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Ausgrabung
Ein Wunder am Georgenberg

Mithilfe von Technik wurde der Koloss, der Obelisk, mit einem Gewicht von fast fünf Tonnen geborgen.
Mithilfe von Technik wurde der Koloss, der Obelisk, mit einem Gewicht von fast fünf Tonnen geborgen. FOTO: Arlt Martina
Spremberg. Der gesuchte Obelisk kam am Wochenende im Spremberger Stadtpark „zum Vorschein“. Von Martina Arlt

Wo befindet sich genau der Obelisk auf dem Georgenberg? Mit dieser Frage beschäftigten sich bereits seit mehr als zehn Jahren die Spremberger. Dem Georgenbergverein unter Leitung von Andreas Kottwitz ist es nun gelungen, diese Stelle zu orten. „Durch Archivrecherchen und Hinweise sind wir zur Erkenntnis gekommen, dass der Obelisk hier in der Nähe begraben sein muss. Das ließ uns natürlich keine Ruhe“, sagt Andreas Kottwitz, der den Vorsitz des 46-köpfigen Vereins inne hat.

Da es in den vergangenen Jahren nicht gelang, die genaue Lage des Obelisken festzustellen, ließ der Verein ein „Röntgenbild“ mittels Bodenradar erstellen. Georadar machte es möglich, den Stein zu orten. Die Untersuchungen ergaben, dass sich der Obelisk am äußersten Ende des Stadtparkes befinden muss. 2016 war es dann gelungen, den Sockel und Einzelteile zu lokalisieren. Ein Obelisk ist ein freistehender hoher, sich nach oben verjüngender Steinpfeiler, der eine pyramidenförmige Spitze hat.

Nun war am Samstag in Spremberg der Tag gekommen, als dieser Stein ans Tageslicht kam. Kälte und Schnee brachten die Spremberger von ihrem Vorhaben nicht ab. 15 Leute zogen mit Schippen, Spaten und Spitzhacken durch den Stadtpark, bis hin zum Westende des Georgenberges. Dort befand sich in den letzten Jahren ein Ausblick mit Sicht auf einen Teil der Stadt Spremberg. Besonders zu Silvester pilgerten die Einwohner gern hierher, um das Feuerwerk zu betrachten.

An diesem Aussichtspunkt wurden nun am Wochenende die Betonplatten entfernt und es wurde mehrere Stunden geschippt. Handschachtung war vorgeschrieben, denn dieses Areal ist denkmalgeschützt. Doch man war skeptisch, ob der Boden nicht gefroren sei. Nachdem die Mitglieder des Georgenbergvereins und fleißige Helfer feststellten, dass der Boden locker war, konnte die Ausgrabungsaktion beginnen. Es glich schon einer Sensation. Als der Stein zum Vorschein kam, waren alle positiv überrascht, wie gut erhalten er war. Der Aufwand hat sich gelohnt. Zum Teil war eine leichte Goldschrift der Namen zu erkennen.

Dieser Granitobelisk befand sich seit 1872 am Westende des Georgenberges, der an die gefallenen Spremberger im deutsch-französischen Krieg 1870/71 erinnerte. Der Obelisk trug 172 Namen von gefallenen Sprembergern und Angehörigen des örtlichen Füsilierbataillons.

Die Errichtung wurde vollständig aus Spenden von Spremberger Bürgern und Vereinen finanziert. Dieses Denkmal war durch ein Metallgitter umzäunt. Den gesamten Ausblick trennte ein massiver Holzzaun vom Hang. Der Obelisk und Ausblick waren vor der Errichtung des Bismarckturmes das eigentliche Wahrzeichen des Georgenberges und ein sehr beliebter Ausflugsort von Bürgern der Stadt und des Umlandes. Durch die brandenburgische Landeskonservation wurde dem Obelisken samt Ausblick ein herausgehobener denkmalpflegerischer Wert bescheinigt.

1946 wurde der Obelisk im Auftrag des Landkreises beseitigt und gemäß einem Protokoll, das dem Verein zur Neugestaltung des Georgenbergfriedhofes vorliegt, „an Ort und Stelle vergraben“. Es erfolgte eine Aufschüttung, um den Fuß des Obelisken zu verbergen, danach die Bedeckung mit losen Betonplatten und die Errichtung der Mauer.

Auf Initiative des Georgenbergvereins in Zusammenarbeit mit dem Niederlausitzer Heidemuseum sowie der Denkmalpflege des Landkreises und der Friedhofsverwaltung der Stadt Spremberg ist es nun gelungen, diesen Koloss mit fast fünf Tonnen am Samstag zu bergen. Neben dem Obelisk waren noch weitere Teilstücke vergraben, die dann in der Gesamtheit aufgestellt werden sollen. Schwere Technik der Firma Börner musste anrücken. Mitarbeiter Steffen Möller hatte gerade offiziell Feierabend, als ihn diese Nachricht erreichte. So schrubbte er für die Bergung des Steines Überstunden. Die Betonteile werden vom Spremberger Steinmetz restauriert.

„So viel kann ich schon sagen: Die Finanzierung zur Restaurierung der Steinelemente ist durch den Georgenbergverein gesichert“, so Andreas Kottwitz. „Unser Ziel ist es, den Obelisk in voller Größe an diesem Standort wieder aufzustellen. Wir möchten unter Wiederherstellung des möglichst ursprünglichen Zustandes von 1872 den Ausblick sanieren und umgestalten. Betonplatten und die Mauer sollen entfernt werden. Auch ein massiver Holzzaun soll an diesem Standort wieder entstehen. Es ist wie ein Wunder, was wir heute hier nach dieser langen Zeit geborgen haben.“