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| 01:31 Uhr

Dörfliche Tradition und ein viel zu großer Friedhof für 320 Leute

Frank Köhler Foto: Gentzsch
Frank Köhler Foto: Gentzsch FOTO: Gentzsch
Terpe. Zwei wichtige Entscheidungen hat der Ortsbeirat von Terpe getroffen: Die Beerdigungstradition soll im Ortsteil fortgeführt werden. Dem Entwurf der städtischen Friedhofskonzeption wurde zugestimmt, allerdings mit zwei Ergänzungen.

„Wir wollen, dass die Freiflächensanierung und der Vorbau für die Feierhalle mit auf die Investitionsliste gesetzt werden“, sagt Ortsvorsteher Dieter Freißler (parteilos). Bislang sind für den Terper Friedhof 11 000 Euro vorgesehen – für den Bau einer neuen Wasserversorgung. Ansonsten geben sich die Terpschen zufrieden: Der Zaun ist grunderneuert, die Feierhalle und der Hauptweg sind saniert worden.

Probleme gibt es mit den Friedhofsüberhangflächen, die maßgeblich die Kosten erhöhen. Terpe hat mit 6130 Quadratmetern Fläche, davon sind rund 310 Quadratmeter belegt, einen der größten Friedhöfe der elf Ortsteile. „Bei rund 320 Einwohnern würden wir, spitz gerechnet, nur 640 Quadratmeter brauchen“, erklärt Freißler. Deshalb solle eine Freiflächensanierung ins Kalkül gezogen werden. Zumal im zweiten Entwurf der Friedhofskonzeption auch individuellen Bestattungsformen mehr Raum eingeräumt wird.

Ein Thema, das die Bürgerin Ursel Kowal schon lange umtreibt. Sie möchte, dass ein Gräberfeld für die hügellose Erdbestattung vorgesehen wird. „Nur mit einem Stein, dann haben die Kinder immer einen Anlaufpunkt, wenn sie mal nach Terpe kommen“, sagt Ursel Kowal. Ortsbeiratsmitglied Joachim Klammer (SPD) macht darauf aufmerksam, dass die Steine nicht zu eng anein ander stehen dürften, um die Grasmahd nicht zu behindern.

An der Beerdigungstradition wollen die Terper nicht rütteln lassen. Seit Februar dieses Jahres ist Frank Köhler (57), ein Terpsches Urgestein, Bestattungsbeauftragter. Er organisiert die Erd- und Urnenbeisetzungen im Dorf. Dazu gehört das Ausheben des Grabes, den Sarg herabzulassen und das Grab wieder zuzuschaufeln und mit Kränzen zu belegen. Dafür braucht es für jede Beisetzung vier Leute. „Jeder ist mal dran“, sagt Köhler, nur die Feuerwehr kümmere sich selbst um ihre verstorbenen Kameraden. Das Prinzip: Wer selbst nicht kann, der muss für Ersatz sorgen. Klappt das nicht, steht gegen einen Obolus eine Ersatzmannschaft bereit. Die stellt Frank Köhler zusammen.

„Wer nicht mitmacht, der muss die kommunalen Kosten zahlen, rund 280 Euro“, sagt Ortsvorsteher Dieter Freißler. Ansonsten seien 30 Euro für die Erd- und 20 Euro für die Urnenbestattung zu zahlen. Eine Preisdifferenz, die die Terpschen fest zur Tradition halten lässt, hofft Freißler. kg