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| 14:29 Uhr

Eiche bricht auseinander
Eiche bedroht Haus in Spremberg

Lutz Picard musste gemeinsam mit seiner Frau zu Nachbarn ziehen.
Lutz Picard musste gemeinsam mit seiner Frau zu Nachbarn ziehen. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Feuerwehr rät den Eigentümern zum Verlassen ihres Grundstücks am Schweizergarten.

Angst hat er, natürlich. Lutz Picard schaut vom Nachbargrundstück zu, wie die Fachleute der Firma Balkow die Äste der stattlichen Eiche abschneiden, einen nach dem anderen, immer mit System. Gemeinsam mit seiner Frau musste er am Sonntag das Haus verlassen. Feuerwehrleute hatten ihm dazu geraten. Sie befürchteten, der Baum könne auseinanderbrechen und das Gebäude unter sich begraben. „Die Naturgewalten lassen sich doch kaum berechnen“, sagt Lutz Picard. „Das sind ja im Ernstfall Tonnen, die da runterfallen.“

Die Eiche, die zwei Kronen ausgebildet hatte, riss am Wochenende plötzlich bis in den Stamm auf. Sie befindet sich auf dem Grundstück von Hans-Georg Voelker, dem Nachbarn der Picards, direkt am Zaun. „Am Sonntag entdeckten wir den Riss“, berichtet er. „Dann kamen die Feuerwehrleute, um den Baum mit Gurten zu sichern.“

Im Jahr 1974 hatte die Familie von Hans-Georg Voelker das Grundstück am Schweizergarten gekauft, einen Quadratmeter größer als geplant, damit der Baum dazu gehört. „Es ist schon traurig, dass er jetzt verschwindet“, sagt er. „Wir haben ihn immer schön gepflegt und verschneiden lassen.“

Doch der Baum lässt sich beim besten Willen nicht mehr retten. Das erklärt Doritha Drews, die im Rathaus die städtische Grünpflege betreut. „Die Eiche kann die Spannung nicht mehr halten“, erläutert sie. „Dazu trägt auch die lange Trockenphase dieses Sommers bei.“ So lasse die Saugspannung in den Zellen nach, was schließlich zum Bruch führe.

Ein großer Ast war in der vergangenen Woche auch an einer Weide abgebrochen, die am Schwanenteich steht. Dieses Phänomen werde künftig öfter auftreten, befürchtet Doritha Drews, die schon lange vor den möglichen Folgen eines Klimawandels warnt.

Nun widmen sich die Mitarbeiter der Firma Balkow aus Neuhausen der Eiche mit den zwei Kronen. Zum Glück weht nur ein lauer Wind. Denn eine andere Wetterlage hätte wohl schon dazu geführt, dass die Eiche ihren Halt völlig verliert und umkippt. Zuerst entlasten die Arbeiter mit Hilfe einer Hebebühne die Seite, die in die Straße hineinragt, indem sie die Äste abschneiden. Diese fallen in einen großen Container. Dann folgt der Bereich, auf dem der Baum in die Grundstücke ragt. So tragen die Spezialisten den Baum ab, Stück für Stück, bis in den Abend hinein.

Als ihnen Hans-Georg Voelker dabei zusieht, aus sicherer Entfernung, sagt er: „Ein Baum ist zugleich eine Gefahr und eine Schönheit.“ Die Feuerwehrleute haben nach seinen Worten großes Lob verdient, weil sie am Sonntag sofort reagierten und die Eiche absicherten, so gut es ihnen möglich war.

Lutz Picard und seine Frau sind derweil zwei Häuser weiter untergekommen, bei Familie Füller, die ihnen eine Unterkunft gewährt, bis der Baum abgetragen ist. „Wir mussten ja innerhalb weniger Minuten alles Wichtige zusammensuchen und dann unser Haus verlassen“, sagt Lutz Picard. „Ein Glück, dass wir so hilfsbereite Nachbarn haben.“

Fachleute der Firma Balkow tragen den Baum Stück für Stück ab.
Fachleute der Firma Balkow tragen den Baum Stück für Stück ab. FOTO: LR / René Wappler