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| 15:17 Uhr

Welzow-Drebkau
Welzow will kein Spielballin der Schul-Debatte sein

Welzow/Drebkau. Elterninitiatve hofft auf Willensbekundung zum Schulzentrum Drebkau. Von Annett Igel-Allzeit

Die Stadt Drebkau will ein Schulzentrum gründen – und hofft auf die Willensbekundung aus Welzow dazu. Doch die Welzower Stadtverordneten setzen auf die bewährte Partnerschaft mit der Oberschule Großräschen (Oberspreewald-Lausitz). „Welzow darf nicht zum Spielball der Schul-Debatte im Spree-Neiße-Kreis werden“, sagt Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD). Nach dem einstimmigen Beschluss pro Großräschen am Mittwoch war das Interesse Welzower Eltern an der Informationsveranstaltung der Elterninitiative Drebkau/Welzow einen Tag später gering. Hilmar Mißbach (Bürgerforum Stadtumbau) war als Stadtverordneter gekommen, Gudrun Jentsch (Die Linke) als Sozial- und Kulturausschussvorsitzende sowie die in der Elterninitiative aktiven Welzower Mütter Karin Noack und Jenny Schmidt. Alle anderen Eltern kamen aus Drebkau. „Wir haben mit Eltern aus Welzow und Neupetershain gesprochen und erfahren, dass für viele die Lösung mit Großräschen nicht ideal ist“, sagt Karin Noack.

55 Schüler, die zuvor die Welzower Grundschule besuchten, fahren aktuell nach Großräschen, so die Stadtverwaltung. Problematisch bleibt trotz Nachbesserung die Schülerbeförderung. „Unsere Kinder haben faktisch kein Privatleben in der Woche. Freunde treffen, Vereinsleben – das ist schwer zu realisieren“, sagt Karin Noack. Jennifer Schmidt nickt,  zum Training, das 16 Uhr in Welzow beginnt, kommen ihre Kinder stets eine Stunde zu spät.

Wie der öffentliche Personennahverkehr zwischen Drebkau und Welzow aussieht, hat sich Karin Noack angeschaut. „Die Verbindung ist besser ausgebaut und müsste durch den Landkreis nur leicht angepasst werden.“ Zudem wären die Beförderungskosten für die Eltern nach  Drebkau deutlich geringer.

Warum die Welzower Hilfe im Oberspreewald-Lausitz-Kreis suchen mussten? „Vor zehn Jahren“, so die Bürgermeisterin, „war unseren Sechstklässlern der Übergang in die Gesamtschule Spremberg verwehrt worden. Da halfen uns weder Spremberg noch Spree-Neiße.“ Die betroffenen Eltern konnten wählen zwischen Senftenberg, Großrä­schen und weiter entfernten Standorten.“ Seither wähle ein Großteil der Welzower Eltern die Oberschule Großräschen. Mit der Stadt und den Landkreisen Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz konnte der Schülerverkehr zumindest am Morgen verbessert werden. Laut Welzower Stadtverwaltung dauert die Fahrt zur Schule 45 Minuten, die Rückfahrt mit Umsteigen am Bahnhof Neupetershain 50 Minuten.

Doch die Realität sehe oft anders aus. Bei Unterrichtsausfall können die Schüler nicht einen Bus später fahren oder eher heimkommen. „Dann sitzen sie zwei, drei Stunden in der Schule“, so Karin Noack.

Auch wenn Drebkaus Bürgermeister Dietmar Horke in der Welzower Stadtverordnetenversammlung nicht zu Wort kam, haben sich die Verwaltungen doch vorab ausgetauscht, versichert Birgit Zuchold. „Trotz Partnerschaft mit Großrä­schen haben Welzower Eltern freie Wahl, und die Optionen könnten bald mehr werden: Der Landkreis hat eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberschule beantragt, Drebkau beantragt das Schulzentrum und die Stadt Spremberg will die Oberschule erweitern.“ Hilmar Mißbach wird erkunden, ob die Elterninitiative am 8. Mai – bei einer außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung in Welzow – noch einmal sprechen kann. Zudem will die Elterninitiative sich um Rederecht im Kultur- und Bildungsausschuss Spree-Neiße bemühen. An den Petitionsausschuss des Landtages und die Enquete-Kommission „Zukunft der ländlichen Regionen“ haben sie bereits geschrieben.