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| 17:15 Uhr

Döbern-Land
Dörfer haben Ideen, aber kein Geld

Das ehemalige Feuerwehrgebäude in Bloischdorf könnte zum Gemeindezentrum umgebaut werden. Die Senhioren nutzen es gern - nur Fördermittel gibt es dafür nicht.
Das ehemalige Feuerwehrgebäude in Bloischdorf könnte zum Gemeindezentrum umgebaut werden. Die Senhioren nutzen es gern - nur Fördermittel gibt es dafür nicht. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Döbern-Land. Mike Lenke will nicht betrügen. Freiherr von Rotenhan fordert Förderprogramm. Annett Igel-Allzeit

Wer will die blaue Sporthalle in Döbern kaufen, wer die Kulturinsel und die Grundschule in Friedrichshain? Objekt für Objekt hat Uwe Eppinger, Fachbereichsleiter für Bauen, Gebäude- und Liegenschaftsmanagement in Döbern-Land, mit seinen Kollegen im Internet auf die Immobilienseite des Amtes gehoben. Während sich in der Stadt Döbern dank Städtebauförderprogramm Insek an einigen Schandflecken an den Ortseingängen etwas tut, es das Stadtplanungsamt Spremberg mit seiner Altbauaktivierungsstrategie ins Teilprogramm „Sanierung, Sicherung, Erwerb“ schaffen will und sich Welzows Bürgermeisterin Birgit Zuchold über 50 000 Euro zur Sicherung der Rathsburg wie ein Schneekönig freut, scheint es für kleine Gemeinden solche Fördertöpfe nicht zu geben. Sie können nur absperren, die Schilder „Betreten verboten“ und „Eltern haften für ihre Kinder“ aufstellen.

„Es gab nach dem Auszug aus der Friedrichshainer Grundschule  vor elf Jahren Ideen vom Landschulheim bis zum Seniorenheim. Interessenten fragen noch immer nach“, sagt Eppinger. 50 000 Euro koste das Objekt. Für  den Klinkerbau auf dem Gelände aus dem Jahr 1913 könne er sich sogar Wohnungen vorstellen. „Aber er ist nicht beheizbar“, deutet der Fachbereichsleiter den Modernisierungsbedarf an. Zum DDR-Schulbau, Baujahr 1980, zuckt er die Schultern.

Den Gemeinden fehlt Geld, solche Objekte zu sanieren oder abzureißen. Sebastian Freiherr von Rotenhan, der das Gutshaus im Reuthener Park für seine Familie herrichten ließ, ärgert sich, dass das weder Bundes- noch Landesregierung interessiert. „Ein Programm mit 500 Millionen Euro muss aufgelegt werden, um dem ländlichen Raum bei diesem Problem zu helfen“, fordert er. Ihm blute das Herz, wenn er durch die Dörfer fährt. „Hier gibt es viele Ecken, in die man sich verliebt. Nur wenn nebenan eine Ruine steht?“

Auch in Bloischdorf – mit Scheune, Gutshaus und kleiner Kirche museumsdorfreif – flattern Absperrbänder. Das Gutshaus sei verkauft, aber das Feuerwehrgebäude droht neuer Schandfleck zu werden. Ende 2015 wurde es „außer Dienst gestellt“. Die Amtsfeuerwehr benötigt es nicht mehr, die Florianjünger verstärken die Klein Loitzer Wehr. Weil das Gebäude aber das Ortsbild prägt, sollte es zum multikulturellen Gemeindezentrum umgebaut werden. Eine neue Kollegin in der Amtsverwaltung fand zur Überraschung aller ein Förderprogramm zur Werterhaltung. Dämmung und Trockenlegung, ein Aufzug und ein behindertengerechtes WC, Elektroarbeiten und Sanierung der Außentreppe als zweiter Fluchtweg wurden in die Beschlussvorlage geschrieben.  Doch Mike Lenke, amtierender Amtsdirektor in Döbern-Land, lässt die Gemeindevertreter nur kurz träumen. Der Felixseer Bürgermeister Peter Rabe (SPD) spricht von „Verführung.“ Und Lenke zieht die Vorlage zurück und erklärt: „Ich will keinen Fördermittelbetrug begehen“. Das Programm diene lediglich Werterhaltungen. Eine Umnutzung zum Gemeindezentrum sei damit unmöglich. Zum Verkauf auf der Immobilienseite des Amtes steht das Feuerwehrhaus noch nicht. Die Senioren treffen sich gern dort. Aber ohne zweiten Fluchtweg?

Der Rheinische Hof in Klein Loitz konnte verkauft werden, so Uwe Eppinger  „Das Objekt steht zwar weiter leer, aber der Besitzer lässt den Rasen mähen.“


Der Rheinischhe Hof in Klein Loitz lädt schon lange nicht mehr ein, der neue private Besitzer hält aber wenigstens das Grundstück in Ordnung.
Der Rheinischhe Hof in Klein Loitz lädt schon lange nicht mehr ein, der neue private Besitzer hält aber wenigstens das Grundstück in Ordnung. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR