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Ein filmverliebter Maler kommt

Ulrich Meißner (l.) vom Lausitziale-Verein holt den Maler und Filmemacher Frank Otto Sperlich nach Spremberg:
Ulrich Meißner (l.) vom Lausitziale-Verein holt den Maler und Filmemacher Frank Otto Sperlich nach Spremberg: FOTO: ani
Spremberg. Grün und schwarz und blau brausen die Wellen, die Gischt kann fliegen, die rote Sonne flimmert. Der Maler und Zeichner Frank Otto Sperlich hält Bewegung nicht fest, sondern er kann die Bewegung in Bewegung halten. Annett Igel-Allzeit

Lange lassen sich deshalb seine Malereien betrachten, sie werden nicht langweilig. Ist er deshalb auch Filmemacher? Mit Gemälden und zwei Filmen will der Spremberger Regisseur Ulrich Meißner mit dem Wahl-Rügener Sperlich am Samstag im Kulturschloss ins Gespräch kommen und damit die Lausitziale 2017, das Heimatfilmfestival, nach der Sommerpause wieder auf Touren bringen.

Seit 2013 hat sich die Lausitziale immer wieder neuen Themen gestellt: "Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft der Lausitz", "Arbeit, Leben, Zukunft", Stadt, Land, Fluss", "Wandel und Veränderung". "Jetzt ist ein Jahr zum Durchatmen. Schließlich sind wir Filmliebhaber", erklärt Ulrich Meißner, Mitbegründer der Lausitziale.

Unter dem Motto "Liebe, Film, Filmliebe" hatte Holger Fahrland, Vorsitzender des Lausitziale-Teams, die fünfte Tour im Frühjahr eröffnet. Der Kameramann Andreas Köfer, Leiter der Filmschule der Lausitziale, arbeitet wieder regelmäßig mit Gymnasiasten an Filmen. Gemeinsam mit seinem Vater Herbert Köfer hatte er im April den Defa-Film "Rabenvater" präsentiert.

Nun holt Meißner mit Sperlich den nächsten Kameramann nach Spremberg. Sie kennen sich aus Hochschulzeiten. Und sie begegneten sich immer wieder bei Drehs und Festivals. Und sie schufen mit, was heute in Anekdoten weitererzählt wird. Was Sperlich erlebt hat, will Meißner am Samstag ein wenig aus ihm herauskitzeln. Was Meißner selbst mit "Born to Rock", den Ostrockfestivals und "Elf99", der Jugendsendung des DDR-Fernsehens, und Bruce Springsteen erlebte, erzählt der Spremberger, wenn man ihn antippt. Aber er ist noch nicht fertig mit dem Fernsehen, kümmert sich als Regisseur beim MDR um Sendungen wie "Brisant", "MDR um 2" und "MDR um vier". "Fernsehen ist meine Arbeit, Film ist mein Hobby", sagt er. So fehlte ihm bisher die Zeit, Frank Otto Sperlich auf Rügen zu besuchen. Am Samstag will der Maler-Kameramann zehn Bilder mit nach Spremberg bringen. Meißner ist gespannt: "Er hat auch Erotisches gemalt." Ob er zuerst Maler war und dann Kameramann wurde, das müsste man ihn am Samstag fragen. "Man beginnt ja schon als Kind mit dem Zeichnen. Frank Otto Sperlich fiel auf, weil er an seiner Kamera stand und mal schnell Szenen oder Schauspieler skizzierte", so erinnert sich Ulrich Meißner.

Das Meer malt Sperlich, der aus Zittau stammt. Porträtieren kann er mit wenigen Strichen. Lustige und lustvolle Szene wirft er dabei ineinander. Aber auch das Thema Babi Jar - das Massaker an über 33 000 Juden in Kiew - lässt ihn nicht wieder los.

Zur Lausitziale-Veranstaltung, ihrem Gespräch "Von Lust und Laster" bringen Ulrich Meißner und Frank Otto Sperlich zwei Filme mit, die die Sexualität und Sittengeschichte im 20. Jahrhundert beleuchten. Der erste Film dreht sich um die Entwicklungen im Kaiserreich bis in die 1930er-Jahre, der zweite Film führt in die DDR - schließlich beneideten die Wessis die Ossis nicht nur um ihre FKK-Strände. Apropos Neid. "Ich beneide meine Kollegen, die stetig ihren Weg gehen, die gesucht haben und fündig geworden sind, einen Stil gefunden haben, eine Handschrift, ein großes Thema. Sie können bei sich sein …", erklärt Sperlich in seinem Katalog im Jahr 2016. Dabei will er doch gar nicht ankommen, nicht finden. Ulrich Meißner ist gespannt auf den Samstagabend im Spremberg Kulturschloss.

Zum Thema:
Die Lausitziale-Veranstaltung "Von Lust und Laster" mit dem Filmregisseur Ulrich Meißner sowie dem Kameramann und Maler Frank Otto Sperlich beginnt am Samstag, 23. September, um 19 Uhr im Spremberger Kulturschloss Spree-Neiße. Aber es lohnt sich durchaus, etwas eher zu kommen, um sich auf die Bilder, die Sperlich mitbringt und die auch erworben werden können, einlassen zu können. Im Vorverkauf in der Touristinformation am Markt kosten die Karten 7,50 Euro, an der Abendkasse 10 Euro.