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Eine Überraschung für den Schlossherrn

Die Familie des Schlossherrn Georg von Wühlisch feiert gemeinsam mit den Bewohnern ein Fest im Park.
Die Familie des Schlossherrn Georg von Wühlisch feiert gemeinsam mit den Bewohnern ein Fest im Park. FOTO: dbo1
Lieskau. Die Überraschung ist den Familien Preußner, Opitz, Krause und der Ortschronik-Gruppe gelungen: Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Lieskauer Schlosses hat das kleine Organisationsteam ein Fest im Park auf die Beine gestellt. Natürlich kam auch der Vermieter, Georg von Wühlisch nebst Familie. dbo1

1891 übernahm Paul Heinrich von Wühlisch das einstige um 1800 gebaute Gutshaus. Danach war Georg von Wühlisch bis 1945 der Besitzer des heutigen Liskauer Schlosses. Von 1945 an war das Schloss Volkseigentum. Mietwohnungen, Gaststätte, Tanzsaal, Gemeindebüro, Jugendzimmer und vieles mehr befanden sich hier. Für größere Instandsetzungarbeiten war kein Geld da.

Das änderte sich, als der Enkel des damaligen Schlossherrn sich meldete. Die Gemeindevertretung stand damals vor der Frage, ob sie das Schloss zum Nulltarif abgeben will. Heute ist klar, dass die damalige Entscheidung richtig war. Georg von Wühlisch hat aus dem einstigen Gutshaus ein richtiges Märchenschloss entstehen lassen. 1992 übernahm er das Anwesen für den symbolischen Preis von einer Mark.

Die riesige Dachstuhlkonstruktion oder der Turm wurden zu echten Herausforderungen. Im August 1993 begann die Bauphase, welche bis 1997 andauerte. Die Bewilligung für 15 Sozialwohnungen kam zwei Jahre später. Von nun an veränderte sich das Anwesen ständig.

Georg von Wühlisch erzählt mit Stolz in der Stimme über die Geschichte seines Schlosses. Allein drei architektonische Epochen, von der Gründerzeit über Jugendstil und Barock, sind zu sehen. Und wenn man den Turm betrachtet, sagt von Wühlisch lächelnd, da sei sogar noch etwas vom Mittelalter zu spüren.

Als erster Mieter zog damals vor 20 Jahren Thorsten Opitz ein, damals noch in die Turmwohnung. Das Grün ringsherum, die Ruhe und der Park haben für ihn den Ausschlag gegeben. "Es wohnt sich wunderschön hier", sagt er. Auch Karin und Klaus-Dieter Koch fühlen sich seit zwölf Jahren in ihrer Schlosswohnung wohl. Mehr als 100 Mietverträge wurden bislang unterschrieben, insgesamt gibt es 37 Zimmer. Aus 1200 Quadratmetern Wohnflächen wurden fünfzehn Wohnungen geschaffen. Seit 1991 steht das Lieskauer Schloss unter Denkmalschutz. Die Einbindung der Mieter in den Ort hat gut geklappt, sagt Ortsvorsteher Harry Krause. Alle Mieter hätten sich dem Dorfleben angepasst. Die Mieten selber sind bis heute nicht erhöht worden.

Im Festzelt ließen die Mitglieder der Ortschronik-Gruppe anhand alter Zeitungsartikel und Fotos die gesamte Geschichte des Hauses sowie die vierjährige Bauphase noch einmal Revue passieren. Sogar ein kleines Programm gestaltete die Liskauerin Carolin Jakob mit den Kindern aus dem Dorf. Für Georg von Wühlisch und seine Familie wird das Fest, das auch ein Dankeschön an den Vermieter beinhaltete, lange in Erinnerung bleiben. Schließlich ist es heutzutage keine Selbstverständlichkeit, dass sich Mieter und Vermieter so gut verstehen.