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Einen Kindheitstraum erfüllt

Eingang ins Büro am Bahnsteig 1: Der Eigentümer des Forster Bahnhofes und Bahnliebhaber Peter Finkenstaedt.
Eingang ins Büro am Bahnsteig 1: Der Eigentümer des Forster Bahnhofes und Bahnliebhaber Peter Finkenstaedt. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Wer kann schon von sich sagen, dass sein Büro vom Bahnsteig 1 begehbar ist? Peter Finken staedt kann es seit rund zwei Wochen. Der Diplom-Ökonom ist mit seinen drei Firmen – darunter die Vereinigte Lohnsteuerhilfe, eine Buchhaltung sowie eine Lohn- und Hausverwaltung – in den Forster Bahnhof eingezogen, in die ehemaligen Räume des Bundesgrenzschutzes. Steffi Ludwig

Auch wenn er sich damit manchmal etwas wie Harry Potter auf dessen Gleis neundreiviertel vorkommt - alles ist real und aus tiefstem Herzen gewollt: Denn Peter Finkenstaedt ist seit 2016 der Eigentümer des Forster Bahnhofes.

Damit hat er sich einerseits den Kindheitstraum erfüllt, drin zu sitzen und die Züge fahren zu sehen. Denn er liebt, seit er denken kann, alles, was Räder hat und auf Schienen fährt. Andererseits macht es ihm großen Spaß, in Objekte, die in den Augen anderer im Sterben liegen, Kraft zu stecken und sie wieder zum Leben zu erwecken.

So war es auch bei seinem Wohnhaus in der Frankfurter Straße, in das sich der Hannoveraner im Jahr 2008 bei einem Urlaubsbesuch in Forst spontan verliebte - so sehr, dass er wegen dieser abbruchreifen Villa alle Hebel in Bewegung setzte, in Hannover alle Zelte abbrach und mit seiner Familie nach Forst zog. Heute ist das Haus ein Schmuckstück, sein zweites Kind ist bereits ein waschechter Forster.

Die Versteigerung des Bahnhofsgebäudes im Herbst 2014 an den Immobilieninvestor Karl-Leo Spettmann für 15 000 Euro hatte Peter Finkenstaedt verfolgt, sich aber nicht selbst beteiligt: "Ich dachte, es wird ein anderer Forster Bahnliebhaber mitbieten." Doch "Bahnhofssammler" Spettmann blieb der einzige Bieter - und Finkenstaedt entdeckte bereits wenig später im Internet wieder den Forster Bahnhof - allerdings mit einer Null mehr für 150 000 Euro. Er trat mit Spettmann in Verbindung, verhandelte zunächst über eine Miete, die jedoch viel zu hoch ausgefallen sei, und nach mehr als einem Jahr Verhandlung habe man sich dann geeinigt. Der genaue Preis bleibe sein Geheimnis, so Finkenstaedt, aber es sei mehr, als er eigentlich bezahlen wollte. Die Kosten habe er aus seinem Privatvermögen, das aus dem Verkauf seines Hauses bei Hannover resultierte, getragen.

Die Stadt Forst sei heilfroh, dass sich nun jemand um den roten Klinkerbau kümmert, so Egbert Lamm von der Wirtschaftsförderung: "Wir stehen ständig in Kontakt zur weiteren Entwicklung des Bahnhofes."

Glücklicherweise sei das Gebäude in recht gutem Zustand, so Finkenstaedt. Er möchte erreichen, dass das Objekt belebt wird. Dazu gehöre, dass der Wartebereich auch für den Bus genutzt werden könne, dass es dort zumindest Informationsmöglichkeiten gebe. Erste Gespräche mit der DB Regio Bus Ost habe es gegeben. Sein zweiter Traum sei die Wiederinstandsetzung der alten Mitropa-Räume. "Die sind in einem super Zustand", so Finkenstaedt. Hier werde ein vernünftiger Betreiber gesucht. Weitere Räume könnten als Büros genutzt werden. Die Deutsche Bahn und das Reisebüro bleiben weiter eingemietet.

Die kaputte Bahnhofsuhr sei in dieser Woche abmontiert worden, über eine neue werde mit der Denkmalbehörde gesprochen.

"Wir begrüßen Finkenstaedts Aktivitäten in Forst", sagt Egbert Lamm. Denn auch weitere Objekte werden von ihm derzeit saniert. Eines ist die Gaststätte "Eiche" am Gutenbergplatz.