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Spremberg
Ein Dorf ist aktiv

Die RUNDSCHAU in Wadelsdorf: Schnell konnte Redakteur René Wappler Experten und Dorfbewohner miteinander ins Gespräch bringen.
Die RUNDSCHAU in Wadelsdorf: Schnell konnte Redakteur René Wappler Experten und Dorfbewohner miteinander ins Gespräch bringen. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Wadelsdorf. Fit bis ins hohe Alter? Zum Sportkurs in Spremberg fehlt Wadelsdorfern die Busverbindung. Sie eilen zum Friedhof, dort hat das Handy Empfang.

Wer beim Thema „Fit bis ins hohe Alter“ gehofft hatte, ins Schwitzen zu kommen, der wurde am Donnerstag zur Veranstaltungsreihe „RUNDSCHAU vor Ort“ in Wadelsdorf enttäuscht. Nicht eine einzige Stuhlgymnastik-Übung war zu sehen. Stattdessen diskutierten die Wadelsdorfer sowie  Gäste aus Bloischdorf mit Sabine Baumgarten, Seniorenheim-Chefin, Sabine Rackel, Leiterin der Freiwilligenagentur Spremberg, und Marina Jazosch vom Organisationsteam der Wadelsdorfer Seniorengruppe, was das Leben im Dorf vom Altwerden in der Stadt unterscheidet.

Von einstigen Pfründen ist Wadelsdorf, wie Wolfgang Jazosch bestätigt, nur noch eines geblieben: der Kindergarten. Die Knirpse treten zur Ü 60-Weihnachtsfeier auf. Die Grundschule nebenan aber ist geschlossen, ein Fleischer- und ein Bäckerwagen können den Konsum nicht wirklich ersetzen. Und ob es wirklich gut war, das Amt Döbern-Land zu verlassen und als Ortsteil in die Stadt Spremberg zu wechseln, darüber sind sich die Wadelsdorfer noch nicht einig.

Wenn die Seniorengruppe sich im Gemeindebüro trifft oder 14-tägig im Sportraum der ehemaligen Schule etwas für die Fitness getan wird, kostet das Nutzungsgebühren. „Früher hatten wir das umsonst. Es war kein Problem, sich noch zum Häkeln zu treffen“, erzählt Kathrin Handschag. Gerd Piater, der Ortsvorsteher, weiß aber: „Auch Döbern-Land kann solche Räume nicht mehr ohne Nutzungsgebühren überlassen.“

Die Wadelsdorfer ärgern die Busverbindungen und Rufbusse. An guten Tagen – den Schultagen – kommen sie früh problemlos nach Spremberg, mittags und nachmittags geht es hin und zurück. Aber nach 19 Uhr fährt nichts mehr. Das Auto und die Kinder sind für die Alten wichtig. Eine Senioren-WG gibt es noch nicht, aber Nachbarschaftshilfe.

Barbara Matthias aus Bloischdorf will das alles nicht so schwarz malen. „Wir sind im Dorf aktiv“, erklärt sie, die den Pinokkio-Hof in Bloischdorf betreibt. Sie liebt die Dorffeste und glaubt, dass eines Tages wieder mehr junge Leute nach Wadelsdorf ziehen: „Weil Wohnraum hier bezahlbar ist.“

Aktiv bis ins Alter müssen viele Wadelsdorfer ohnehin sein, wenn sie im Dorf bleiben möchten. Eine 88-Jährige aus Wadelsdorf Ausbau, so erzählen die Einwohner,  komme, wenn sie in Spremberg einkaufen möchte, erst mit dem Fahrrad nach Wadelsdorf, steigt dann in den Bus, und klettert nach der Rückkehr mit den Einkäufen wieder aufs Rad. Ein über 80 Jahre alter Mann zuckele regelmäßig durch den Wald nach Klein Loitz, um sich dort Wurst zu kaufen.

Auch Tiere, die viele noch haben, halten fit. Mit einem Augenzwinkern erzählt Wolfgang Jazosch, dass ihn auch sein Handy auf Trab halte, am Friedhof habe er den besten Empfang. Aber lustig sei so ein schlechtes Funknetz nicht wirklich. Ohne schnelles Internet, ohne Arbeitsplätze in der Region komme keine junge Familie zurück. Marina Jazosch hat die Runde trotz der Sorgen Mut gemacht. „So miteinander sprechen, das sollten wir wieder öfter tun.“