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| 18:01 Uhr

Spremberg
Einwohner fordert Schutzwand

Bauausschuss hat zu einer Vor-Ort-Begehung vorm Bau der neuen Südanbindung in Schwarze Pumpe eingeladen. Stadtverwaltung, ASG und ein Spezialist der VIC Planen und Beraten GmbH Dresden versuchen die Fragen der Einwohner zur künftigen Lärmbelastung zu beantworten.
Bauausschuss hat zu einer Vor-Ort-Begehung vorm Bau der neuen Südanbindung in Schwarze Pumpe eingeladen. Stadtverwaltung, ASG und ein Spezialist der VIC Planen und Beraten GmbH Dresden versuchen die Fragen der Einwohner zur künftigen Lärmbelastung zu beantworten. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Experten haben möglichen Lärm für Schwarze Pumpe berechnet. Viele Bürgerfragen bleiben offen.

Knapp 100 Menschen warten an der Ecke Bahnweg/Fritz-Schulz-Straße im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe. Zum Vor-Ort-Termin des Spremberger Bauausschusses zur geplanten Südanbindung des Industrieparks Schwarze Pumpe sind sie mit Kinderwagen, Strickjacken über der Schulter und mit einem Plakat gekommen. Ortsbeiratsmitglied Roland Linke hat den Kabelbinderschneider dabei. Schnell ist das Plakat am Zaun befestigt. „Lärm macht krank, keine Südanbindung ohne Lärmschutzwand!“, steht auf der wetterfesten Plane.

Auch Petra Lehmann, kaufmännische Geschäftsführerin des Wirtschaftsförderers und Industriepark-Koordinators ASG Spremberg, und der technische Geschäftsführer Roland Peine rollen große Blätter auf: der Plan für den Bau der Südanbindung und eine Lärmpegelbetrachtung für den Ortsteil. „Druckfrisch“, so Peter Reininger, der Vorsitzende des Bauausschusses.

Als der Ortsbeirat Schwarze Pumpe im  Juni den Bebauungsplan-Entwurf zur Südanbindung billigte, tat er das mit einem Änderungswunsch: „Für das Wohngebiet Brigittenhof wird eine Lärmschutzwand errichtet. Für den Fall, dass keine Förderung möglich ist, übernimmt die Stadt Spremberg die Kosten.“ Dieser Wunsch und ein Auftritt der Bürger in der Stadtverordnetenversammlung war für Bauausschusschef Reininger Anlass, sich noch einmal intensiv mit den Belastungen durch den Lkw-Verkehr in Schwarze Pumpe zu beschäftigen.

Inzwischen ist ein zweites Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht. Und beim Vor-Ort-Termin am Montag zwei Stunden vor der Bauausschusssitzung beweisen Einwohner des Ortsteils, dass die Lärmschutzwand nicht nur eine Idee ihres Ortsbeirates ist. „Es wären mehr gekommen, aber viele müssen nachmittags arbeiten“, ruft ein Bürger.

Eine ganze Weile kann der Experte von der VIC Planen und Beraten GmbH Dresden, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, über die zu erwartenden Lärmpegel berichten. Er zeigt, wo es durch die Südanbindung um wenige Dezibel leiser und wo es lauter wird. Doch was sind drei, vier Dezibel? Wie lassen sich Durchschnittswerte mit dem tatsächlichen Verkehrslärm zwischen 5.30 zwischen 7 Uhr vergleichen? Warum muss die Südanbindung auf dieser Trasse gebaut werden? Und der Staub? Die Bürger haben viele Fragen. Der Experte verweist aufs Bundesimmissionsschutzgesetz, erklärt, was in die Bewertung einfließt. Mit den Lärmrichtwerten in der Nacht und am Tag habe der Gesetzgeber festgelegt, wann ein Rechtsanspruch auf eine Lärmschutzwand besteht. Nach seinen theoretischen Berechnungen hat Schwarze Pumpe diesen Anspruch nicht.  „Doch“, so eine Bürgerin, „muss man immer einen Rechtsanspruch haben?“ Das fragt sich auch Peter Reininger: „Dann wird es eine politische Entscheidung der Abgeordneten.“ Doch für die politische Entscheidung muss Geld im Haushalt sein.

Wenn an der Kreuzung die Hauptstraße mit erlaubten 70 Kilometern pro Stunde in den Industriepark abbiegt, werden die Lkw mit ihrer Last trotz Vorfahrt vor der Kurve abbremsen müssen. Auch die Brücke, so die Erfahrung der Bürger, erhöhe den Lärm. Hinzu komme Zugverkehr- und Industrielärm. Ortsvorsteher Göran Richter unterscheidet, welchen Lärm der Ostwind und welchen Lärm der Westwind bringt. Auch die Erfahrungen mit der Nord­umfahrung, die lange ihrer Einweihung nicht ausgeschildert war, macht die Einwohner misstrauisch. Viele Lkw-Fahrer ignorieren sie noch immer, fahren durch den Ort.

Göran Richter will die Einwohner zu einer Bürgerversammlung einladen – noch vor dem 15. Oktober, wenn die Südanbindung erneut Thema im Bauausschuss ist. Möglichst viele Bürger, so erklärt er, sollen ihre Einwände im Rathaus äußern, wenn die Pläne erneut aus liegen.

Gut gelaufen sei die Versammlung, sagt Peter Reininger zwei Stunden später in der Ausschusssitzung. „Ich glaube, wir konnten da ein bisschen die Bedenken ausräumen.“

Der Fördermittelbescheid für die Südstrecke lässt noch immer auf sich warten. Darauf weist Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel hin. „Wir wurden aufgefordert, die Unterlagen noch einmal zu korrigieren“, sagt er. „Hoffentlich trifft der Bescheid alsbald ein.“