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Eine Stadt sitzt am Bewerbertisch

Markus Kühlert und Cornelia Pfaff (Mitte) sammeln die Argumente von Spremberger Fachleuten für die Bewerbung zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Am Gespräch beteiligen sich Birgit Kamenz vom Bergschlösschen, Bürgermeisterin Christine Herntier, Stadtplanerin Claudia Wolf, Sachbearbeiterin Silvia Schimko, Petra Lehmann vom Wirtschaftsförderer ASG und Stadtverordneten-Vorsteherin Elke Franke.
Markus Kühlert und Cornelia Pfaff (Mitte) sammeln die Argumente von Spremberger Fachleuten für die Bewerbung zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Am Gespräch beteiligen sich Birgit Kamenz vom Bergschlösschen, Bürgermeisterin Christine Herntier, Stadtplanerin Claudia Wolf, Sachbearbeiterin Silvia Schimko, Petra Lehmann vom Wirtschaftsförderer ASG und Stadtverordneten-Vorsteherin Elke Franke. FOTO: René Wappler
Spremberg. So ein Bewerbungsgespräch findet nicht alle Tage statt: Die Bürgermeisterin will zwei Mitarbeiter einer Stiftung davon überzeugen, dass Spremberg eines Preises würdig ist. Ob dies gelungen ist, werden die Rathaus-Mitarbeiter zum Jahresende erfahren. René Wappler

Denn im Dezember verleiht die Stiftung in Düsseldorf den deutschen Nachhaltigkeitspreis, der mit 35 000 Euro dotiert ist.

Gern wären die beiden Mitarbeiter der Stiftung mit dem Zug von Berlin nach Spremberg und zurückgereist. Doch um pünktlich anzukommen, stiegen sie lieber in ein Mietauto. Davon erzählte Projektmanagerin Cornelia Pfaff, als sie am Mittwoch gegen 10.30 Uhr neben ihrem Begleiter Markus Kühlert im Ratssaal der Spremberger Stadtverwaltung saß.

Zu ihnen gesellten sich Bürgermeisterin Christine Herntier und weitere Fachleute aus Spremberg. "Die Bahnanbindung in der Lausitz ist wirklich nicht so ideal, wie wir uns das wünschen", sagte das Stadtoberhaupt. "Deshalb haben sich die Bürgermeister der Lausitz in der vergangenen Woche ja auch noch einmal an das Verkehrsministerium gewandt."

Vielleicht könnten die Gäste also doch auf den Zug umsteigen, falls sie Spremberg ein weiteres Mal besuchen. Wer nicht die Zukunft im Blick behält, der bekommt Probleme: So beschrieb die Bürgermeisterin vor den Besuchern ihre Definition von Nachhaltigkeit, von Prozessen, die sich über lange Zeit auswirken - und das möglichst positiv.

So betonte Christine Herntier im Gespräch mit den Gästen, wie oft Spremberg vermeintliche Schwächen in eine Stärke verwandeln konnte. "Wir hatten gar keine andere Chance, als uns auf den Weg zu einer modernen Stadt zu begeben", sagte sie. Die Gewerbesteuerrückforderung in Höhe von 14 Millionen Euro aus dem Jahre 2015 habe hart die Stadt getroffen: "Wir waren gezwungen, uns zu konsolidieren", erklärte die Bürgermeisterin. "Und jetzt bewerben wir uns wieder für die Landesgartenschau im Jahr 2022." Auch für die Sanierung der Radwege im Umland von Spremberg sei trotz des Sparzwanges Geld eingeplant.

Stadtplanerin Claudia Wolf wies derweil auf die Zusammenarbeit zwischen den Städten in der Lausitz hin: "Da profitieren wir von den Erfahrungen, die Kollegen gesammelt haben." Als Beispiel nannte Claudia Wolf den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, an dem Spremberg ebenfalls teilnimmt.

Die Stadtverordneten-Vorsteherin Elke Franke (Die Linke) saß ebenfalls am Bewerbungstisch im Ratssaal. "Viele Leute klammern sich noch zu stark an die Braunkohle als Wirtschaftszweig", stellte sie fest. "Oft ist es ganz schwer zu vermitteln, dass wir andere Wege gehen müssen."

Markus Kühlert von der Stiftung des Nachhaltigkeitspreises erwiderte: "Es geht uns ja gerade um die Entwicklungsprozesse - eben darin liegt für uns der wichtige Aspekt."

Drei Stunden dauerte das Gespräch im Ratssaal. Stiftungsmitarbeiterin Cornelia Pfaff reiste mit neuen Erkenntnissen zurück nach Berlin und weiter nach Düsseldorf: "Für Spremberg ist der wirtschaftliche Wandel charakteristisch, und in keinem anderen Gespräch für den Nachhaltigkeitspreis saßen wir so vielen Frauen in entscheidenden Positionen gegenüber."