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Eidechse lockt Schlangenadler

Mit Sponsor Per Kadach und Gärtnermeister Markus Schulze haben die Kinder der Krankenhauskita eine Rotfichte in den Slamener Kuthen gepflanzt.
Mit Sponsor Per Kadach und Gärtnermeister Markus Schulze haben die Kinder der Krankenhauskita eine Rotfichte in den Slamener Kuthen gepflanzt. FOTO: ani
Spremberg. Eifrige Bienen vor der Lehrimkerei, die Nischen, in die sich Fledermäuse zurückziehen, Foto- und Filmaufnahmen der Wolfswelpen in der Slamener Heide – es gab viel zu bestaunen am 9. Spremberger Wasser- und Naturschutztag. Annett Igel-Allzeit

Lennert Piltz, der Tierfotograf, sagt, dass Kollegen ihn nicht nur um den Wiedehopf, sondern das ganze Naturparadies beneiden. Reinhard Reißmann benickt das schmunzelnd. Seit vielen Jahren begleitet er die Entwicklung des Ökosystems in der Bergbaufolgelandschaft Welzow-Süd. "Und es ist nicht ein Wunder", so Reißmann, "sondern es ist gesetzmäßig." Der Wissenschaftler sicherte am Samstag zum 9. Wasser- und Naturschutztag, organisiert vom Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband und dem Nabu-Regionalverband, den zweiten von vier Vorträgen.

Die Bergbaufolgelandschaft ist aufgeteilt: in 67 Prozent Wald, 19 Prozent Landwirtschaft, 11 Prozent Naturschutzflächen und drei Prozent Infrastruktur. Ist die Landschaft noch jung, sind die Rohböden mit ihren trockenen und nassen Bereichen weitgehend chemiefrei. Sechs bis sieben Jahre besteht sie so. Schnellbesiedler wie die Knoblauch- und die Kreuzkröten konnte Reißmann beobachten. Und weil die Gifte fehlen und nur eine Grunddüngung erfolgt, sind die jungen Pflanzen voller Insekten. Auf sie wartet der kleine Wiener Sandlaufkäfer, der in Deutschland nur noch im Osten und dort auf Truppenübungsplätzen, in Kiesgruben und Braunkohlenabbauflächen vorkommt. Auf dem Foto, das Reißmann zeigt, lassen junge Wiener Sandlaufkäfer im Sand noch ihren Chitinhintern aushärten. Auch die Luzerne auf den jungen landwirtschaftlichen Flächen sichert eine bunte Welt von Blütenbesuchern, der bald die Raupenjäger folgen. "Von 360 Vogelarten, die in Brandenburg vorkommen, sind 208 in der Bergbaufolgelandschaft nachgewiesen. Von den Libellen haben wir 59 von 69 in Brandenburg vorkommenden Arten", zählt Reißmann auf. Die 33 vorkommenden Heuschreckenarten schmecken mehreren Vogelarten. "Ganz wichtig sind auch die Stubbenhaufen", erklärt Reißmann.

Schon, wenn die Baumstümpfe in die Gebiete getragen werden, kommen Käfer wie der Hirschkäfer mit. Und die Findlingshaufen gefallen der Zauneidechse, die sich wiederum der Steinschmätzer gern schnappt und Welzow-Süd schon mal Raritäten wie den Schlangenadler beschert.

Fasziniert ist Reißmann vom echten Dünensand. "Er bewegt sich sogar. Hier lebt zum Beispiel der Sandohrwurm", erzählt Reißmann, während ein Foto den Sandohrwurm in seiner Drohgebärde präsentiert.

Die reifere Bergbaufolgelandschaft hat mit zehn bis 15 Jahren ihre maximale Besiedlung erreicht. Mit den Schmetterlingen hält Welzow-Süd die Artenzahl der brandenburgischen Population hoch. Der Große Feuerfalter - in Deutschland stark gefährdet - kommt hier vor.

Besonders intensiv beforscht wird der Neue Lugteich. Er wurde 2001 angelegt, führt seit 2002 Wasser und ist - im Sinne der Forschungen - kaum zugänglich. In diesem komplexen Biotopmosaik mit Düne, Feuchtheide, zeitweise überflutetem Landröhricht und anmoorigem See leben 50 bis 100 Arten mehr als im Umfeld, erklärt Reißmann. Für ihn ist die Bergbaufolgelandschaft ein Hotspot der Biodiversität. Sie zeige einerseits, wie eine Landschaft besiedelt wird, sich wandelt. Und sie sei anderseits Rückzugsgebiet und Ersatz für die flächendeckende Vergiftung der Böden und Wasser. Ein abruptes Ende des Bergbaus, so befürchtet Reißmann, wäre auch das Ende des Hotspots der Biodiversität. "Mit Augenmaß ist deshalb die Zukunft zu planen." Ein abruptes Ende des Braunkohlenbergbaus wolle inzwischen auch keiner mehr, erklärte Winfried Böhmer vom Aktionsbündnis Klare Spree dem Wissenschaftler.