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| 15:42 Uhr

Neuhausen/Spree
Großer Umzug in kleinem Dorf

Die Mädchen und Jungen des Montessori-Kinderhauses in Kahsel haben für den großen Festumzug mit Händen und Füßen gemalt.
Die Mädchen und Jungen des Montessori-Kinderhauses in Kahsel haben für den großen Festumzug mit Händen und Füßen gemalt. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Drieschnitz-Kahsel. Über 300 Mitwirkende aus der ganzen Region werden in Drieschnitz-Kahsel erwartet.

Kichernd sitzen die Mädchen und Jungen auf der Wiese vorm „Montessori-Kinderhaus der Parkspatzen“ in Kahsel. „Och, das kitzelt“, jauchzt eine Junge, während die Erzieherin auf die Unterseite seines rechten Füßchens lila Farbe pinselt. Mit Händen und Füßen verschönern die Kinder die zwei großen Laken, die am Samstagmorgen am Umzugswagen befestigt werden sollen. Ganz Driesch­nitz-Kahsel ist dann auf den Beinen, um mit Gästen das 18. Dorffest und die 555 Jahre urkundliche Ersterwähnung von Drieschnitz zu feiern. „Die zwei, drei Kilometer durchs Dorf werden wir mit den Kindern auf einem Wagen sitzen. Zu Fuß wäre das für die Jüngsten zu anstrengend. Damit der Wagen am Samstag noch schnell geschmückt werden kann, haben wir schon fleißig gemalt und gebastelt“, schildert Kita-Leiterin Katrin Hänsel die Vorbereitungen.

Vor fünf Jahren überraschte das Dorf mit 40 Bildern im Umzug. „Diesmal sind es 55. Wir rechnen mit einer Zuglänge von 750 Metern, es werden über 300 Mitwirkende sein“, sagt Dieter Perko, Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree und Drieschnitzer. Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen ziehen mit, Pferde mit Reitern und Kutschen. Die Sergener Karnevalisten haben mit ihren Tanzgruppen und dem Männerballett zugesagt. Der Komptendorfer Spielmannszug kommt. Die Jagdhornlbläser „Waldeslust“ verlegen ihre Feier zum 20-jährigen Bestehen nach Driesch­nitz-Kahsel und haben sich befreundete Bläsergruppe eingeladen. Schützenvereine aus Klein Döbbern und Laubsdorf und die Feuerwehr sind dabei. Das die Kinder mitmachen, freut das Festkomitee. „Uns ist es sogar gelungen, eine sorbische-wendische Kindertrachtengruppe mit roten, gelben, blauen und grünen Schleifen zusammenzustellen“, sagt Dieter Perko.  Zudem habe Drieschnitz-Kahsel nicht nur eine lange Kita-Tradition. „Wir hatten schon sehr früh Schulunterricht“, weiß Dieter Perko.

1788 fand es Lehrer Woszeng wichtig, Kindern aus Drieschnitz und Kahsel den christlichen Unterricht „angedeihen“ zu lassen. Laut Schulchronik musste er die Kinder zunächst in einer Wohnung unterrichten. „Bis 1817 beschlossen wurde, ein Schulhaus zu bauen. Der Grundstein wurde noch im selben Jahr gelegt“, so Dieter Perko. Bis 1821 unterrichtete darin Lehrer Woszeng. Ihm folgte Lehrer Koall – auch wieder für Jahrzehnte, aber eine Tragödie musste er miterleben: Das erste Drieschnitzer Schulhaus wurde im Jahr 1833 von einem „Blitzstrahl“ getroffen, und das Feuer, das deshalb ausbrach, ließ nichts als Asche übrig. Das Haus, das bis 1962 Schule war, bewohnen heute Perkos, weshalb der Bürgermeister neben den Fakten auch manche Anekdote zur Schule kennt.

Am Samstag wird sich pünktlich vorm Start des Zugs um 11 vor der Bauernstube in Kahsel getroffen. Die erste Moderation steht am Kriegerdenkmal, die zweite in Höhe der Feuerwehr, die dritte an der Dorfaue, wo der Zug dreht und zum Festplatz zieht. Dort hält nicht nur Dieter Perko eine Festrede und die Grenzwallschützer aus Laubsdorf schießen Salut. Auch der Preußenkönig kommt. Das im Jahr 1463 erstmals urkundlich erwähnte „Drysnitz“ ging nach dem Wiener Kongress (1814/15) ans Königreich Preußen. 1974 wurde es mit dem Nachbardorf Kahsel vereint.