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| 16:46 Uhr

Interview
„Emma steigert die Produktion“

 Mike Petersen, Geschäftsführer der Dunapack in Schwarze Pumpe.
Mike Petersen, Geschäftsführer der Dunapack in Schwarze Pumpe. FOTO: LR / privat
Spremberg. Dunapack-Geschäftsführer Mike Petersen spricht über Werte und Bewerbungsgespräche. Von Annett Igel-Allzeit

Die neue Verpackungsmaschine der Dunapack Spremberg ist aufgestellt, für die Produktion freigegeben und angelaufen. Wie Mike Petersen, Geschäftsführer des Unternehmens der Prinzhorn-Gruppe, sagt, bekam sie nach einer Umfrage unter den Mitarbeitern den Namen „Emma“.

Wie die Lokomotive in Michael Endes Lummerland? Die hatte mächtig Dampf. Herr Petersen, was kann die neue Maschine?

Petersen: Das ist ein guter Vergleich. „Emma“ rundet das Portfolio der Dunapack in Spremberg sinnvoll ab und steigert unsere Produktionsleistung um 15 Prozent. Aus Wellpappe stanzt sie Kartons und kann sie nach den Wünschen unserer Kunden bedrucken. Von stabilen Umzugskartons bis hin zu Weinkartons mit anspruchsvollen Designs kann sie ein breites Spektrum abdecken. In der Stunde sind mit ihr bis zu 20 000 vierfarbig bedruckte Kartons produzierbar. Zudem bündelt und verpackt sie bis zu zehn Kartons in der Sekunde. Und am Ende palettiert ein moderner Roboter die Fertigware vollautomatisch. Die Prinzhorn-Gruppe hat sehr klare Expansionspläne, so wollen wir als Dunapack unseren Standort bis zum Jahr 2030 ausbauen und die Produktion steigern.

Mit weiteren Maschinen?

Petersen: Es ist geplant, bis zum Jahr 2030 noch weitere Verarbeitungsmaschinen zu installieren. Momentan erweitern wir unseren Standort im Industriepark Schwarze Pumpe um ein großes Lager. Bisher nutzen wir drei Außenlager in der näheren Umgebung, von wo aus wir unsere Kunden von Rostock bis nach Nürnberg und Mönchengladbach beliefern. Die Kosten, die wir aufbringen, um die Kartons regelmäßig in diese Außenlager zu fahren, fallen ab Herbst 2019 weg. Und wir verbessern unsere CO2-Bilanz erheblich und leisten einen Beitrag für den Klimaschutz. 7000 Quadratmeter Lagerfläche – fast so groß wie ein Standard-Fußballfeld bei Länderspielen – habe wir dann endlich hier.

Erhöht der Trend zu weniger Plastikmüll die Nachfragen bei Ihnen?

Petersen: Na klar. Aber für uns hat diese Entwicklung noch mehr Facetten. In unserer Unternehmensgruppe legen wir viel Wert auf nachhaltiges Wirtschaften. Unsere Wellpappen bestehen meist vollständig aus Altpapier. Alles, was während der Bearbeitung durch das Bedrucken und Stanzen der Wellpappe als Ausschuss anfällt, führen wir als wertvollen Sekundärrohstoff der Papierherstellung wieder zu. Die Wellpappe ist zu 100 Prozent wiederverwertbar.

Wie reagieren die Kunden?

Petersen: Durch die ökologische Bewegung, die jetzt in Schwung kommt, haben unsere Kunden zunehmend ein offenes Ohr für die ökologischen Vorteile der Wellpappe, denn auch sie haben ja wieder Kunden, die nach alternativen ökologischen Mehrwerten verlangen.

Wie sichern Sie Fachkräfte für Dunapack?

Petersen: Indem wir versuchen, ein attraktives Unternehmen für die Mitarbeiter zu sein. Wenn die Kollegen am Wochenende beim Grillen ihren Freunden erzählen, dass sie es mit uns als ihren Arbeitgeber gut getroffen haben, dann ist das toll. Aber es ist nicht einfach, den neuen Ansprüchen der jungen Generation gerecht zu werden. Da müssen wir alte Denkmuster verlassen.

Ein Beispiel?

Petersen: Bewerbungsgespräche zeigen uns Arbeitgeber nicht nur, ob die Bewerber für uns geeignet ist. Sondern in den Gesprächen sagen wir, was wir neuen Kollegen bieten. Auch wir bewerben uns also immer wieder. Mit flexiblen Arbeitszeiten ist es im Drei-Schicht-System schwierig. Da suchen wir Lösungen und brauchen dabei die Unterstützung unserer Mitarbeiter. Mir ist wichtig, dass wir als familiengeführtes Unternehmen grundlegende Werte wie Zuverlässigkeit und langfristiges Denken vermitteln. Die gehen sonst verloren. Vier bis sechs Mitarbeiter brauchen wir pro Maschine über alle Schichten. Handwerkliches Geschick sollten Bewerber haben, mit Schichtarbeit umgehen können und unser nachhaltiges Handeln unterstützen.

2008 lag der Frauenanteil bei Dunapack bei 22 Prozent. Wie hoch ist er jetzt?

Petersen: 85 unserer 250 Beschäftigten sind Frauen – Tendenz steigend. Und sie bekommen Schicht und Familie unter einen Hut. Bei den Auszubildenden liegt die Übernahme-Quote bei nahezu 100 Prozent. Bei uns und innerhalb der gesamten Prinzhorn-Gruppe – vor allem hier am Standort – gibt es Möglichkeiten, sich beruflich weiter zu entwickeln. Zum Beginn des neuen Studienjahres werden wir wieder eine Stelle im Rahmen des Dualen Studiums der BTU Cottbus-Senftenberg besetzen.

Und wer denkt sich bei Ihnen all die stabilen Verpackungskartons aus?

Petersen: Dafür haben wir eine Spezialabteilung mit sechs Konstrukteure – drei Frauen und drei Männer. Sie versetzen sich in die Rolle der Kunden, forschen, entwickeln und denken über die Kundenwünsche und den Verwendungszweck der Kartons viel nach. Manchmal braucht ein Produkt vier, fünf Entwürfe, bis wir sie ideal an den Verpackungsprozess unserer Kunden angepasst haben. Einfach muss auch das Handling sein, wie der gestanzte Karton aufzustellen ist. Ein großer Versandhändler hatte den Wunsch, dass sich seine Kartons schneller aufstellen lassen, damit seine Waren schneller auf den Weg gebracht werden können. Unsere Konstrukteure haben es geschafft, dass sich das Aufstellen um vier Sekunden verkürzt. Bei vielen Millionen Kartons haben wir viele tausend Stunden Zeit eingespart. Darauf sind wir stolz.