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| 01:09 Uhr

Ein Tucktuck, damit Nicksen leben kann

Sri Lanka / Spremberg.. Viele wollen angesichts der verheerenden Folgen der Seebebenkatastrophe in Südasien helfen. Auch Familie Haberer aus Spremberg, die aus gutem Grund versucht, in einem bestimmten Fall durch Spenden ganz direkt zu helfen. Carola Haberer schreibt:


Kurz, nachdem am 26. Dezember 2004 der Tsunami mit furchtbaren Verwüstungen über Südostasien herein gebrochen war, spendete auch meine Familie an zwei große Hilfsorganisationen Geld. Uns beschäftigte aber besonders, was mit Nicksen, einem freundlichen jungen Mann aus Sri Lanka, und seiner Familie geschehen ist. Unsere Gedanken waren in dieser Zeit oft bei ihm.
1999 lernten wir ihn und seine Familie bei unserem Urlaub in Sri Lanka kennen. Er bot sich als Touristenführer vor einem Hotel an und zeigte uns einiges von Sri Lanka und wie er und seine Familie leben. Wir haben herzliche Gastfreundschaft kennen gelernt. Noch einige Zeit später tauschten wir Post aus, und hin und wieder schickten wir ihm verschiedene Dinge.
Am 18. Januar bekam ich einen Anruf aus Sri Lanka - am anderen Ende war Nicksen. Er spricht deutsch und konnte uns erzählen, wie es ihm und seiner Familie ergangen ist. Seit einem Jahr ist er verheiratet und wohnt im Haus seiner Frau. Die riesigen Wellen hätten ihn ergriffen, als er im Badeort Beruwela, wo er arbeitet, war, berichtete er. Dass er sich im letzten Moment entschloss, auf einen Baum zu klettern und es dort schaffte, etwa eine Viertelstunde auszuhalten, während die Wassermassen vorbeitosten, habe ihm schließlich das Leben gerettet. Viele tausend anderer Menschen starben bei dem Tsunami.
Auch Nicksen hatte große Angst um seine Familie, aber zum Glück war niemand von seinen Angehörigen ums Leben gekommen. Im Tempel, wohin sich auch Nicksens hochschwangere Frau gerettet hatte, waren sie erst einmal in Sicherheit gewesen. Am 1. Januar diesen Jahres - nur wenige Tage nach der schrecklichen Naturkatastrophe - wurde Nicksen zum ersten Mal Vater. Seine Frau Prashangika schenkte einem kleinen Jungen das Leben. Er heißt Pasindu Lakshith Kumara Silva.
Wir waren froh, zu hören, dass Nicksen und seine Familie den Tsunami überlebt haben. Doch die Verwüstungen in der Küstenregion sind groß. Die am Strand gelegenen Hotels seien geschlossen, berichtete Nicksen. Dass das Wasser eineinhalb hoch Meter auch in seinem Haus stand und manches von der Einrichtung weggespült wurde, sei für ihn gar nicht das größte Problem. Schlimmer sei, dass er jetzt keine Möglichkeit mehr habe, etwas zu verdienen, um seine Familie zu ernähren. „Weil alle Gäste weggeflogen sind“ , erklärt er. Es sei eine sehr schwere Zeit, weil er nicht wisse, wie er seinen Lebensunterhalt bestreiten soll.
Nicksen sagt auch, dass es Leute in seinem Land gebe, die vorgeben, alles verloren zu haben, obwohl das nicht in jedem Fall stimme. Und er ärgert sich darüber: „Ich will kein Geld am Tsunami verdienen. Die Touristen kommen irgendwann wieder und sehen, dass das gelogen war, und dann ist die Freundschaft weg.“ Um leben und arbeiten zu können, hat Nicksen nun die Idee, sich ein Tucktuck - ein landestypisches dreirädriges motorisiertes Fahrzeug - zu kaufen, womit er Auftragsfahrten machen kann, um damit seinen Lebens unterhalt zu sichern. Deshalb bat er sehr höflich, dass wir ihn unterstützen, so gut wir eben können. Ein Tucktuck kostet neu ungefähr 2500 Euro - sehr viel Geld - auch für uns. Vielleicht gibt es aber auch ein gebrauchtes Fahrzug zu kaufen.
Für unsere Familie steht fest: Wir werden Nicksen direkt unterstützen, und zwar mit 280 Euro. Auch für uns ist das viel Geld, aber für Nicksens Traum noch zu wenig. Außerdem glauben wir, dass Nicksens Familie vom großen Spenden-Kuchen nichts abbekommen wird, weil man für ausbleibende Touristen nicht entschädigt werden kann. Wir bitten jeden, der es sich leisten kann und noch zu schätzen weiß, wie viel besser wir es hier in Deutschland - trotz aller sozialer Probleme - haben, Geld zu spenden, für dessen zielgerichteten Einsatz wir persönlich garantieren. Wer Nicksen und seiner Familie helfen kann und möchte, kann mit uns in Kontakt treten, wochentags bis 8.30 Uhr und ab 18 Uhr unter der Telefonnummer (03563) 9 31 93. Ich danke jedem herzlichst, der schon für diesen Zweck gespendet hat, so auch dem Stab der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch. Am Freitag, dem 28. Januar, werde ich per Auslandsüberweisung das gesamte bis dahin gesammelte Geld an Nicksen schicken.