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Ein Kriegsausschuss für warme Unterkleidung

Spremberg. Was Harri Piel beim Blättern in den Ausgaben des "Spremberger Anzeiger" in der Zeit vom 12. bis 18. April des Jahres 1915 entdeckt hat, berichtet er hier: Harri Piel

In dieser Woche gingen einige verspätete Ostermeldungen ein. Ob das an dem fehlenden Internet lag oder ob die Redaktion keine anderen interessanten Themen hatte, müssen wir dahingestellt lassen. Es waren jedenfalls in erster Linie militärische Dinge. Etwa so: "Verspäteter Ostergruß aus dem Felde. Einen freundlichen Ostergruß aus Nordpolen sendet allen lieben Sprembergern Wehrmann Richard Jakubaschk." Es wimmelt von Meldungen über Beförderungen und Auszeichnungen der Kriegsteilnehmer aus unserer Stadt. Ein ergreifendes Epos mit dem Titel "Siegeslied der 52er. (Mel.: Wie ein stolzer Adler)" von "Untffz. Schütte 2. Ers. =Bat. L=I=Reg. 52." ersonnen, gab es auch.

"Wie moderne Kriege geführt werden", erfahren wir dann in einem längeren Beitrag. Uns wird dabei eine bayerische "fahrbare Felddruckerei" beschrieben - besonders deren Technik und Organisation. Sie war in drei Eisenbahnwaggons untergebracht und konnte bis zu 1000 Landkarten pro Stunde drucken. Darauf folgte eine "Raffinierte Methoden der Schützengrabenstellungen." Es ging dabei um den Einsatz von Strom zur Fernzündung von Minen. Summa summarum: "(. . .) man weiß, daß es ein Krieg der Wissenschaft und Organisation geworden ist."

Sicherlich wird deshalb auch immer wieder die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit Lebensmitteln aufgerufen und mit entsprechenden Vorschriften kriegsgemäß bombardiert. In dieser Woche betraf es: das eingeschränkte Verfüttern von Getreide an Geflügel, die Verwendung von Bierhefe als Viehfutter, eine Sonder-Schweinezählung, das Fangen wilder Kaninchen, die Einrichtung einer Reichsstelle für die Kartoffelversorgung, keine Verschwendung von Saatgut, Brotkarten-Regularien, Hundesteuern und einen Kriegsausschuss für warme Unterkleidung.

Schuldig sind wir Ihnen noch den Bericht von der "Bismarck=Feier". Da diese am 10. April, also mit neuntägiger Verspätung, stattfand, war der Bericht darüber erst am Montag, dem 12. April, im Spremberger Stadtanzeiger zu lesen. "Ernst und würdig, wie es die Zeitverhältnisse verlangten, aber doch ein stolzes Bekenntnis ungebrochener deutscher Kraft, ehernen Siegeswillens und erhebender Zuversicht war die Bismarck=Gedenkfeier, die Sonnabend unter zahlreicher Beteiligung im Gesellschaftshause stattfand." Mit Gesang, Kaiserhoch, begeisternden Festreden, Treueschwüren auf den Kaiser und alles Deutsche wurde nicht gespart. Das sind eben Dinge, mit denen wir heute nichts mehr anzufangen wissen. Es reicht auch so.

Sieben Tote, zwölf Verwundete und einen Vermissten hatten wir in dieser Woche im Kreis Spremberg. ("Auszug aus den Verlustlisten der deutschen Armee")

In einem redaktionellen Beitrag wurde dann folgerichtig gefragt: "Wann werden Vermißte für tot erklärt?" Natürlich beantwortete Meister Saebisch die Frage umgehend. Nach §§13 bis 17 des Bürgerlichen Gesetzbuches kann jemand in Friedenszeiten für tot erklärt werden, "von dessen Leben seit 10 Jahren keine Nachricht eingetroffen ist." Bei Seefahrern, deren Schiff gesunken war und bei "Angehörigen einer bewaffneten Macht" sind die Zeiten wesentlich kürzer. Bei Letzteren sind es drei Jahre nach Friedensschluss. Eine besorgte Frage bleibt: Gilt das alles heute noch?