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Einwohner von Proschim entdecken ein gerissenes Reh

Karl-Heinz Wusk inspiziert die Blutspur, die der Wolf bei Proschim im Schnee gezogen hat.
Karl-Heinz Wusk inspiziert die Blutspur, die der Wolf bei Proschim im Schnee gezogen hat. FOTO: Rene Wappler
Proschim. Eine rote Blutspur zieht sich übers Feld. Karl-Heinz Wusk stapft den Weg entlang, ein paar Meter vom Wald entfernt, bis er auf den Kadaver eines Rehes stößt. René Wappler

Fell und Knochen. Daneben das Profil von Wolfspfoten im Schnee. Alles, was nach dem Todeskampf übrig bleibt.

Der Blick des Proschimer Jagdvorsitzenden verweilt auf dem Kadaver. Er versucht nachzuvollziehen, was in der Nacht zum Donnerstag auf dem Feld in der Nähe des Dorfes geschehen ist. Vermutlich, sagt er, hat ein Wolf dem Reh aufgelauert, es angegriffen, verletzt und schließlich ausgeweidet. Karl-Heinz Wusk hält es sogar für möglich, dass es mehrere Wölfe waren und mehrere Rehe, dass weitere Kadaver im benachbarten Wald liegen.

"Unser Jagdpächter kam am Morgen zu mir", sagt er. "Ich solle mal rausfahren und mir das anschauen, weil es klar belegt, dass hier Wölfe unterwegs sind." Derart große Hunde gibt es nach seinen Worten ohnehin nicht im Ort.

Von fünf umherstreunenden Wölfen gehen die Einwohner des Dorfes aus. Keine belegte Zahl, eher eine Schätzung, die sich auf Aussagen von Augenzeugen stützt. Mit dem Fund des frischen Kadavers flammt darüber hinaus eine Spekulation wieder auf, die sich vor drei Wochen entzündete, als laut den Unterlagen der Polizei ein totes Reh auf der Straße zwischen Proschim und Welzow gefunden wurde. Eberhard Sturm vom Vorstand der Jagdgenossenschaft besuchte die Stelle an jenem Abend, und er berichtet, er habe einen Blutfleck gesehen, daneben graues Fell. Zunächst ging das Gerücht im Ort um, bei dem toten Tier handle es sich in Wahrheit um einen Wolf, ein anderes Gerücht besagte, vielmehr habe der Wolf das Reh von der Straße in den Wald geschleift. Doch die Polizei-Pressestelle blieb dabei: Mehr als den Fund eines toten Rehes könne sie nicht vermelden.

So sagt der Jagdvorsitzende von Proschim angesichts des frischen Kadavers auf dem Feld: "Spuren von Wölfen haben die Leute bei uns auch schon an anderen Stellen gesehen, nur nicht so deutlich als Abdruck im Schnee." Nach Angaben des Kontaktbüros "Wölfe in Sachsen" existierte in der Spremberger Region seit dem Jahr 2010 ein Wolfspaar, das im Jahr 2011 zum ersten Mal Nachwuchs bekam. Der Rüde mit dem Namen Karl starb demnach im März 2015. Wie viele Tiere aus einem Wurf im vergangenen Jahr hervorgingen, ist momentan noch offen.

Allerdings glaubt Karl-Heinz Wusk aus Proschim, dass bereits jetzt weit mehr Wölfe durch die Region streifen als weithin angenommen. "Ich traue den Statistiken nicht mehr", sagt er.