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| 01:27 Uhr

„Ein Stück Lebensarbeit“ kaputt

Spremberg.. Horst Ring lebt als Grafiker und Maler in Cottbus. Dass der 67-Jährige im Spremberger Ausschuss für Bildung, Kultur, Sport und Soziales saß und eifrig zeichnete, hatte einen traurigen Grund. Mit dem Abriss des Westgiebels des Arbeiterwohnheims (AWH) verschwand sein Kunstwerk. Annett Igel

Während das Emaille-Werk von Georgios Wlachopulos vom Ostgiebel im Bauhof zwischengelagert werden konnte, wurde Rings gepflügter Acker zerstört.
Im Jahr 1978 sei er beauftragt worden, die Wand zu gestalten - das Werk sollte zum Bauernmarkt passen, für den der Platz zwischen AWH und Rathaus gedacht war. 28 Jahre später erfuhr er von dem Architektur-Wettbewerb um das Spremberger Arbeiterwohnheim. Ring habe sein Werk besucht und sich gefreut, dass es noch so gut erhalten war. Die Schmierereien hätten beseitigt werden können. Er sprach mit dem Bürgermeister, mit der Justiziarin, ging zum Architekten Uwe Wittig, der den AWH-Umbau plante. Lediglich von Wittig habe er sich verstanden gefühlt. Das Werk war nicht zu retten, aber der Architekt habe sich vorstellen können, als eine Wiedergutmachung Tafelbilder von Horst Ring ins Innere des neuen Bürgerzentrums zu hängen.
„Auch wenn andere Künstler in solchen Fällen prozessieren - ich will keinen Prozess“ , sagte Horst Ring. Auch in Cottbus hatten Werke von ihm weichen müssen, und oft erfahre er nur zufällig davon. Wie beim Hochzeitsbitterstab in Cottbus-Schmellwitz. Auch der Mosaik-Krebs an der Görlitzer Straße in Cottbus konnte nicht gerettet werden - aber die Gebäudewirtschaft hat bei Horst Ring dann einen neuen Krebs in Auftrag gegeben. Und im Falle seines Spremberger Werkes? „Es ist ein Stück Lebenswerk“ , sagte er.
„Wir können uns eigentlich nur alle bei Ihnen entschuldigen“ , erklärte die Abgeordnete Dr. Ilona Schulz (Die Linke). Sie habe geglaubt, dass beide Kunstwerke an den AWH-Giebeln erhalten würden. Die Ausschussvorsitzende Birgit Wöllert (Die Linke) schlug vor, das Problem auch im Bauausschuss zu diskutieren und das Thema „Kunst am Bau“ generell zu behandeln. Das begrüßte auch der sachkundige Einwohner Dr. Gert Heinicke, denn „es ist nicht zu viel an Kunst in der Stadt“ . Für Kunst an der neuen Fassade - ein Vorschlag Frank Meisels (CDU) - sahen die Ausschussmitglieder keinen Platz. Aber vielleicht biete sich im Bürgergarten, an der Mauer oder im Haus eine Möglichkeit, Horst Ring zu bedenken und zu entlohnen. Der Künstler verließ den Ausschuss mit Hoffnung und hatte Kataloge dagelassen.