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Drahtesel rollen zum Auftakt nach Sachsen

Start der Radler in die Saison 2015 am kleinen Spremberger Markt.
Start der Radler in die Saison 2015 am kleinen Spremberger Markt. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Spremberg. Startschuss am kleinen Spremberger Markt: Die Wandergruppe hat für ihre Radsportler das Anradeln organisiert. Die Gruppe hat zum Saisonauftakt am Sonnabend eine Strecke von mehr als 35 Kilometer absolviert. Torsten Richter-Zippack / trt1

Das Wetter hat gepasst, die Strecke auch: Am Sonnabend haben die Spremberger offiziell angeradelt. Unter Federführung der Wandergruppe ging es über insgesamt 35 Kilometer auf die Reinert-Ranch im sächsischen Trebendorf. Zwischenstationen waren unter anderem Lieskau und die Wasserskianlage am Halbendorfer See.

An vorderster Front fährt Tourleiterin Helga Suschinski. Die 72-Jährige scheint Feuer in ihren Beinen zu haben. "Im vergangenen Jahr bin ich rund 8000 Kilometer mit dem Fahrrad auf Achse gewesen. Unter anderem ging es von Spremberg bis zur Spreequelle ins Oberlausitzer Oberland." Besonders reizvoll empfindet die frühere Mitarbeiterin des Sprela-Werkes den Oder-Neiße-Radweg. Insbesondere der Abschnitt zwischen Forst und Bad Muskau habe es ihr angetan. "Die sanften Berghänge, die alten Wälder und die Ruhe empfinde ich als sehr angenehm", sagt Helga Suschinski. Pro Tag könne die 72-Jährige bis zu 100 Kilometer auf ihrem Drahtesel zurücklegen. "Anschließend schmerzt aber fast der gesamte Körper."

Ganz neu in der Radlergruppe der Spremberger Wandergruppe ist Brunhilde Schiemenz. "Ich bin heute erst zum zweiten Mal dabei. Und was soll ich sagen? Das Rad fahren in der Gruppe macht einfach Spaß." Auch in jüngster Vergangenheit war die Sprembergerin häufig "mit's Rad" unterwegs. "Hier, schauen Sie doch auf meinen Kilometerzähler. Das ist das Ergebnis der vergangenen sieben Jahre." Das Ergebnis? Wahrscheinlich noch in diesem April dürfte die Zahl 20 000 auf der Anzeige erscheinen. "Meine bislang weiteste Tour führte mal von Spremberg nach Lübbenau und zurück", erinnert sich Schiemenz. 50 bis 60 Kilometer am Tag sind für die 64-Jährige kein Problem. Neben dem Radfahren gehe die gelernte Herrenschneiderin mehreren ehrenamtlichen Aufgaben nach. "Ich kümmere mich zum Beispiel bereits seit zehn Jahren um demenzkranke Menschen."

Welche Touren die Spremberger in dieser Saison noch unter ihre Räder nehmen wollen, stehe derzeit noch nicht fest, wie Gerhard Lorenz, Vorsitzender der Wandergruppe, sagt. Wer für eine Tour die Verantwortung übernehme, bestimme auch das Ziel. Das könne recht kurzfristig entschieden werden. Im vergangenen Jahr sei es unter anderem in den Reuthener Park, zur Confiserie nach Hornow sowie zum Spreetaler See gegangen. Darüber hinaus hätten die Spremberger die Werkstatt des Schleifer Holzkünstlers Thomas Schwarz angesteuert.

Während der warmen Jahreszeit teilt sich die Spremberger Wandergruppe in zwei Sektionen. Und zwar in die Radler und in die eigentlichen Wanderer. Die jeweiligen Touren begännen immer mittwochs um 13 Uhr. Für den 22. April stehe beispielsweise eine Betriebsbesichtigung bei der Firma Holz-Noack in Sellessen auf dem Programm.

Einen Wermutstropfen gibt es für die Spremberger Radler allerdings auch zu Beginn der neuen Saison. Und zwar der Zustand mancher Radwege. Über den Winter sei an den entsprechenden Stellen eigentlich nichts passiert. "Besonders den Weg von Pulsberg nach Alt-Haidemühl kann man eigentlich vergessen", resümiert Gerhard Lorenz. Durch Wurzelaufbrüche sei dort an ein gemütliches Fahren nicht zu denken.

Dass auch weitgereiste Gäste seit Anfang April zum Radfahren wieder verstärkt in die Region kommen, weiß natürlich Regina Stein von der Spremberger Tourist-Information am besten. "Wir hatten vor ein paar Tagen sogar drei Frauen aus Norwegen begrüßt. Und eine Dame aus Hamburg war so von Spremberg begeistert, dass sie jetzt ihren Bekannten über unsere Stadt berichtet will", sagt Regina Stein. "Mund-zu-Mund-Propaganda ist ohnehin die beste Werbung", weiß die Fachfrau aus Erfahrung.