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Eltern auf Zeit für Simone

Michaela Koch (l.) hatte zu einem Tag der offenen Tür in ihr „Haus am Wald“ in Klein Loitz eingeladen. Die 16-jährige Bewohnerin Simone zeigt Monika Jannack und Dr. Holger Wahl ihr Zimmer.
Michaela Koch (l.) hatte zu einem Tag der offenen Tür in ihr „Haus am Wald“ in Klein Loitz eingeladen. Die 16-jährige Bewohnerin Simone zeigt Monika Jannack und Dr. Holger Wahl ihr Zimmer. FOTO: Martina Arlt
Klein Loitz.. Es ist gut für Kinder und Jugendliche, wenn sie in einer intakten Familie aufwachsen. Doch nicht immer ist das möglich. Dann muss für diese Heranwachsenden ein neues Zuhause gefunden werden. So ein neues Zuhause gibt es auch im Felixseer Ortsteil Klein Loitz. Auf den ersten Blick ist es ein Haus wie jedes andere im Ort. Auf dem Schild vor dem Eingang steht dann aber „Haus am Wald – ein Paradies für Kinder“ . Träger ist das Albert-Schweitzer-Familienwerk Brandenburg. Von Martina Arlt

Das Haus am Hornower Weg haben sich Michaela und Wolfgang Koch vor elf Jahren aufgebaut. Ihre Töchter Manuela (28 Jahre) und Ricarda (26 Jahre) sind hier aufgewachsen, aber inzwischen wohnt nur noch Manuela bei den Eltern. Die 52-jährige Michaela Koch ist staatlich anerkannte Erzieherin und arbeitete von 1972 bis 2001 in ihrem Beruf. Dann hatte sie eine Idee: „Als ehrenamtliche Familienberaterin war ich sowieso tätig. Mit Kindern wollte ich weiter arbeiten. Ich besuchte einen Lehrgang, wollte eine Ich-AG gründen und eine private Kindertagesstätte eröffnen. Mein Konzept hatte ich schon fertig.“ Doch dann kam alles anders. Nach Gesprächen mit Dr. Holger Wahl, Geschäftsführer des Albert-Schweitzer-Familienwerkes, entschied sie sich für die Variante „Haus mit innewohnender Erzieherin“ .
Sie erinnert sich: „Genau am 23. März 2004 erhielt ich die Genehmigung vom Landesjugendamt für ein Kleinstheim (Gruppe mit innewohnender Erzieherin). Als ich meinem Mann diesen Vorschlag unterbreitete, hatte ich gleich seine Unterstützung, er sagte: dann hast du eben deinen Arbeitsplatz zu Hause.“
Das Wohnhaus hat eine Kapazität für die Aufnahme von vier Kindern beziehungsweise Jugendlichen, die beispielsweise Entwicklungsprobleme haben, deren Eltern überfordert sind, ihre Kinder vernachlässigt oder gar missbraucht hatten. Solche Mädchen und Jungen werden von den Eltern getrennt und für eine bestimmte Zeit in einer intakten Familie integriert. Immer mit dem Ziel, dort eine pädagogische Erziehung zu erfahren und dann wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückzukehren.
Gegenwärtig wohnt ein Mädchen bei der Familie Koch. Es ist die 16-jährige Simone, sie ist genau vor einem Jahr in die Klein Loitzer Familie gekommen. Das einjährige Bestehen nutzte Michaela Koch, um zu einem Tag der offenen Tür in ihr Haus einzuladen. So kamen am Mittwochnachmittag der Bürgermeister der Gemeinde Felixsee, Peter Rabe, Vertreter vom Jugendamt, der Frühförderung, des Offenen Jugendhauses und auch aus dem „Haus Regenbogen“ in Welzow, das ein gleiches Konzept hat. Einwohner aus Klein Loitz brachten Blumen mit und sprachen sich lobend über die Initiative der Kochs aus.
Simone zeigte stolz ihr Zimmer: „Ich bin sehr glücklich hier, besuche die Förderschule auf dem Georgenberg in Spremberg, und in meiner Freizeit gehe ich gern in den Jugendclub, der befindet sich gleich gegenüber.“ Auch ihre Lehrerin Katrin Wießner war zu Gast am Mittwoch: „Simone hat eine ganz tolle Entwicklung genommen.“
Und schließlich gab es am Mittwoch noch einen Grund zum Jubeln. Monika Jannack übergab drei Computer im Wert von 3500 Euro, die aus dem Allianz-Kinderhilfsfonds Berlin/Leipzig finanziert worden sind. Drei Computerplätze können damit von den Kindern beziehungsweise Jugendlichen jederzeit genutzt werden.
Für Simone ist nach einem Jahr auch der Alltag eingekehrt. Michaela Koch stellt ihr das Frühstück bereit. Kehrt Simone aus der Schule am Nachmittag zurück, wird gemeinsam Kaffee getrunken, über Probleme und die schönen Erlebnisse des Tages gesprochen. Auch am Abend versammelt sich die ganze Familie im Wohnbereich zum Abendbrot. Fast täglich wird die Sendung „Gute Zeiten - Schlechte Zeiten“ im Fernsehen geschaut.
Im vergangenen Sommer waren alle gemeinsam mit dem Reisemobil im Urlaub in Kroatien. „Das war, als die Feuerwehr-Olympiade stattfand. Ein großes Erlebnis“ , erinnert sich Simone.
Die engagierte Klein Loitzerin Michaela Koch ist die Vorsitzende des Dorfvereins mit seinen 35 Mitgliedern, beschäftigt sich in ihrer Freizeit sehr gern kreativ und besucht immer wieder Lehrgänge und Weiterbildungsseminare. Trotzdem vergisst sie nicht, Simone regelmäßig zur Logopädin zu begleiten. Simone hat kleine Sprachschwierigkeiten, hole aber gut auf.
Bis heute haben die Kochs ihren Entschluss nicht bereut. Und Michaela Koch hofft, bald weitere Kinder betreuen zu dürfen. Die Entscheidung liege immer beim Jugendamt und werde individuell entschieden. Simone wird sicher bis zu ihrem 18. Lebensjahr bei der Klein Loitzer Familie wohnen.