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| 18:54 Uhr

Spremberg
Ein Brief aus Mosambik

Es gibt viele herzliche Erinnerungen: Hildegard Adam (l.) und Stefanie Kallnik blättern in den Briefen und Fotos vom Zentrum für Mädchen in Not.
Es gibt viele herzliche Erinnerungen: Hildegard Adam (l.) und Stefanie Kallnik blättern in den Briefen und Fotos vom Zentrum für Mädchen in Not. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg . Spremberger Arbeitskreis begleitet jetzt den Bau eines Gewächshauses in Maputo.

Die Sprembergerin Hildegard Adam streicht einen Brief glatt. Aus Mosambik ist er gekommen. Die Leiterin des Zentrums für Mädchen in Not in Maputo hat geschrieben, dass die Spenden aus Spremberg helfen, das Gewächshaus zu bauen und einen Berater zu bezahlen. Der soll den Kindern und Frauen zeigen, wie sie Gemüse im Gewächshaus anbauen. Tomaten, Paprika, Gurken – das Zentrum für Mädchen in Not versorgt sich selbst. Waisenkinder, Mädchen bitterarmer Eltern oder von der Straße leben im Zentrum, lernen lesen und schreiben. Zudem wird ein Nähkurs für Frauen der Umgebung angeboten. Stefanie Kallnik und Claudia Urban schauen sich die Fotos zum Brief an.

Mehr als 30 Jahre gibt es in Spremberg den Arbeitskreis Mosambik der evangelischen Kirchengemeinden. Hildegard Adam hat ihn mit gegründet, Stefanie Kallnik und Claudia Urban kamen kurz nach der Gründung dazu. Der Bürgerkrieg in Mosambik (1977 - 1992)  wollte nicht enden. Die Spremberger verschickten Kinderkleidung an den Nationalen Christenrat von Mosambik. „Für Kriegswaisenkinder“ stand auf den Paketen.

Zugleich suchten sie Kontakt zu den 29 Mosambikanern, die 1987 in einem Bus angekommen waren, um als Gastarbeiter im Sprela-Werk zu arbeiten. Der Staatsvertrag zwischen Mosambik und der DDR galt seit 1979. Mehr als 15 000 Mosambikaner kamen als Vertragsarbeiter in die DDR. Dass die DDR-Büger Kontakt zu ihnen aufnahmen, war nicht so erwünscht. Hildegard Adam erinnert sich an das erste Gespräch. „Unter den 29 Gastarbeitern waren drei junge Frauen. Ich haben sie gefragt, ob sie auch Christinnen sind.“ Bald kochten sie gemeinsam, die jungen Menschen wurden zu den Festtagen eingeladen. „Wir haben ihnen das Schweißen und das Stricken beigebracht“, erzählt Hildegard Adam.

Nach der Wende mussten die Mosambikaner zurück nach Afrika. „Wir haben erst nicht verstanden, warum  sie in dieser Zeit so viel geruht und gelegen haben. Aber sie hatten nur noch wenig zu essen, wollten ihren Energiebedarf gering halten“, erinnern sich Hildegard Adam und Stefanie Kallnik. Nach der Ausreise blieben die Kontakte zu Einzelnen. Zum Beispiel zu Timoteo, der nach der Rückkehr durch einen Unfall in Mosambik erblindete. Der Spremberger Arbeitskreis knüpfte Kontakte zur Christoffel-Blindenmission. So bekam Timoteo die Blindenschreibmaschine, Blindenstock und Blindenschriftpapier. Und als sie eine der einstigen Gastarbeiterinnen zum Schulanfang ihres Kindes eingeladen hatte, nahm Hildegard Adam die 14 Flugstunden auf sich. „Nach meiner Rückkehr fragte mich Pfarrer Werdin, ob ich gewusst habe, worauf ich mich da einlasse.“ Sie schüttelt noch heute den Kopf über sich.

1992 hatten die Spremberger mit dem Zentrum für Mädchen in Not  in Maputo ein Projekt bekommen, das sie seither unterstützen. Stoffe, Kinderkleidung, Brillen, Nähmaschinen, Nadeln und Garn sind schon  nach Maputo geflogen, zählt Claudia Urban auf. Als das Aluminiumwerk in der Nähe des Heims seine Zusage für die finanzielle Unterstützung der Mädchen nicht mehr halten konnte, sammelte der Spremberger Arbeitskreis 2000 US-Dollar für Nahrungsmittel. 10 600 Euro kamen für den Brunnen und zwei Wassertanks zusammen, für die Sanitäranlagen 7500 Euro. Die Errungenschaft „24 Stunden am Tag Wasser“ ist hier in Deutschland kaum zu begreifen. Vorher, so Stefanie Kallnik, mussten die Mädchen vorm Schulbeginn kilometerweit zur Wasserstelle laufen.  

Die Liste der Unterstützer des Arbeitskreises ist lang: Spremberger Kirchengemeinden, die Landeskirchliche Gemeinschaft, die Baptisten, die Kirchengemeinde Senftenberg, private Spender, Konfirmanden. Früher gab es Auktionen mit Markus Weiß und Aktionen zu Festen der Stadt für Mosambik, Die Weihnachtspäckchenaktion mit der Stadtapotheke gibt es noch immer und Kollekten in Gottesdiensten.

Doch die Mitgliederzahl schrumpft: Ilse Nevoigt, auf die sich der Arbeitskreis viele Jahre verlassen konnte, hat nicht mehr die Kraft, Claudia Urban und Stefanie Kallnik hoffen, dass Hildegard Adam noch lange  durchhält. Die 82-Jährige macht sich Sorgen: „Timoteo hat sich eine ganze Weile nicht mehr gemeldet. Vielleicht ist er krank.“