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| 13:26 Uhr

Terpe
Ein Stückchen Oberlausitz in Spremberg

Terpe. Warum Terpe eigentlich zur Hoyerswerdaer Region gehört. Am 27. September 2018 jährt sich Eingemeindung nach Spremberg zum 20. Mal.

Terpe ist ein Stadtteil von Spremberg. Damit sollte der Ort, ebenso wie die Kernstadt, zur Niederlausitz gehören. Das mag zwar heutzutage administrativ korrekt sein, doch eigentlich haben die Terpschen mit der Oberlausitz mehr Gemeinsamkeiten als gedacht. Tatsächlich verläuft die Grenze zwischen den Lausitzen sowie zwischen Brandenburg und Sachsen direkt am südwestlichen Ortsrand von Terpe entlang. Das Oberlausitzer Dorf Sabrodt ist nur einen Steinwurf weit entfernt.

Bereits im 17. Jahrhundert, so ist es in den Chroniken vermerkt, bildete Terpe, damals „Terppe“ geschrieben, einen Gutsbezirk. Dessen Besitzer, drei Brüder, sollen „berüchtigte Raubritter“ gewesen sein, wie die Hoyerswerdsche Kullmann-Chronik aus dem Jahr 1852 anmerkt. Selbst eine Verbindung zur Spremberger Lauermann-Bande wird erwähnt. Aus jener Zeit resultiert auch die Sage, dass in Terpe noch große Schätze in Form „mehrerer Brau­pfannen Geldes“ zu heben seien. Fakt ist jedenfalls, dass zum Terpschen Gutsbezirk auch die benachbarten Orte Sabrodt und Bluno gehörten, die zur Oberlausitz gerechnet werden. Terpe gehörte bis 1815 zum Kreis Hoyerswerda, dessen Gebiet einstmals zur Standesherrschaft Hoyerswerda zählte.

Nach den Freiheitskriegen, die anno 1815 im Zuge des Wiener Kongresses endeten, wurde das Dorf dem neuen Landkreis Spremberg-Hoyerswerda zugeordnet, der einen Teil Preußens bildete. Dieses Gebilde umfasste im Wesentlichen die alte Herrschaft Hoyerswerda sowie das frühere Amt Spremberg. Keine zehn Jahre später erfolgte die Teilung des neuen Kreises. Der Südteil wurde zum Kreis Hoyerswerda, der Nordteil zum Kreis Spremberg. In diesem Zuge kamen die Terpschen auch administrativ nach Spremberg. Bluno und Sabrodt verblieben dagegen bei Hoyerswerda. Der Verwaltungssitz des Kreises Spremberg-Hoyerswerda hatte sich in der Elsterstadt befunden.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts unterschieden sich die Entfernungen von Terpe nach Spremberg sowie nach Hoyerswerda nicht allzu stark. Erst mit dem Aufschluss des Tagebaus Spreetal wurde der Weg in die frühere Kreisstadt wesentlich länger.

Noch in den 1920er-Jahren gab es in Terpe einen Ober- und einen Niederlausitzer Anteil. So hat es Heimatforscher Kurt Marten in seiner „Gesamtgeschichte des Kreises Spremberg“ (1924 erschienen) aufgeschrieben. Zur Oberlausitz zählten demzufolge das ehemalige herrschaftliche Vorwerk, zwölf Halbhüfner sowie das „Terpper-Holz“. Der Niederlausitzer Anteil wiederum bestand damals aus 32 Halbhüfnern, einem „Braukrug“ mit Schankwirtschaft sowie weiteren Gehöften. Auch der einstige Gasthof „Zur Schwarzen Pumpe“, die Keimzelle des späteren Ortes, gehörte einst zu den Terpschen Fluren.

Der heutige Spremberger Ortsteil ist das einzige Dorf in Brandenburg, das zum Hoyerswerdaer sorbischen Trachtengebiet gerechnet wird. Der Ethnograf Arnost Muka hatte Ende des 19. Jahrhunderts in Terpe einen sorbischen Anteil von 96 Prozent unter den damals 545 Einwohnern festgestellt. In den 1950er-Jahren wurden durch den Wissenschaftler Arnost Cernik immerhin noch 55 sorbische Trachtenträgerinnen gezählt. Etwas ganz Besonderes war die Terpsche Hochzeitstracht. Diese soll in der Hoyerswerdaer Region einzigartig gewesen sein, schreibt der Forscher Dr. Lotar Balke. Ähnlichkeiten zur benachbarten Spremberger Trachten waren jedoch unübersehbar.

Die Sprache war in Terpe, im Gegensatz zu Bluno und Sabrodt, nach Angaben von Balke durch ein fast reines Niedersorbisch geprägt. Inzwischen leben im Dorf so gut wie keine Muttersprachler mehr. Immerhin existieren Bestrebungen, die sorbische Tracht der Terpschen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dabei gibt es Unterstützung aus dem benachbarten Sabrodt. Zwischen diesen beiden Orten existieren ohnehin zahllose freundschaftliche und familiäre Verbindungen. Legendär waren die bislang zwei Wettkämpfe im Tauziehen direkt an der Landesgrenze. Dabei hatten jedes Mal die Sabrodter die Nasen vorn.

Übrigens: Am 27. September 2018 jährt sich die Eingemeindung vom Terpe nach Spremberg zum 20. Mal. Solange gibt es also schon ein Stückchen Oberlausitz in der „Perle der Lausitz“.

(amz)