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| 02:54 Uhr

Ehrenfriedhof wird neu gestaltet

Den Sowjetischen Ehrenfriedhof auf dem Spremberger Georgenberg wird es in dieser Form bald nicht mehr geben.
Den Sowjetischen Ehrenfriedhof auf dem Spremberger Georgenberg wird es in dieser Form bald nicht mehr geben. FOTO: Würz
Spremberg. Die Stadt Spremberg will noch in diesem Jahr mit der Neugestaltung der russischen Kriegsgräberstätte auf dem Georgenberg beginnen. Denn seit dem Sommer gibt es nun grünes Licht von der Landesdenkmalbehörde und von der Botschaft der Russischen Föderation für einen neuen Gestaltungsentwurf, der sich an die historische Friedhofsanlage aus den Jahren nach 1945 anlehnt. Auch die Finanzierung ist weitgehend sicher. Catrin Würz

Das ist schon lange kein würdiger Anblick mehr für eine Gedenkstätte zur Erinnerung an Kriegsopfer: Verwitterte Betonplatten, baufällige und deshalb mit Zäunen abgesperrte Formsteinwände und eine beschädigte Plastik prägen den Sowjetischen Ehrenfriedhof auf dem Spremberger Georgenberg. An dem Denkmal-Ensemble, das im Jahr 1977 nach Entwürfen des Hoyerswerdaer Bildhauers Jürgen von Woyski errichtet wurde, nagt mehr als deutlich der Zahn der Zeit. Der Beton aus DDR-Tagen zersetzt sich zunehmend. Ein Gutachten bescheinigt, dass sowohl die Bodenplatten und die Pultsteine mit den Namen der gefallenen Soldaten darauf als auch die drei mannshohen Formsteinwände nicht mehr zu retten und nicht sanierbar sind. Wollte man das unter Denkmalschutz stehende Ensemble in seiner heutigen Form erhalten, bliebe nur ein Nachbau als 1:1-Kopie - mit mehr als einer halben Million Euro Kosten wäre dies die teuerste aller Varianten. "Und in der gegenwärtigen Haushaltssituation unserer Stadt absolut nicht zu machen", sagt Bau-Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel.

Großer Stern wird gedreht

Im vergangenen Jahr lagen deshalb Entwürfe für eine Neugestaltung dieser russischen Kriegsgräbergedenkstätte auf dem Tisch. "Die Entwürfe gehen davon aus, den historischen Friedhof für die russischen Soldaten, wie es ihn nach 1945 bis Mitte der 1970er-Jahre an dieser Stelle gab, wiederherzustellen", erklärt Sachgebietsleiterin Dori tha Drews. Geplant sei also eine Anlage mit 214 einzelnen Grabsteinen und einem Gemeinschaftsgrab. "Vom jetzigen Ehrenfriedhof bleiben die beiden Denkmalelemente ,Die Trauernde' und ,Großer Stern' von Jürgen von Woyski erhalten", ergänzt die Spremberger Fachfrau für Grün- und Friedhofswesen. Beide Denkmale werden zuvor saniert und dann auf der Gedenkanlage neu aufgestellt. Schon in den nächsten Wochen wird ein Steinmetz die Sandsteinplastik "Die Trauernde" zur Restaurierung in seine Werkstatt holen. "Der Große Stern soll vor Ort saniert und dabei um 90 Grad gedreht werden. Er bildet dann den räumlichen Abschluss der Grabstätte in der Blickachse von der Kirsch allee her", so Doritha Drews. Von der Kirschallee soll künftig der Eingang in die Anlage erfolgen.

Mit gemischten Gefühlen hatten vor allem einige Stadtverordnete der Linken vor einem Jahr diesen Gestaltungsvorschlag betrachtet. Die Stadt dürfe mit ihrer Entscheidung für die preisgünstige Variante kein falsches Signal in Richtung der Russischen Föderation senden, warf Birgit Wöllert (Linke) damals ein.

Grün von der Denkmalbehörde

Klar war damals ebenfalls noch nicht, ob die Obere Denkmalbehörde des Landes dem weitgehenden Rückbau der denkmalgeschützten Anlage des namhaften Künstlers Jürgen von Woyski zustimmen würde. Nach mehreren Vor-Ort-Terminen und monatelangen Gesprächen zwischen den zwei dafür zuständigen Ministerien steht aber nun fest: Sowohl die Botschaft der Russischen Föderation als auch das Land Brandenburg unterstützen die Neugestaltung der Kriegsgräberstätte in Spremberg. Die Denkmalbehörde fordert allerdings eine fachgerechte Dokumentation über den Sowjetischen Ehrenfriedhof vor dessen Rückbau. Die russische Seite erklärte sich zudem bereit, die Kosten für die Sanierung der beiden Denkmale "Trauernde" und "Großer Stern" zu übernehmen. Und auch sonst ist die Finanzierung gesichert. Der Bund und das Land Brandenburg steuern Gelder aus verschiedenen Töpfen für den insgesamt knapp 360 000 Euro teuren Umbau der Anlage bei. Die Stadt Spremberg selbst hat lediglich einen Differenzbetrag von 6000 Euro zu finanzieren. Eine lösbare Aufgabe, befanden die städtischen Ausschüsse unisono.

Ab Dezember, spätestens ab Januar 2015 soll mit dem Abbruch der jetzigen Anlage begonnen werden. Die Einweihung der neuen Kriegsgräberstätte ist für Herbst 2015 geplant.

Zum Thema:
Die Gräberstätte auf dem Georgenberg erinnert an die Kämpfe um Spremberg im April 1945, bei denen 454 sowjetische Soldaten und Offiziere starben. 214 von ihnen wurden damals in Einzelgräbern beigesetzt.Die neu umgestaltete Anlage wird die historischen Grablagen berücksichtigen. Es sollen 214 einzelne Grabsteine aus Naturstein mit einem kleinen Sowjetstern und dem Namen des Toten darauf gesetzt werden.