr statt. Musikalisch wird sie vom Duo Siggi & Bea begleitet. Der Steinitzhof befindet sich in der Steinitzer Dorfstraße in Drebkau. Er ist dienstags bis freitags von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 Uhr bis 17 Uhr.