ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:38 Uhr

Schwerer Transport durch die Stadt
Eine Brücke reist nach Spremberg

Der Brückentransporter blockierte zeitweise den neuen Kreisverkehr.
Der Brückentransporter blockierte zeitweise den neuen Kreisverkehr. FOTO: Detlef Bogott
Spremberg. Nach einem kleinen Unfall am Kreisverkehr in Spremberg kommt das Bauwerk an der Wendenstraße an. Von René Wappler und Detlef Bogott

Vor der Baustelle hält der 84-jährige Dieter Jüttner an. Jeden Tag erkundet er Spremberg mit seinem Fahrrad. Er trifft auf den Geschäftsführer der PML Leichtbau GmbH, Frank Groß. „Der Kreisel war wohl nicht richtig für den Transport geeignet?“, fragt ihn Dieter Jüttner. Der Firmenchef erwidert: „Zumindest wird sich alles etwas verzögern, aber um 17 Uhr muss die Brücke stehen.“

Die neue Brücke wird an ihren Standort gehievt.
Die neue Brücke wird an ihren Standort gehievt. FOTO: LR / Rene Wappler

Am Montagabend waren die beiden Schwerlasttransporter mit den vier Brückenteilen in Singen am Bodensee aufgebrochen. Um 5 Uhr morgens am Mittwoch hatten sie schon fast ihr Ziel erreicht, als sie einen Kilometer vor der Wendenstraße auf ein Problem stießen. Der erste Transporter durchquerte den neuen Kreisverkehr im Spremberger Stadtzentrum. Unter dem zweiten Fahrzeug löste sich eine Bodenplatte, die zur Sicherung angebracht war. Sie beschädigte die Bremsleitung.

Daraufhin staute sich der Verkehr in der Gegend um den Kreisverkehr. Polizeibeamte leiteten die Autofahrer um. Gegen 8 Uhr traf der Werkstattdienst ein. Um 9.45 Uhr konnte der Transporter seine Fahrt mit den 22 Meter langen Brückenteilen bis zur Spree an der Wendenstraße fortsetzen.

Dort warten die Zuschauer. Manche richten sich für Stunden ein. So wühlt ein Besucher in seiner großen Plastiktüte, aus der er schließlich zwei Flaschen Bier nimmt. Eine will er seinem Nachbarn reichen. Der winkt ab. „Bin mit dem Fahrrad da.“

Nach und nach treffen weitere Leute ein, die den Aufbau der Brücke beobachten wollen. Ein Mann begrüßt einen Freund: „Ich hab extra einen Platz für dich freigehalten, macht fünf Euro.“

Vielleicht könnten die Bauarbeiter wirklich Eintritt nehmen. So gespannt verfolgen die Spremberger das Spektakel. Auch für den Chef der PML Leichtbau GmbH handelt es sich nicht um eine alltägliche Aufgabe. In der Produktionshalle seiner Firma in Singen wurde die Brücke komplett gebaut und mit einem Rostschutz durch elektrolytische Oxidation versehen, wie er erläutert.

Ein 400 Tonnen schwerer Kran entlädt die Teile. Die Bauarbeiter schrauben sie in der Wendenstraße an der Spree zusammen.

Danach kontrolliert der Kran das Gewicht der Brücke. Die Bodenplatten werden verschraubt und verschweißt. In zwei Wochen kommt eine Beschichtung auf die Platten, die dafür sorgt, dass die Oberfläche rutschfest bleibt. Schließlich erhält die Brücke ein Geländer.

Geschäftsführer Frank Groß spricht von einem „besonderen Projekt“. Zwar gelte Aluminium als teurer Werkstoff. Doch bezogen auf das Tragwerk entstehen nach den Worten des Fachmanns keine Wartungskosten. „Das besteht die nächsten 100 Jahre“, sagt er. „Da wird nichts passieren.“ Stahl, Holz und Beton müsse hingegen permanent nachbearbeitet werden.

Rudolf Illner aus Spremberg zählt zu den Zuschauern, die den Aufbau der Brücke beobachten. „Ich freue mich, dass sie endlich fertig wird“, sagt er. „Wäre nur noch schön, wenn man künftig mit dem Auto drüber fahren könnte. Aber ich will nicht meckern.“